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Hier lässt die Stadt den Wald verwildern

Auf zwei städtischen Flächen wird die Natur sich selbst überlassen. Das soll Tierarten zurückbringen.

© Sven Ellger

Von Nora Domschke

In diesem Bereich des Dresdner Elbhanges wird künftig keine Motorsäge mehr zu hören sein. Wer regelmäßig am kleinen Bächlein Kucksche zwischen Niederpoyritz und Rockau durch den Wald spaziert, wird in den nächsten Jahren Erstaunliches entdecken. Dort können Naturfreunde beobachten, wie sich der Wald und die Vielfalt der Tierarten verändern, wenn der Mensch diese komplett sich selbst überlässt.

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Eine Frage der Logistik 

Im Institutsbüro des Betriebswirtschaftlers Christian Hein entstehen Lösungsansätze, die dazu beitragen, dass humanitäre Hilfseinsätze in der ganzen Welt sicherer und reibungsloser ablaufen.

Die rund 4,8 Hektar große Fläche auf der nördlichen Seite des Grundes gehört zum Dresdner Stadtwald und ist Teil des Naturschutzgebietes „Elbhänge Dresden-Pirna und Schönfelder Hochland“. Mit dem Plan für die Waldbewirtschaftung hatte der Stadtrat im August unter anderem auch beschlossen, dass zwei Bereiche des insgesamt 958 Hektar großen Stadtwaldes unter Prozessschutz gestellt wird. Geschützt sind der Kucksche-Wald sowie in ein Waldstück am Waldhof in Wilschdorf. Dieser besondere Status bedeutet, dass es künftig keinerlei menschliche Eingriffe gibt. „Auch nicht, wenn ein Sturm oder Insekten Schäden angerichtet haben oder sich Pflanzen ansiedeln, die hier eigentlich nicht hergehören“, erklärt Petra Kirchhoff, die im Umweltamt für den Artenschutz zuständig ist. Auch abgestorbene Bäume werden nicht aus dem Wald geholt – ein Unterschied zu den städtischen Wäldern, die zwar auch nicht bewirtschaftet, aber zumindest gepflegt werden. Diese Flächen machen derzeit rund 30 Prozent des Kommunalwaldes aus. Mit dem Prozessschutz geht die Stadt nun noch einen Schritt weiter und greift überhaupt nicht mehr ein.

Mit dem Forstexperten Thomas Hensel hat Petra Kirchhoff diese beiden Stadtwaldflächen ausgewählt, weil sie sich aufgrund ihrer Lage besonders dafür eignen. Am Elbhang etwa spielte eine wichtige Rolle, dass der Naturschutzbund auf der südlichen Seite des Kucksche-Grundes ein Waldstück besitzt, das auch unangetastet bleibt. „Damit ist die gesamte Fläche am Elbhang, die unter Prozessschutz steht, sehr groß“, sagt Petra Kirchhoff. Hintergrund des Projektes ist es, den Artenschwund aufzuhalten.

Wenn ein Wald natürlich altert, bilden sich Höhlen, rissige Borken, Totholz – Nahrungs- und Lebensgrundlage für Insekten, Pilze, Moose, Flechten, die wiederum von Vögeln und anderen Tieren gefressen werden, die sich vor Ort ansiedeln. Wie sich ein derartig geschützter Wald aber ganz konkret – auch im wandelnden Klima – entwickelt, werde sich wohl erst in einigen Jahrzehnten zeigen, sagt die Artenschützerin.

Schon jetzt gibt es in dem 130 Jahre alten Eichen-Buchenwald am Elbhang mehr als 200 Insekten- und zwölf Fledermausarten. Wie viele verschiedene Vogelarten es sind, wird noch untersucht, aber Schwarzspecht und Waldkauz haben das Gebiet schon für sich entdeckt. Über sie und das Projekt Prozessschutz informiert jetzt eine Tafel, die am Wanderweg im Grund aufgestellt wurde. Sie zeigt unter anderem, wie der Wald 2118 einmal aussehen könnte.

Forstexperte Thomas Hensel wird künftig etwa einmal im Jahr an der Kucksche entlanglaufen und schauen, ob der Weg frei ist für Spaziergänger und Wanderer. Im Naturschutzgebiet ist es übrigens nicht erlaubt, den markierten Weg zu verlassen. Besonders jetzt, wenn loses Totholz nicht mehr aus dem Wald geholt wird, wäre das ohnehin nicht ganz ungefährlich.