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Nächster Schritt zu leiser Bahn

Neue Lärmschutzwände an der Berliner Strecke rücken näher. Auch Kommunen und Anwohner haben sich dafür stark gemacht.

Von Ines Scholze-Luft

Die Bahn kommt. Nämlich mit der Botschaft: Er ist da, der Schlussbericht der Machbarkeitsuntersuchung Elbtal zu den Lärmschutzmaßnahmen, die die DB zusätzlich zum schon Geplanten starten will.

Anwohner, Städte und Gemeinden im Oberen Elbtal konnten sich an der Untersuchung beteiligen. Auch bei zwei Abschnitten in Weinböhla und Coswig, wo auf insgesamt 1 000 Metern vor allem Schallschutzwände entstehen sollen.

Coswig freut sich, sagt Bauamtschef Wolfgang Weimann. Neben der Schallschutzwand auf 240 Metern in Höhe des Fachkrankenhauses, östlich der Bahn, steht auch der Lückenschluss auf der Westseite an der Lößnitzstraße fest. Auf 150 Metern zwischen bestehender und bis Sommer 2019 zu errichtender Wand. Eine große Chance für das Wohngebiet Dresdner Straße, so der Bauamtschef. Die Stadt habe daran mitgewirkt, in engem Kontakt zur Bürgerinitiative (BI) Bahnemission-Elbtal e. V. und mit deren Unterstützung.

BI-Vorstand Marco Kunze spricht zwar ebenfalls von einer Entlastung für das Wohngebiet. Erwähnt aber gleichzeitig, dass für die andere, also die Ostseite mit Pferdekoppel und Sportplatz, kein Schallschutz besteht. Doch auch da gebe es auf Schutz hoffende Coswiger und Radebeuler Anwohner. Zahlenmäßig für die Bahn zu wenig Betroffene, darunter aber zahlreiche Unterstützer der BI.

Ohne sie könnte die BI nicht so wirksam arbeiten, sagt Marco Kunze. Und dass die Initiative dranbleibt an der Lärmreduzierung für möglichst viele Menschen – mit einer entsprechenden Petition hatte sie sich im Jahr 2011 an den Bundestag gewandt. Im Fall Lößnitzstraße-Gegenseite schlägt die BI beispielsweise vor, den Lärm durch eine spezielle Bepflanzung einzudämmen, zu solchen Plänen laufen anderswo bereits Versuche.

Vor allem aber ist Marco Kunze froh, dass sich einiges getan hat beim Lärmschutz. Nicht nur, dass das Elbtal neben dem Rheintal bundesweit in den Focus von Politik und Bahn gerückt ist. Im Dezember 2020 müssen alle Güterzüge auf leise Bremsen umgerüstet sein. Sonst drohen Langsamfahrt oder Fahrverbot. Außerdem werde derzeit zusätzlich zur Machbarkeitsuntersuchung an einem freiwilligen Lärmsanierungsprogramm der Bahn gearbeitet, wo sich die BI ebenfalls einbringen will.

Obwohl das alles nach noch jeder Menge Arbeit klingt, besteht das große Ziel der BI weiter in ihrer schnellstmöglichen Auflösung, erklärt Marco Kunze für den etwa 180 Mitglieder zählenden Verein. Der eng mit anderen Initiativen wie dem Bündnis Verkehrsentlastung Elbtal und der Bürgerinitiative Weinböhla zusammenarbeitet.

Auch Weinböhla spielt bei der Machbarkeitsuntersuchung eine Rolle. Mit etwa 400 Metern Schallschutz. 80 Meter Schallschutz sollen die bestehende Wand nahe dem Bahnhof verlängern. Anstelle der Geländerausfachungen an Bahnhof- und Martinstraße, auf beiden Seiten des Gleises über insgesamt knapp 550 Meter, wird aus technischen Gründen eine halbmeterhohe Schallschutzwand empfohlen. Bauwerke im Bahnhofsbereich sollen auf rund 210 Metern Länge absorbierende Verkleidungen erhalten. Wodurch die Anzahl betroffener Anwohner um 16 Prozent sinken soll, wie die Bahn errechnet hat.

Was für die Betroffenen vermutlich am wichtigsten ist: Wann wird gebaut? „Nun wird es darauf ankommen, die notwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren schnell voranzubringen“, sagt Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Genaueres weiß auch Bundestagsmitglied Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) noch nicht. Der Politiker setzt darauf, dass solche Planungs- und Genehmigungsverfahren schneller stattfinden können. Am Freitag war der Entwurf des neuen Planungsbeschleunigungsgesetzes in erster Lesung im Bundestag.

Momentan fehlen die Instrumente für ein verkürztes Verfahren bei Lärmschutzmaßnahmen, sagt Stephan Kühn. Gut findet er, dass nun der Schlussbericht der Bahn-Machbarkeitsuntersuchung Elbtal vorliegt, dass der Feinschliff fürs Schließen von Lärmschutzlücken erfolgt ist. Ob allerdings das Planungsbeschleunigungsgesetz für die Umsetzung schon etwas bringt, kann Stephan Kühn noch nicht sagen.