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Europa zuerst

Viele Teilnehmer der Kulturrouten-Tagung sind zum ersten Mal in Görlitz – und begeistert von der Stadt.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Daniela Pfeiffer

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Ob Görlitz gepunktet hat, zeigt sich später

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Daniela Pfeiffer kommentiert die hochrangige Tagung in der Stadt.

Görlitz. Halb Europa kommt aus der Synagoge. Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch ist zu hören, viele haben Kopfhörer um den Hals. Denn die Kulturroutentagung, die gerade in Görlitz stattfindet, ist mehrsprachig. Und so gibt es etliche Dolmetscher, die den 250 Teilnehmern das Gesprochene in ihre jeweiligen Landessprachen übersetzen. Gestern Vormittag haben Vertreter der Kulturrouten – 35 davon gibt es in Europa – ihre Besonderheiten vorgestellt. Draußen ist hinter der Synagoge ein Zelt aufgebaut, wo sich die Teilnehmer noch einmal zu verschiedenen Routen informieren können. Görlitz hat noch keinen Stand, zählt offiziell aber auch erst seit gestern Abend zum erlesenen Kreis derer, die zu den Kulturrouten des Europarates gehören. Die wichtigsten Vertreter kommen in diesen Tagen in Görlitz zusammen, um über die Zukunft dieser Routen zu sprechen. Erstmalig tagen sie gemeinsam mit der Unesco und zugleich ist Görlitz auch Gastgeber für die Welterbeberater der Icomos, die hier ebenfalls ihre Jahrestagung abhalten. Es geht um das große Ganze – den europäischen Gedanken. Dass er an vorderster Stelle stehen muss, wurde auch in den Runden gestern immer wieder betont. Um die Görlitzer Welterbe-Pläne geht es bei der Tagung nicht primär. Allerdings nutzt die Stadt die Gelegenheit, so viel von sich zu präsentieren wie nur möglich – trotz straffen Zeitplans. Und Gespräche zu führen, wenn schon einmal alle da sind. Am Rande der Tagung hat sich auch der Görlitzer Tourismusverein klar zur Görlitzer Welterbe-Bewerbung bekannt. Am Dienstag sagte Vorsitzende Katrin Bartsch im Stadtrat, dass die Tourismuswirtschaft fest hinter diesem Projekt stehe und in den Vereinszielen klar festgeschrieben wurde, die Welterbe-Bewerbung langfristig zu unterstützen. Mit dem Projekt „Welterbe für Görlitz“ verbinde die Tourismuswirtschaft vor allem eine bessere nationale und internationale kulturtouristische Vernetzung der Stadt, eine stärkere internationale Wahrnehmung sowie langfristiges touristisches Wachstum.

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Was Tagungsteilnehmer über Görlitz sagen

