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Döbeln hat jetzt noch mehr Ruinen

© Dietmar Thomas

Das Rittergut Ziegra soll zum Wohnstandort entwickelt werden. Aber bis auf ein paar Sicherungsarbeiten gibt es noch keine Aktivitäten.

Von Jens Hoyer

Döbeln. Im Frühjahr hat die Stadt sieben Grundstücke auf dem Gebiet des früheren Rittergutes in Ziegra gekauft. Das Geschäft war günstig: Die Flächen samt Gebäude kosten sieben Euro. Das Land Baden-Württemberg hatte sie Döbeln für einen symbolischen Betrag überlassen. Es war an die Immobilien gelangt, als der vorige Eigentümer Thomas Schmidt vor fünf Jahren gestorben und die Nachkommen das Erbe ausgeschlagen hatten.

Die Stadt ist damit auch in den Besitz des etwa 200 Jahre alten heruntergekommenen Herrenhauses, einer unbewohnten Neubauernstelle mit eingestürzter Scheune, einigen Garagen und Schuppen gekommen. Die Zeit hat die Stadt genutzt, um das Herrenhaus winterfest zu machen. „Der Dachdecker hat ein paar Löcher verschlossen, damit es nicht mehr reinregnet“, sagte Jürgen Aurich, zuständig für die Liegenschaften der Stadt.

Darüber hinaus gibt es bei der Verwaltung bisher nur vage Vorstellungen, wie es mit der Liegenschaft weitergeht. Die Neubauernstelle wird sehr wahrscheinlich abgerissen – die Ruine ist derzeit mit einem Bauzaun gesichert. Für den Rest will die Stadt einen Planer engagieren, der das Areal vielleicht zum Wohnstandort entwickelt. Der Denkmalschutz sei bei den Planungen zu beachten., „Nicht nur das Herrenhaus, sondern das ganze Areal des Ritterguts steht unter Schutz. Der Charakter des Vierseithofs soll erhalten bleiben“, so Aurich.

Als Vorbild könnte das Rittergut in Ebersbach dienen, für das es schon konkrete Pläne gibt, wie ein solches Objekt für Wohnzwecke genutzt werden kann, sagte Aurich. „In diesem Jahr wird aber nichts passieren und im nächsten Jahr nicht gleich.“ Die Bauverwaltung sei mit anderen Projekten derzeit ausgelastet.

Liselotte und Werner Kunze haben seit den 1960-er Jahren ein Haus auf dem Rittergutsgelände – bis nach dem Krieg hatte an dieser Stelle eine große Scheune gestanden, die abgerissen wurde. „Es wäre schön, wenn hier wieder Ordnung reinkommt, so liederlich, wie das aussieht. In der Ruine hausen die Waschbären“, erzählte Werner Kunze. Er hat eine enge Bindung zum Rittergut und wohnte früher selbst im Herrenhaus.

Er kannte die Pläne, die der Vorbesitzer mit der Altimmobilie hatte. Die Gemeinde hatte das Haus seinerzeit an den Investor verkauft, der dann aber doch nicht investierte. „Der hatte ganz große Pläne. Das wären schöne Wohnungen geworden mit Balkonen und Terrassen zum Park.“ Kunze sieht das Potenzial des Ritterguts als Wohnstandort. „Die Parkanlage ist herrlich. Am Wochenende kommen die Familien mit ihren Kindern zum Spielen.“