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Mit Tigern und Ligern

Der Circus Probst hat sein riesiges Zelt in Döbeln aufgebaut. Viel Platz haben auch die Tiere. Das war nicht immer so.

© André Braun

Von Jens Hoyer

Döbeln. Die Liger machen ihren Namen alle Ehre. Sie liegen nämlich auf einer Strohpackung und blinzeln nur ab und zu in die Sonne. Liger, das sind Kreuzungen zwischen Löwen und Tigern. Früher, als sich die beiden Arten noch über den Weg liefen, gab es sie auch in der freien Wildbahn. Heute nur noch im Zirkus. Tom Dieck Jr. hat zwei davon in seiner Dressurgruppe. Außerdem zwei weiße Löwen und vier Tiger. Der Tiertrainer ist mit seiner Raubtiergruppe eine der Attraktionen im Circus Probst, der am Donnerstag sein riesiges Zelt mit 1200 Sitzplätzen auf den Klosterwiesen aufgeschlagen hat. Für seine Tierdressuren hatte Dieck mehrfach Preise bei Zirkusfestivals unter anderem in Monaco gewonnen.

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Auch die anderen Tiere des Zirkus haben in den Freigehegen Auslauf, wie die Zebras, die Stephanie Probst zeigt. Der Circus Probst ist nicht identisch mit dem ostdeutschen Zirkus Probst, entstammt aber der gleichen Zirkus-Dynastie.
Auch die anderen Tiere des Zirkus haben in den Freigehegen Auslauf, wie die Zebras, die Stephanie Probst zeigt. Der Circus Probst ist nicht identisch mit dem ostdeutschen Zirkus Probst, entstammt aber der gleichen Zirkus-Dynastie. © André Braun

Zirkus mit Großtieren ist heute umstritten. „Ich weiß, ich bin immer der Buhmann, der die Tiere ausbeutet“, sagte Dieck. Und er steht dabei neben den Freigehegen, in denen sich seine Großkatzen rekeln. Die Zeiten, da diese Tiere in engen Käfigen gehalten werden, sind vorbei. Sicher auch auf Druck der Öffentlichkeit. „Es gibt in Deutschland keine Gesetze, die das regeln. Aber es gibt Leitlinien, die der Berufsverband der Tierlehrer mit erstellt hat“, sagte Tom Dieck. „Darin ist festgelegt, was ein Tier braucht.“ Es gebe keine Tierhalter, die so oft vom Veterinäramt kontrolliert werden, wie Zirkusse. Nämlich an jedem neuen Auftrittsort. „Bis zu 40 Mal im Jahr“, sagte Dieck. „Artgerecht ist eine Haltung dann, wenn die Tiere sich wohlfühlen.“ Ruhen und Fressen sind die Hauptbeschäftigungen der Großkatzen. Etwa 300 Kilo Fleisch vertilgen sie pro Woche. Dieck lässt sich Rinderviertel anliefern und friert sie in einer rollenden Gefrierzelle ein.

Diecks Katzen stehen in den drei Freigehegen jeweils bis zu 100 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Die Tiger haben ein großes Wasserbecken in einer Ecke stehen. Wenn es warm ist, gehen sie gern baden. „Löwen brauchen das nicht. Die hassen Wasser wie die Pest“, meint Dieck. Den Tag über fressen und schlafen die Katzen. Erst abends werden sie munterer und beginnen zu spielen, sagte Dieck. „Bewegung brauchen die so gut wie gar nicht. Mentale Ausgeglichenheit ist wichtig.“ Abwechslung bieten die Auftritte. Proben seien dagegen nicht nötig. Die Großkatzen seien in der Manege routiniert.

Diecks Großkatzen springen über ihre Artgenossen, stellen sich zu Pyramiden auf, stehen auf den Hinterbeinen. Mit Stock und Peitsche werden die Tiere nur gelenkt und auf Abstand gehalten. „Mit Gewalt erreicht man gar nichts, da bekommt man nur Tiere, die scheuen. Das geht nur mit Vertrauen und Zusammenarbeit“, sagt Tom Dieck. Dabei spielt er mit den Charakteren seiner Tiere. Schmust mit der 19 Jahre alten Tigerdame Delhi und lässt sich vom Tigermann Sultan anbrüllen. „Den muss ich nur schief anschauen“, sagt er.

Schon Diecks Vater und Großvater hatten Großkatzen. Mit elf Jahren fing Dieck  Jr. an, seinem Vater zu helfen. Mit 18 Jahren stand er zum ersten Mal selbst in der Manege. Die beiden Söhne des 35-Jährigen, zwei und fünf Jahre alt, sind Zirkuskinder und wuseln über den Platz. Auch Vater Tom ist im Zirkus aufgewachsen. In Paris hatte er die ersten Schuljahre absolviert und es dann per Fernschule über ein Korrespondenzsystem zum Hauptschulabschluss gebracht. Heute läuft das ähnlich, aber per Internet, sagte Mathijs te Kiefte, Pressesprecher des Circus Probst. „Wir haben drei schulpflichtige Kinder im Zirkus.“

Fünf Vorstellungen plant der Circus Probst in Döbeln. „Der Vorverkauf ist gut angelaufen“, sagte Mathijs te Kiefte. Beim Programm „Fantastico" reist der Zirkus mit dem Publikum durch 250 Jahre Zirkusgeschichte. „Das geht mit Pferdedressuren los und endet mit moderner Akrobatik“, sagte der Pressesprecher. Neben Pferden bekommen die Zuschauer auch Dromedare und Zebras, mächtige Watussi-Rinder aus Afrika, Lamas und andere Tiere zu sehen. „Am Freitag ist Familientag. Da ist der Eintritt verbilligt, damit auch Familien mit einem kleinen Budget die Möglichkeit haben, einen Großzirkus zu besuchen.“