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Großenhain

Artenvielfalt: Wahrheit oder Täuschung

Leserbrief von Jäger Dr. Jürgen Schierig, Zabeltitz, zu den Beiträgen "Sachsen warnt vor mehr Wolfsrissen" und "Wölfe reißen fünf Schafe", SZ vom 31. August, S. 1 und 7:

Das Ergebnis des Wolfsrisses vom Wochenende in Kraußnitz, einem Ortsteil von Schönfeld.
Das Ergebnis des Wolfsrisses vom Wochenende in Kraußnitz, einem Ortsteil von Schönfeld. © privat

"Deutschland hat auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung 1992 dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt zugestimmt und sich zur Einhaltung verpflichtet. Der Begriff biologische Vielfalt in dem Sinne umfasst u. a. die Artenvielfalt und die genetische Auswahl. Gemäß des Artikels acht soll Deutschland invasive Arten bzw. ihr Hybriden, die das Ökosystem und die Existenz von einheimischen Arten gefährden, identifizieren und kontrollieren bzw. beseitigen. 

Für die Naturschutzverbände ist die Artenvielfalt das höchste Credo. Aber wie sieht es damit in der Natur aus? Das Großraubtier Wolf wird in der BRD total geschützt, außer den wenigen Problemwölfen, die zum Abschuss freigegeben wurden. Der Wolf hat keine natürlichen Feinde und kann sich mit einer Reproduktionsrate von 30 Prozent und mehr ungehemmt vermehren. Er steht an der Spitze der Nahrungspyramide mit fatalen Auswirkungen auf andere Tierarten. 

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Wir Jäger gehören einem anerkannten Naturschutzverband an und stehen voll zur Erhaltung der Artenvielfalt. Durch die Jagd wurde noch keine Tierart ausgerottet. In Ostsachsen wurden drei Muffelwild-Vorkommen mit 1.050 Tieren durch den Wolf ausgerottet. Es sind dies die Vorkommen in der Muskauer Heide, den Königshainer Bergen und dem Stadtwald Bautzen. Ein Bestand in der Sächsischen Schweiz ist stark reduziert. Generell sind alle Muffelbestände durch die weltweit höchsten Wolfsbestände aufs Höchste gefährdet. 

Diese Populationen sollen formal geschützt werden. Sie waren seit mehr als 100 Jahren heimisch. Keine staatliche Stelle und auch kein Naturschutzverband bedauert das. In den vorhandenen Wolfsgebieten der neuen Bundesländer, aber auch in Niedersachsen ist der Rehwildbestand fast bis an die Bedeutungslosigkeit zurückgegangen und nicht mehr bejagbar. 

Im Frühjahr schätzte man in Deutschland bis zu 1.800 Wölfe. Exakte Zahlen erwartet man vom Bundesamt für Naturschutz, aber von dort werden unterschiedliche Zahlen angegeben, die von 200 bis 700 schwanken. Das Wild wird vom Naturschutz als herrenlos betrachtet und wird als hochwertiges Nahrungsmittel, als Tierfutter für Wölfe, verwendet. Die von Jägern aufgewendeten Mittel und Hegemaßnahmen werden sowohl vom Staat als auch von den Naturschutzverbänden ignoriert. Der Status herrenlos, glaubt man, rechtfertigt das. 

Die in der BRD vorhandenen 1.300 Wölfe benötigen täglich vier Kilo Wildbret. Das sind pro Jahr  1.898.000 Kilo vorwiegend Rehwild. Nimmt man einen Abgabepreis von sechs Kilo in der Decke, ergibt das einen Schaden von 11.388.000 Euro, im Handel das Dreifache, also 34.164.000 Euro. 

Diese Zahlern werden von der Politik verschwiegen. Die Schäden durch Risse an Weidetieren kommen hinzu, außerdem die Kosten für das Wolfsmanagement. Man lese dazu auch die Ausführungen von Prof. Stubbe in Band 33 der Beiträge zur Jagd und Wildforschung: "Der Wolf in Russland - historische Entwicklung und Probleme".  

Die Schäden werden von einer Tierart verursacht, die nur Schäden und keinen Nutzen bringt. Der Deutsche Bauernverband erhebt angesichts der Schäden die Forderung, den Wolfsbestand zu regulieren. Die Verluste an Weidetieren nehmen weiter dramatisch zu. 2019 erneut um 40 Prozent. Offiziell wurden im Vorjahr bei 887 Wolfsübergriffen 2.894 Nutztiere verletzt oder getötet, darunter mehr als 2.500 Schafe und Ziegen sowie Rinder, Pferde und Gatterwild. Hinzu kommen die Schäden, die durch das Angstverhalten von Rot- und Schwarzwild entstehen. 

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Wenn in landwirtschaftlichen Großbetrieben oder auf Tiertransporten gegen das Tierwohl verstoßen wird, erheben Natur- und Tierschützer mit Recht ihre Stimme. Wenn jedoch Wölfe in Schafherden oder Wildgehege einbrechen und dort zig Tiere reißen und zerreißen, versagt ihnen die Stimme. Das sind Verstöße gegen den Tierschutz. Für den Wolfsbestand in Deutschland ist zur Gewährleistung der Biodiversität ein Höchstbestand festzulegen, um das Übereinkommen über die biologische Vielfalt von 1992 einzuhalten. "

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