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Armutszeugnis für die Stadt

Aus Anlass der Gedenkveranstaltung zum 9. November wendet sich Jürgen Stegmann aus Radebeul mit einem offenen Brief an die Stadtverwaltung: Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtverwaltung Radebeul,...

Aus Anlass der Gedenkveranstaltung zum 9. November wendet sich Jürgen Stegmann aus Radebeul mit einem offenen Brief an die Stadtverwaltung:

Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtverwaltung Radebeul, liebe Radebeulerinnen und liebe Radebeuler, der 9. November wird in den Gazetten als Schicksalstag der Deutschen beschrieben. Vieles ist in der Tat an diesem Tag passiert: Dieser Tag verdunkelte sich zur Pogromnacht und erhellte sich zum Tag des Mauerfalls. Am 9. November wird aber auch die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland gefeiert, heißt es. Dieser Geburtsstunde der Demokratie gilt es in der heutigen Zeit bei Abhandenkommen derselben nicht nur zu gedenken, durchaus auch zu feiern.

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Früher war nicht alles besser, aber anders. Da alle für den Frieden waren, waren bei Gedenkfeiern dieser Art Menschen zugegen, denen es wichtig war, zu gedenken. Und was passiert heute? Ist unsere Gesellschaft wirklich schon dermaßen pervertiert? Sind wir so internetverseucht? Es ist nämlich inzwischen modern, dass jemand eine Ware bestellt und dann nicht mehr abholt. Möge doch der Verkäufer sehen, wo er damit bleibt. Gilt das jetzt auch schon für gesellschaftliche Veranstaltungen?

Werte Damen und Herren der Stadtverwaltung: Sie hatten in Ihren Sitzungen eine Gedenkveranstaltung bestellt und eingefordert zum Thema „100 Jahre Novemberrevolution und Ende des Ersten Weltkrieges“. Aber Sie haben es bei dieser Bestellung bewenden lassen. Jetzt fragten sich fünf Boten der Gedanken zum Gedenken, was sie mit der bestellten Ware machen sollten. Letztendlich haben vier Kulturschaffende und ein Kulturamtsleiter vor vier Bürgern die von Ihnen bestellte Ware verteilt und gedachten des 9. November.

Fürderhin wird man in Radebeul auch des 9. November 2018 gedenken müssen, als Schicksalstag der Radebeuler Stadtverwaltung, an dem sie beschämt und ihr eigenes Armutszeugnis beglaubigend, in die Geschichte eingegangen ist.

Oder ist/war Ihr Fernbleiben, werte CDU-Fraktionäre, schon Wahlkampf, da doch die deutsche Novemberrevolution von 1918 hauptsächlich eine Angelegenheit der Sozialdemokratie war. Na dann, es lebe die Demokratie!