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Hetzkampagne gegen Unternehmer

Auf hunderten Handzetteln wird Familie Wolf aus Ottendorf-Okrilla diffamiert. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

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Ottendorf-Okrilla. Benjamin und Adriana Wolf haben Angst. Wenn sie sich von der Arbeit auf den Heimweg machen, nehmen sie nicht den direkten Weg zu ihrer Wohnung, fahren Umwege, schauen ob niemand hinter ihnen her fährt. Adriana Wolf möchte manchmal einfach nur heulen.

Das Schreiben steckte in Hunderten Briefkästen und kursiert inzwischen in Sozialen Netzwerken.
Das Schreiben steckte in Hunderten Briefkästen und kursiert inzwischen in Sozialen Netzwerken. © Repro: Thorsten Eckert

Sie sind Opfer einer Hetzkampagne, die sich seit Wochen hinzieht, die Täter sind unsichtbar, immer wieder tauchen diffamierende Handzettel auf. Der obere Teil macht einen seriösen Eindruck. Dort wird der Name der Firma genannt, die beide führen: Bestattungsinstitut Muschter in Ottendorf-Okrilla. Darunter sind zwei illegal aufgenommene Fotos von ihnen zu sehen verbunden mit der Behauptung, sie würden Polizei und Staat bekämpfen. In Anspielung auf ihren Beruf ist abschließend der Satz zu lesen, „Noch lieber tragen wir Deutschland zu Grabe!“ Die Schreiben wurden in hunderten Briefkästen zunächst in Pulsnitz, dann in großen Teilen von Ottendorf-Okrilla verteilt. Inzwischen machen sie in sozialen Netzwerken die Runde. „Das ist gezielter Rufmord“, sagt Benjamin Wolf. „Das ist ein Angriff auf uns, auf unsere Kinder und auf unsere Firma“, sagt er. „Es kann nicht sein, dass wir für unser Engagement für eine tolerante Gesellschaft derartig diffamiert werden. Uns will jemand schaden und mundtot machen“ Beide nehmen an Demos gegen Fremdenfeindlichkeit teil, oft in Dresden. Benjamin Wolf war auch in Chemnitz bei einer Demonstration unter dem Motto „Herz statt Hetze“ dabei. „Mehrmals wurde ich vermutlich aufgrund des Flugblattes angesprochen und habe Drohungen erhalten. Das macht mir Angst, das ist emotional belastend.“

Hinzu kommen Auswirkungen auf die Firma. Durch die auf den ersten Blick seriöse Aufmachung des Schreibens, vermuten einige, das Ehepaar Wolf sei Initiator des Blattes. Sie werden angerufen, ihnen wird wütend die Frage gestellt, was sie sich bei dem Handzettel gedacht haben, was sie denn für Spinner sind. „Ich verwende einen Großteil meiner Zeit darauf, den Menschen zu erklären, dass das Schreiben nicht von uns stammt.“ Im Amtsblatt der Gemeinde Ottendorf-Okrilla haben sie eine Stellungnahme veröffentlicht. „Wir distanzieren uns ausdrücklich von dem Flyer. Dies ist ein Angriff auf unsere Privatsphäre und verletzt massiv unsere Persönlichkeitsrechte“, heißt es darin. Und weiter: „Wir sind entsetzt, dass kein direkter Dialog im Rahmen dieser Auseinandersetzung mit uns gesucht wurde. Man versucht, uns zu kriminalisieren, und unterstellt uns eine feindliche Haltung gegenüber älteren Menschen, der Polizei und unserem Rechtsstaat. Wir nehmen von diesen Unterstellungen ganz klar Abstand“. Beide laden ein, sie in den Filialen zu besuchen und direkt das Gespräch zu suchen.“ Nur noch 50 Prozent seiner Arbeitskraft kann Benjamin Wolf in das Unternehmen stecken, wie er sagt. Der andere Teil geht für die Gespräche drauf und das Grübeln und die Frage, wer wohl hinter der Kampagne steckt.

Ob sich Familien mit einem Trauerfall gegen den Bestatter Muschter entscheiden, kann Benjamin Wolf nicht mit Sicherheit sagen. Auf jeden Fall macht er sich Sorgen. „Ich habe das Bestattungsunternehmen erst im Frühjahr übernommen und jetzt diese Sache. Es geht um unsere Arbeitsplätze und um die meiner Mitarbeiter. Vier Familien leben von der Firma.“

Inzwischen hat das Ehepaar Anzeige bei der Polizei gestellt. „Ich bin froh, dass die Beamten das sehr ernst nehmen“, sagt Benjamin Wolf. Nach Angaben von Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz leitet das Dezernat Staatsschutz der Kriminalpolizei die Ermittlungen. „Unbekannte haben wider besseren Wissens einen Flyer in Umlauf gebracht, mit dem unwahre Tatsachen mit politischem Inhalt mit Bezug zu dem genannten Bestattungsunternehmen verbreitet wurden“, sagt er. Es geht um den Vorwurf der Verleumdung. Die Ermittlungen dauern an.

Die Wolfs werden ihr politisches Engagement jedenfalls nicht aufgeben. „Die Entwicklung in Deutschland macht uns große Sorgen, die Hetze, die Verrohung, die Intoleranz. Ich habe Angst um die Demokratie und da will ich nicht tatenlos zusehen“, sagt Adriana Wolf.