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Unbestreitbar streitbar

Beim Schwerter-Bockbieranstich fordert Rainer Wendt ein Umdenken beim Thema Sicherheit. Notfalls auch mit Fußfessel.

Von Marcus Herrmann

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Spannende Wettkämpfe im Stadion

Am 26. Mai weht ein Hauch von WM-Flair über den Rasen im Rudolf-Harbig-Stadion. Der Tag gehört den C-Jugend-Kickern und ihren Familien.

Meißen. Der erste Hingucker des Abends ist groß, mit weiß gedeckten Tischen voll gestellt und von einer Wand leerer Schwerter-Bierkästen umzingelt. Der Saal, in dem der traditionelle Bockbieranstich der Brauerei Meißner Schwerter am vergangenen Freitagabend erstmals stattfindet, ist sichtbar anders. „Wir haben uns für eine größere Gastronomie entschieden, weil das Interesse enorm war und in der Gaststätte weniger Platz“, begründet der Inhaber der Privatbrauerei und der Oppacher Mineralquellen Eric Schäffer die Entscheidung, dieses Mal auf das Lager neben dem Werksverkauf auszuweichen. „300 Gäste und damit 120 mehr als nebenan haben hier Platz“, erläutert Schwerter-Marketing-Leiter Norbert Rogge.

Dass die Stühle alle besetzt sind, dürfte derweil nicht nur am neuen Jahrgang des Bennator-Bockbiers liegen, dass ab Montag in den freien Verkauf geht, sondern vor allem an dem diesjährigen Gastredner, dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Der Polizist, seines Zeichens sowohl Mitglied der CDU als auch der CSU, galt schon im Vorfeld als äußerst meinungsstark und teilweise polarisierend und machte seinem Ruf durchaus Ehre.

Bevor der 61-Jährige aber leicht verspätet gegen 19.15 Uhr zu sprechen anfängt, sammeln sich an den Tischen allerlei bekannte Gesichter. So teilen sich unter anderem Landrat Arndt Steinbach, Meißens OB Olaf Raschke und Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth einen Tisch in der Nähe des Rednerpults und am später anzustechenden Bockbierfass. Nicht weit entfernt plauschen Lutz Krüger von der Winzergenossenschaft, Stadtrat Frank Lassotta und Ex-Stadtwerkechef Hans-Jürgen Woldrich miteinander. Dass vorwiegend CDU-Mitglieder oder CDU-nahe Personen eine Einladung erhielten, diesen Eindruck macht am Tag darauf die SPD Meißen und Umgebung zum Thema.

So heißt es auf deren Facebookpräsenz nach der Veranstaltung: „Ein Bockbieranstich ist eine schöne Angelegenheit, bei der viele Menschen und auch Politiker zueinander kommen, um auch einmal abseits der Politik miteinander zu plaudern. In Meißen bleibt man aber lieber unter sich. Besonders große Chancen auf eine Einladung hat man, wenn das CDU-Parteibuch sein Eigen genannt werden kann. Dann wird es schon duster. Mitglieder der Grünen, der SPD oder gar der Linken dürfen auf eine Einladung für solch eine illustre Runde nicht hoffen.“

Als der Geruch von frischem Kasseler im Saal so manchen hungrigen Gast noch hungriger macht, ergreift schließlich Ehrengast Rainer Wendt das Wort. Wie in seinem 2016 erschienenen Bestseller „Deutschland in Gefahr“ mahnt er einen behutsameren Umgang mit den Errungenschaften der Moderne wie Digitalisierung und Globalisierung an. Diese würden nicht nur Heil und Wohlstand über die moderne Gesellschaft bringen, sondern auch große Gefahren. „Von diesen Möglichkeiten der Vernetzung machen eben nicht nur gesetzestreue Personen Gebrauch. Sondern auch Terrorismus und Cyberkriminalität profitieren davon.“ Obwohl es vielen Deutschen heute so gut wie lange nicht gehe, lebten viele in einem Gefühl der Angst, so Wendt. Das habe auch mit dem zu langen Ringen der Bundesregierung um ein Zuwanderungsgesetz zu tun, sagt er. Die Lösung seien mehr Polizeipersonal, bessere Technik sowie eine Gesetzgebung, die den Polizisten mehr Befugnisse ermöglicht. „Angesichts von 100 Angriffen, die in diesem Land täglich auf Sicherheitskräfte verübt werden, ist das längst überfällig“, befindet Wendt. Als wichtige Schritte schlägt er unter anderem eine Lockerung des Datenschutzes, verlängerte Arrestzeiten für Straffällige und den Einsatz von Fußfesseln vor, die er „zum Schutz der Opfer“ ausdrücklich befürworte. „Wir müssen uns ehrlicher machen“, sagt Wendt, dem neben dem Verurteilen rechter Umtriebe die linksradikale Szene im Land zu gut wegzukommen scheint. Anders ist seine Ansage „Links geht alles, aber rechts darf man nicht einmal ein Zigeunerschnitzel bestellen“, wohl nicht zu verstehen.

Weniger markige Worte, sondern gute Nachrichten verkündet dann noch Eric Schäffer. 2018 sei wieder ein Rekordjahr für die Brauerei gewesen. Schon bald werde das Sudhaus erweitert, die Kapazität des Lagerkellers verdoppelt. 2019 soll eine vollautomatische Fassfüllanlage in Betrieb gehen. So stehen die Zeichen für die Privatbrauerei weiter auf behutsamer Expansion.