Lasst eine Ausstellung wandern!
Ich bin die Projektleiterin für die Via-Regia-Kulturroute und finde es großartig, dass die Tagung in Görlitz stattfindet. Ich bin schon oft hier gewesen, aber ein Hallenhaus habe ich mir gestern zum ersten Mal bewusst angesehen. Dass sich die Stadt nicht nur mit diesen einzigartigen Gebäuden zum Weltkulturerbe bewirbt, sondern mit dem Leben, das früher in der Stadt gelebt wurde, ist vollkommen richtig. Wichtig ist aber Öffentlichkeit! Von den westdeutschen Mitgliedern in unserem Netzwerk war noch niemand in Görlitz. Das ist sehr bedauerlich. Vielleicht könnte eine Wanderausstellung über die Görlitzer Hallenhäuser in Orten auf der ganzen Via Regia gezeigt werden. Wenn dadurch auch in Frankfurt am Main, Mainz oder Trier gesehen würde, wie schön Görlitz ist und dass die Stadt Weltkulturerbe werden will, kann das eine Chance sein, für die Bewerbung, aber auch für Görlitz unabhängig davon. (ie)
Caroline Fischer (36), Erfurt Fotos: Pawel Sosnowski
Lasst eine Ausstellung wandern! Ich bin die Projektleiterin für die Via-Regia-Kulturroute und finde es großartig, dass die Tagung in Görlitz stattfindet. Ich bin schon oft hier gewesen, aber ein Hallenhaus habe ich mir gestern zum ersten Mal bewusst angesehen. Dass sich die Stadt nicht nur mit diesen einzigartigen Gebäuden zum Weltkulturerbe bewirbt, sondern mit dem Leben, das früher in der Stadt gelebt wurde, ist vollkommen richtig. Wichtig ist aber Öffentlichkeit! Von den westdeutschen Mitgliedern in unserem Netzwerk war noch niemand in Görlitz. Das ist sehr bedauerlich. Vielleicht könnte eine Wanderausstellung über die Görlitzer Hallenhäuser in Orten auf der ganzen Via Regia gezeigt werden. Wenn dadurch auch in Frankfurt am Main, Mainz oder Trier gesehen würde, wie schön Görlitz ist und dass die Stadt Weltkulturerbe werden will, kann das eine Chance sein, für die Bewerbung, aber auch für Görlitz unabhängig davon. (ie) Caroline Fischer (36), Erfurt Fotos: Pawel Sosnowski
Nutzt eure Via Regia-Route!
An der Tagung in Görlitz nehme ich als Leiterin des Fachbereiches Welterbe der Deutschen Unesco-Kommission teil. Mitten in Europa ist Görlitz, wo ich zum ersten Mal bin, als Standort für eine solche Tagung perfekt geeignet. Wir sind am Mittwochabend ins Dom Kultury nach Zgorzelec gelaufen – über die Brücke, es war so einfach. Viele meiner Tagungskollegen hier sagen, dass Görlitz ein Juwel ist, das es noch zu entdecken gilt. Bislang ist es leider etwas schwer zu erreichen, ich wünsche da eine bessere Anbindung. Zu Görlitzer Welterbe-Chancen kann ich noch nichts sagen, die Stadt steht ja noch nicht auf der Vorschlagsliste. Aber erfahrungsgemäß ist schon der Prozess hin zu einer Bewerbung für eine Stadt eine unglaubliche Bereicherung und Erfahrung und schon ein Mehrwert für sich. Natürlich könnte der Stadt nun auch ihre neue Mitgliedschaft in der Via Regia Route nutzen. (SZ/dan)
Kerstin Manz, Berlin
Nutzt eure Via Regia-Route! An der Tagung in Görlitz nehme ich als Leiterin des Fachbereiches Welterbe der Deutschen Unesco-Kommission teil. Mitten in Europa ist Görlitz, wo ich zum ersten Mal bin, als Standort für eine solche Tagung perfekt geeignet. Wir sind am Mittwochabend ins Dom Kultury nach Zgorzelec gelaufen – über die Brücke, es war so einfach. Viele meiner Tagungskollegen hier sagen, dass Görlitz ein Juwel ist, das es noch zu entdecken gilt. Bislang ist es leider etwas schwer zu erreichen, ich wünsche da eine bessere Anbindung. Zu Görlitzer Welterbe-Chancen kann ich noch nichts sagen, die Stadt steht ja noch nicht auf der Vorschlagsliste. Aber erfahrungsgemäß ist schon der Prozess hin zu einer Bewerbung für eine Stadt eine unglaubliche Bereicherung und Erfahrung und schon ein Mehrwert für sich. Natürlich könnte der Stadt nun auch ihre neue Mitgliedschaft in der Via Regia Route nutzen. (SZ/dan) Kerstin Manz, Berlin
Bleibt so freundlich zu euren Gästen!
Ich vertrete auf dieser Tagung gemeinsam mit Kollegen aus Portugal und Bautzen die zukünftige Kulturroute „Places of Peace“. In Europa gibt es 290 Orte, an denen Friedens- oder Kapitulationverträge unterzeichnet wurden. Unser Netzwerk will diese Orte verbinden, damit wir gemeinsam über viele Länder hinweg zu einem Bewusstsein beitragen können, dass der Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit ist, sondern wir ihn verteidigen müssen. Görlitz kenne ich schon lange und bin jedes Mal angetan. Wenn die Stadt sich dafür bewirbt, Weltkulturerbe zu werden, dann ist es wichtig, dass die Bürger das mittragen und ausstrahlen. Vorhin kam uns eine ältere Dame auf der Straße entgegen und wünschte uns einen guten Aufenthalt, einfach so. Das war sehr schön und machte gleich noch mehr Lust auf die Stadt. In diesem Sinne: Wenn Görlitz es nicht schafft, Welterbe zu werden – wer sollte es sonst schaffen? 
Ulf Müller (61), Wermsdorf
Bleibt so freundlich zu euren Gästen! Ich vertrete auf dieser Tagung gemeinsam mit Kollegen aus Portugal und Bautzen die zukünftige Kulturroute „Places of Peace“. In Europa gibt es 290 Orte, an denen Friedens- oder Kapitulationverträge unterzeichnet wurden. Unser Netzwerk will diese Orte verbinden, damit wir gemeinsam über viele Länder hinweg zu einem Bewusstsein beitragen können, dass der Frieden in Europa keine Selbstverständlichkeit ist, sondern wir ihn verteidigen müssen. Görlitz kenne ich schon lange und bin jedes Mal angetan. Wenn die Stadt sich dafür bewirbt, Weltkulturerbe zu werden, dann ist es wichtig, dass die Bürger das mittragen und ausstrahlen. Vorhin kam uns eine ältere Dame auf der Straße entgegen und wünschte uns einen guten Aufenthalt, einfach so. Das war sehr schön und machte gleich noch mehr Lust auf die Stadt. In diesem Sinne: Wenn Görlitz es nicht schafft, Welterbe zu werden – wer sollte es sonst schaffen? Ulf Müller (61), Wermsdorf