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Was eine Gemeinschaftsschule soll

Ein Bündnis sammelt seit Sonnabend Unterschriften für einen Volksantrag. Der soll das Schulgesetz ändern.

Von Anja Weber

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Das Schlittschuhlaufen im FEZ “Hains“ ist ein herrlicher Spaß – egal ob als Eisprinzessin oder -prinz, mit Pirouetten drehen oder als blutiger Anfänger.

Pirna. In Sachsen soll die Gemeinschaftsschule eingeführt werden. „Längeres gemeinsames Lernen soll dort ermöglicht werden, wo Lehrer, Eltern, Schüler und die Schulträger dies wünschen“, sagt Burkhard Naumann, Koordinator des Bündnisses „Gemeinschaftsschule in Sachsen“.

Um das zu erreichen, will das Bündnis 40 000 Unterschriften für einen Volksantrag sammeln. Die Änderung im Schulgesetz könnte so vom Landtag beschlossen werden. Das Bündnis wird unter anderem vom Landesschülerrat, Landeselternrat, GEW, SPD, Grünen und Linken unterstützt.

Am Sonnabend war sachsenweit der Auftakt für die Unterschriftenaktion. Deshalb hatten die Parteien Die Linke, die SPD sowie die Bündnis 90/Grüne ihre Stände mit den Unterschriftenlisten auf dem Marktplatz in Pirna aufgebaut.

Drei Parteien im Landkreis sammeln Unterschriften für den Volksantrag

Wo unterschreiben?

In den Bürgerbüros im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge werden ab Montag zu den Öffnungszeiten Unterschriften gesammelt:

Freital: Bürgerbüro MdL Verena Meiwald, Die Linke, Dresdner Straße 190, Freital

Dippoldiswalde: SPD-Abgeordnetenbüro Dagmar Neukirch, Kirchgässchen 5, Dippoldiswalde Wahlkreisbüro MdL Verena Meiwald, Die Linke, Herrengasse 20, Dippoldiswalde

Pirna: Abgeordnetenbüro Katja Meier (MdL), Grüner Laden, Schloßstr. 4, Pirna, Die Linke. Lauterbachstraße 4, Pirna, SPD-Abgeordnetenbüro Dagmar Neukirch, Breite Straße 12, Pirna

Sebnitz: Die Linke, Lange Straße 34, Sebnitz

Quelle: Parteien

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Etwa 2 000 bis 3 000 Unterschriften sollen in den nächsten vier Wochen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gesammelt werden. Die Aktion in Pirna war der Auftakt und sie war ein Novum. Erstmals sind die drei Parteien gemeinsam zu einer Aktion an den Start gegangen. Man wolle damit in der jetzigen Zeit auch ein Zeichen setzen, sagt Bundestagsabgeordneter André Hahn (Die Linke). Möglich sei das gewesen, weil man sich im Grunde der Sache einig sei und eine gemeinsame Schnittstelle gefunden habe, sagt Ines Kummer, Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Grüne. In Detailfragen gebe es dann schon unterschiedliche Auffassungen, die allerdings müssten später geklärt werden. Jetzt gehe es erst einmal um den Volksantrag. „Wir denken, dass Gemeinschaftsschulen die Kompetenzen stärken und gewachsene Strukturen über einen längeren Zeitraum zusammenbleiben“, sagt Ines Kummer.

SPD-Kreischef Ralph Wätzig (SPD) verweist darauf, dass seine Partei das Modellprojekt Gemeinschaftsschule angeschoben hat. Erste Reaktionen darauf seien durchweg positiv gewesen. Eine Gemeinschaftsschule mache Sinn. „Man kann in der vierten Klasse noch nicht voraussagen, wer zum Beispiel einmal Professor oder Maler wird“, sagt er. Für Linken-Kreischef Lutz Richter zählt auch die soziale Komponente. Die Schüler könnten länger im Klassenverband blieben und würden sich so besser gegenseitig unterstützen.

Das will der Volksantrag zur Gemeinschafsschule

Ziel ist es, ein „Optionales Modell“ ins Schulgesetz einzufügen. Damit sollen Gemeinschaftsschulen entstehen können, in denen nicht mehr frühzeitig nach Leistung getrennt wird, sondern von Anfang an bis zum Schulabschluss gemeinsam gelernt werden kann. Sie sollen freiwillig an den Standorten eingeführt werden dürfen, an denen die betreffende Schule, die Eltern und der Schulträger dies gemeinsam wollen. Die Schulen sollen also selbst bestimmen, ob sie das Gemeinschaftsschulkonzept für ihren Standort wünschen. Das Verfahren des Volksantrages selbst sei höchst kompliziert und es könnte auch noch in eine zweite Runde gehen, müsse es aber nicht. „Nach der ersten Runde gibt es eine Anhörung im Landtag. Die Initiativen haben dort Rederecht und der Landtag könnte den Volksantrag annehmen“, sagt André Hahn. Doch bevor das soweit sein könnte, werden jetzt Unterschriften gesammelt.

Diese Vorteile soll eine Gemeinschaftsschule haben

Das Bündnis hat die Ziele und Vorteile von Gemeinschaftsschulen in mehrere Bereiche aufgeteilt. So soll unter anderem Schulstress vermieden werden. Die frühe Entscheidung über die weitere Schullaufbahn sei nicht objektiv und verstärke den Schulstress und belastet Kinder, Eltern und Lehrende sozial und psychisch. Gemeinschaftsschulen seien geeignet, unterschiedlichen regionalen Bedingungen gerecht zu werden und auch für den Schulerhalt im ländlichen Raum zu sorgen.

Gemeinschaftsschulen würden mit einem durchlässigen und individualisierten Lernangebot allen Schülerinnen und Schülern bessere Entwicklungschancen bieten. Gemeinsam würde es sich besser lernen. Das würden neben den internationalen Schulleistungsstudien auch die Begleitforschungen der Gemeinschaftsschulen in Deutschland zeigen. Sowohl leistungsschwache als auch leistungsstarke Schüler werden gefördert. Bei einem sächsischen Schulversuch gehörten die Gemeinschaftsschulen in Leipzig und Chemnitz zur Spitzengruppe.

Mehr als zwei Drittel der Eltern schulpflichtiger Kinder plädieren bundesweit für längeres gemeinsames Lernen, über die vierte Klasse hinaus. 60 Prozent sind der Ansicht, dass der gemeinsame Unterricht den verschiedenen Lernvoraussetzungen besser Rechnung tragen kann. In einer repräsentativen Befragung des Emnid-Instituts haben die Sachsen ein klares Bekenntnis zu einem längeren gemeinsamen Lernen in der Schule abgelegt. Knapp zwei Drittel lehnten die bislang übliche Aufteilung der Kinder nach der vierten Klasse ab. 66 Prozent sprachen sich für die Einführung einer Gemeinschaftsschule aus. Die Befürwortung ist bei unter 30-Jährigen besonders hoch.