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Wassernot in Brunnendörfern

Die Versorgung mit dem täglichen Nass wird zum Problem und stellt Hermsdorf/Erz. vor eine Herausforderung.

Von Mandy Schaks

Die Telefone klingeln – in Stadt- und Gemeindeverwaltungen, bei Wasserversorgern, Behörden, Landespolitikern. Osterzgebirgler, die nicht an der zentralen Trinkwasserversorgung angeschlossen sind und sich aus Hausbrunnen versorgen, sitzen zunehmend auf dem Trockenen. In Nöte gerieten schon Dittersdorfer, Leute in Müglitz, in Herzogswalde wurde das Wasser knapp. Probleme, so ist zu hören, gibt es in Röthenbach, Niederpöbel … – und nun in Hermsdorf im Erzgebirge mit seinen Ortsteilen Seyde und Neuhermsdorf. „Es brennt lichterloh“, sagte Gemeinderat Andreas Zimmermann am Montag, als er in der sehr gut besuchten Schunkelscheune durch den Abend führte. Diesmal keine vergnügliche Veranstaltung. Es geht um die Zukunft des Dorfes, die vom täglichen Nass abhängt. Deshalb hatte die Gemeindeverwaltung zu einer Einwohnerversammlung eingeladen.

Das Problem: Brunnen geben nicht mehr genug Wasser

Hermsdorf ist ein Brunnendorf. Während in anderen Kommunen zum Teil noch einzelne Ortsteile oder Gebiete ihr Trinkwasser aus Hausbrunnen beziehen, betrifft das hier die gesamte Gemeinde, sagte Bürgermeister Andreas Liebscher (parteilos). Die rund 850 Hermsdorfer bekommen ihr Wasser aus Brunnen, genauso wie zum Beispiel Hotels und Pensionen. Bisher habe das Wasser immer gereicht, so Liebscher. Jetzt melden sich aber Einwohner und Gewerbetreibende, dass es bei manchen knapp wird. Doch nicht nur die Menge ist das Problem. Teilweise reiche die Qualität nicht mehr aus. Auch die Landwirtschaftsgesellschaft, die rund 55 Haushalte mit Nass versorgt, kann nicht mehr liefern und kündigte zum 30. Juni nächsten Jahres den Vertrag. Die Situation sei prekär, fasste Andreas Zimmermann zusammen.

Die Lösung: Eine stabile öffentliche

Trinkwasserversorgung

Manche Grundstücksbesitzer haben inzwischen investiert, zum Beispiel den Brunnen tiefer gegraben, um ihre Versorgung zu stabilisieren. Ob das immer klappt, ist ungewiss. Sicher indes ist: Wenn das im Dorf noch mehr Leute tun, weiß keiner, was das für Folgen für Nachbarn haben könnte. Zudem ist nicht abzusehen, wie sich die Lage entwickelt. Die Situation habe sich in den vergangenen zwei, drei Jahren angebahnt, sagte Dr. Andreas Eckardt vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. „Wir haben niedrige Grundwasserstände in Sachsen.“ Diese würden angesichts der Trockenheit noch weiter sinken. Deshalb könne keiner sagen, ob diejenigen, die heute noch Wasser im Brunnen haben, schon bald selbst betroffen sind. Das werde entscheidend vom Winter abhängen. Aber darauf kann sich niemand auf Dauer verlassen. „Wir hatten auch die letzten Jahre keine Schneeschmelze“, so Andreas Zimmermann. Das Wasser werde weniger. Deshalb brauche aus Sicht von Fachmann Eckardt und Bürgermeister Liebscher die Gemeinde eine zentrale öffentliche Wasserversorgung, die sicher ist, nachhaltig und wirtschaftlich. Dabei wolle das Ministerium die Hermsdorfer unterstützen, kündigte Eckardt an.

Der Weg: Variantenvergleiche und

Bürgerbefragung

Es ist überhaupt noch nichts entschieden, erklärte die Gemeindespitze. Deshalb könne jetzt auch noch nichts gesagt werden zu den Kosten. Es gelte jetzt erst einmal, eine Antwort auf die Frage zu finden: „Was wollen wir in Hermsdorf machen?“. Ohne Wasser, das verdeutlichten Zimmermann und Liebscher, werde es in Zukunft schwierig. Wer ziehe schon nach Hermsdorf, wenn er auf dem Trockenen sitzt? Was sollen Hotels und Pensionen künftig tun, wenn das Wasser knapp wird oder ganz versiegt? Die Gemeinde will nun ein Ingenieurbüro beauftragen, verschiedene Varianten zu prüfen. Es hat auf Initiative der CDU-Landtagsabgeordneten Andrea Dombois auch schon Gespräche im Umweltministerium gegeben. Denn die Erschließung wird eine Stange Geld kosten und ist ohne Förderung wohl unbezahlbar. Andrea Dombois sagte, dass sie es sehr schade fand, als damals in den 1990er- und 2000er-Jahren einige Gemeinden die Möglichkeit nicht nutzten und mitmachten, als viele Fördermittel zur Verfügung standen. Jetzt gebe es kein Fördermittel-Programm dafür. Sie versprach aber: „Wir werden eine Lösung finden.“ Und gab den Hermsdorfern eine Aufgabe mit: „Die Gemeinde muss sich im Klaren sein, was sie will.“ Es müsse eine klare Entscheidung geben. Fest steht, das machte Liebscher deutlich: Wenn sich nur ein paar Leute an das öffentliche Netz anschließen wollen, gebe es keine Gelder und für die Einzelnen werde es teurer.