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Arnsdorf gedenkt Deportierter

Der Gemeinderat hat der Erstellung eines Gedenkbuches zugestimmt. Eine Fraktion stimmte aber geschlossen dagegen.

© Archivfoto: Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

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Arnsdorf. Geschichten erzählen, Menschen ein Gesicht verleihen, ihre Schicksale beleuchten: Dieses Ziel verfolgt die Gemeinde Arnsdorf gemeinsam mit dem Arbeitskreis Gedenkkultur Arnsdorf. Im konkreten geht es dabei um 2 681 geistig und körperlich beeinträchtige Menschen, die während der nationalsozialistischen Zeit im Rahmen der Aktion T4 vom sächsischen Krankenhaus in die Tötungsanstalt Pirna Sonnenstein deportiert wurden und dort einen grausigen Tod sterben mussten.

Im Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten soll für diese ermordeten Patienten ein Gedenkbuch entstehen. Mit dem eingangs erwähnten Ziel, den Menschen, von denen meist nur noch eine numerische Bezeichnung auf einer Karteikarte im Archiv des Krankenhauses geblieben ist, eine Gestalt zu verleihen. Das Gedenkbuch soll dabei die 2 681 Opfer namentlich nennen und jeweils ein Foto von den Ermordeten beinhalten. Außerdem soll das organisierte Töten im Rahmen der Aktion T4 beschrieben und aufgearbeitet werden. Parallel zu dem Gedenkbuch plant die Gemeinde gemeinsam mit dem Arbeitskreis vier Begleitbücher mit jeweils 100 Exemplaren zu veröffentlichen, die sich unter anderem mit Zeitzeugenberichten, den persönlichen Geschichten der Opfer oder dem damaligen Menschenbild befassen.

Zehn Exemplare geplant

Von dem Gedenkbuch sollen insgesamt zehn Exemplare produziert werden, die künftig im Sächsischen Sozialministerium, dem Landtag sowie der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein ausgelegt sind. Die anderen sieben Exemplare werden in Arnsdorf öffentlich zugänglich sein, unter anderem in der Krankenhauskirche, der Bibliothek, der Grundschule und der Wohnstätte Haus am Karswald. Angedacht ist die feierliche Vorstellung zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2019.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf circa 80 000 Euro. Eine ordentliche Summe Geld. Doch Arnsdorf kann auf Fördermittel hoffen. Denn die Leader Region Westlausitz, die Projekte im ländlichen Raum fördert, unterstützt derzeit genau solche Vorhaben. Ein Antrag auf finanzielle Hilfe muss allerdings bis zu diesem Freitag eingereicht sein. Deswegen lud Arnsdorfs Bürgermeisterin Martina Angermann auf Grundlage der Notbekanntmachung kurzfristig am Dienstagabend zu einer Sondersitzung des Gemeinderates ein, der dem gesamten Projekt natürlich seinen Segen erteilen muss.

Der eiligen Einladung des Gemeindeoberhauptes sind immerhin acht Gemeinderäte gefolgt. Vier der ehrenamtlichen Politiker sowie die Bürgermeisterin stimmten für das Projekt, vier Gemeinderäte stimmten dagegen – allesamt Mitglieder der CDU-Fraktion. Und das, obwohl der CDU-Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk Schirmherr des Arnsdorfer Gedenkprojektes ist. Doch warum hat die CDU geschlossen gegen das engagierte Projekt gestimmt? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet, denn bis zum Redaktionsschluss war der Fraktionsvorsitzende Lars Werthmann nicht zu erreichen und konnte somit keine Stellungnahme abgeben.

In dem Arbeitskreis Gedenkkultur Arnsdorf, mit dem die Gemeinde bei der Aufarbeitung eng zusammenarbeitet, sind Vertreter des Hauses am Karswald, des Krankenhauses, des Sozialministeriums, des Landratsamtes Bautzen sowie Vertreter der Kirche und ortsansässige Firmen sowie engagierte Bürger vertreten.