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Dynamo-Trainingszentrum wird noch teurer

Gefundene Altlasten erschweren das Projekt in Dresden. Im Verein ist auch von einem Ausstiegsszenario die Rede.

© René Meinig

Von Juliane Richter

In der Führungsebene von Dynamo Dresden rumort es seit Tagen. Über die Altlasten, die jetzt beim Bau des neuen Trainingszentrums im Ostragehege aufgetaucht sind, will Dynamos Geschäftsführer Michael Born eigentlich nicht auch noch sprechen und wiegelt zunächst ab. Aber von der Hand weisen lassen sich die neuen Erkenntnisse nicht. Auf einer zwei Hektar großen Fläche sind Bauschutt, Asche und Schlacke ausgehoben worden, deren chemische Zusammensetzung die Experten aufhorchen ließ.

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Ein Funktions- und Wirtschaftsgebäude sowie vier Plätze sollen auf dem neuen Trainingsgelände entstehen. Noch für Ende des Jahres ist die Grundsteinlegung geplant.
Ein Funktions- und Wirtschaftsgebäude sowie vier Plätze sollen auf dem neuen Trainingsgelände entstehen. Noch für Ende des Jahres ist die Grundsteinlegung geplant. © Visualisierung: AP11

Schnell hat sich gezeigt, dass diese Stoffe gesondert auf einer Deponie entsorgt werden müssen. Gefährlich oder gar radioaktiv sind die Stoffe nicht, heißt es vom Bauherrn, der städtischen Gesellschaft für Immobilienwirtschaft mbH Dresden (DGI). Diese Gesellschaft wird die zusätzlichen Kosten tragen. Laut Geschäftsführer Ralf Weber wurde schon etwa eine Million Euro in die Gesamtprojektkosten von 16 Millionen Euro für solche Altlasten eingeplant. Denn der Bauherr hatte mit derartigen Überraschungen gerechnet.

So hatten die Vorabrecherchen ergeben, dass auf dem besagten Gelände noch zu Erlweins Zeiten eine bis zu fünf Meter hohe Aufschüttung mit Aushub aus dem Hafen und von der Weißeritzbegradigung angelegt worden war, die schwieriges Material enthalten könnte. Der prognostizierte finanzielle Aufschlag wird nun aber nicht mehr reichen. Auf zwei Millionen Euro werde er sich allerdings auch nicht verdoppeln, sondern darunter liegen, sagt DGI-Chef Weber. Dynamo-Geschäftsführer Michael Born verweist zunächst nur darauf, dass die Altlasten-Proben derzeit genauer untersucht werden und man noch keine gesicherten Erkenntnisse hat.

Auch wenn der Bauherr DGI die Mehrkosten trägt, ist das Thema für Dynamo und Born heikel. Das Vertragskonstrukt mit der DGI sieht vor, dass diese den Hauptteil der Gesamtkosten trägt. Hinzu kommen rund sechs Millionen Euro Fördergelder von der Stadt Dresden und vom Freistaat. Der Verein wird später eine monatliche Miete für das fertige Objekt zahlen und hat eine Kaufoption. Aber: Aus den Baukosten errechnet sich die Miete. „Damit trifft die Baukostensteigerung indirekt auch Dynamo“, sagt DGI-Chef Weber. Michael Born ist schon jetzt klar, dass ihn in der Zukunft noch weitere Kosten treffen werden. So erwartet er zusätzliche Verteuerungen durch die gestiegenen Baukosten: „Die Entwurfsplanung ist zwei Jahre alt. Es ist kein Geheimnis, dass die Baupreise in dieser Zeit gestiegen sind.“ Zu genauen Prognosen möchte er sich nicht äußern.

DGI-Chef Weber rechnet damit, dass das Projekt demnächst die Grenze von 18 Millionen Euro überschreiten könnte. Nach SZ-Informationen wird teilweise aber auch schon mit 19 Millionen Euro gerechnet. Die Frage bleibt, wie Dynamo damit umgeht. Intern soll schon ein mögliches Ausstiegsszenario diskutiert worden sein. Soll heißen: Wird das Projekt zu teuer, zieht sich der Verein zurück.

Michael Born bestätigt, dass es kritische Stimmen gibt. Und: „Selbstverständlich ist es so, dass wir die neuen Tendenzen mitbewerten müssen.“ Im Vertrag gebe es eine entsprechende Ausstiegsklausel. Aber im Moment sei die Lage „nicht so akut“. Finanzielle Hilfe könnte es zudem erneut von städtischer Seite geben. Laut Sport- und Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) sollen Fördermittel für die Altlastenbeseitigung eingeworben werden. Wenn das nicht ausreicht, müsse mit allen Beteiligten eine Lösung gefunden werden. „Eine zusätzliche Sportförderung scheidet als Option dabei nicht aus“, sagt Lames.

Für den Verein gibt es kaum Alternativen. Schon seit Jahren weist er darauf hin, dass bessere Trainingsbedingungen die Grundlage für den sportlichen Erfolg sind. „Und man muss auch gegenüberstellen, was die Suche nach einem neuen Standort, neue Planungen bedeuten würden“, sagt Born. Hinzu kommt, dass Dynamo nicht noch länger die bisherigen Trainingsplätze im Großen Garten nutzen kann. Der Eigentümer, die Staatlichen Schlösser und Gärten, haben die Nutzungsdauer begrenzt und hoffen ebenso auf den Bau des neuen Trainingsgeländes.

Dort, am nördlichsten Zipfel der Ostrahalbinsel, ruhen derzeit die Arbeiten. Allerdings nicht wegen der Altlasten. Denn diese befinden sich etwas abseits auf jener Ausgleichsfläche, auf welche aus Naturschutzgründen die gefundenen Wechselkröten und Zauneidechsen im Frühjahr umgesiedelt werden mussten. Und auf der eine Hochwassermulde ausgehoben wurde, bei der die Altlasten aufgetaucht sind.

Stattdessen ruhen die Arbeiten derzeit, weil die Ausschreibungen laufen. DGI-Chef Weber rechnet noch im November oder Dezember mit der Grundsteinlegung. Dann soll es auch eine anständige Bautafel geben, die derzeit noch fehlt.