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Arztbesuch per Mausklick

Das Internet macht es möglich. Für die Verwaltung oder das Gespräch mit dem Arzt sind keine langen Wege notwendig. Doch es fehlen die Grundlagen.

© Dietmar Thomas

Von Sylvia Jentzsch

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Döbeln. Wer kennt das nicht. Nach einem Umzug ist eine Anmeldung am neuen Wohnort notwendig. Das kostet Zeit. Viel schöner wäre es, wenn das von zu Hause aus im Internet möglich wäre. Oder wenn ein älterer Mensch, der nicht mehr so mobil ist, mit dem Arztmithilfe des Internets kommunizieren könnte, würde es ihm viel Mühe und Kraft ersparen. Möglich ist das alles. Aber zurzeit fehlen gerade im Altkreis Döbeln die Voraussetzungen. Denn nicht überall liegt schnelles Internet an. Und von der digitalen Offensive von Bund und Land profitieren zurzeit meist nur die Zentren. Die Oma in Tronitz in der Gemeinde Großweitzschen wird wohl auch künftig einen Anfahrtsweg zum Arzt in Kauf nehmen müssen. Und auch das junge Ehepaar, das sein Wohnsitz ändert, muss während der Öffnungszeiten ins Bürgerbüro, um sich anzumelden.

Wie eine digitale Verwaltung aussehen könnte, welche Voraussetzungen notwendig sind und was zu beachten ist, darüber sprachen Bernd Schlömer, Mitarbeiter im Bundesverteidigungsministerium und seit 2016 für die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus tätig sowie der mittelsächsische FDP-Direktkandidat für den Bundestag Philipp Hartewig am Sonntag im Welwel.

Schlömer befürwortet bezüglich des Ausbaus des Internets eine technologieoffene Förderung. Er sieht, wie viele Bürgermeister aus den Gemeinden mit vielen Ortsteilen, in der drahtlosen Anbindung eine Alternative. „Der Ausbau des schnellen Internets muss wirtschaftlich und nutzerorientiert sein“, so Schlömer. Doch der Ausbau über Funk als teilweise finanziell günstigere Lösung für Ortsteile wird zurzeit von Bund und Land nicht finanziell unterstützt. Dabei wird auch dort das Internet dringend benötigt. „Schon seit einigen Jahren nimmt mein Opa über Skype zu mir Kontakt auf und informiert sich im Internet. Für ihn ist das wichtig“, so der FDP-Bundestagskandidat Hartewig.

Bernd Schlömer unterstrich durch Zahlen die Notwendigkeit der digitalen Verwaltung. Nach Schätzungen wenden die Deutschen im Jahr 400 Millionen Stunden für Verwaltungsleistungen, zum Beispiel das Ausfüllen von Formularen und Anträgen auf. Allerdings habe jeder statistisch gesehen nur 1,7 Mal im Jahr Kontakt zu Behörden. 34 Prozent der Deutschen stehen einem Verwaltungssystem, in dem auch persönliche Daten gespeichert werden, skeptisch gegenüber. Sie haben Bedenken wegen der Sicherheit und des Datenschutzes.

„Wahrscheinlich haben deshalb auch nur vier Prozent der Besitzer eines neuen Personalausweises die elektronische Identifizierung aktiv geschalten“, vermutet Schlömer. Dabei sei das die Grundlage für die digitale Verwaltung. In Estland zum Beispiel ist die Identifizierungskarte (ID-Karte) das zentrale Element, das zu 90 Prozent für Verwaltungsdienstleistungen genutzt wird. Es können sogar Firmengründungen oder Kontoeröffnungen mit deren Hilfe abgewickelt werden. Voraussetzung dafür ist ein entsprechendes Lesegerät, das der Staat zur Verfügung stellen müsste, so Schlömer.

Er nannte Kriterien für digitale Verwaltungsleistungen. Sie müssen flächendeckend angeboten werden und nutzerfreundlich, also einfach zu bedienen sein. Dazu gehören auch Interoperabilität, automatischer Datenaustausch und Medienbruchfreiheit. Das bedeutet, ein Formular kann nicht nur aus dem Internetportal heraus gedruckt und mit der Post versendet werden, sondern auch ausgefüllt per Internet zurückgehen. Außerdem müssen die Sicherheit und der Datenschutz sowie eine Nutzungstransparenz gewährleistet werden. „Ich muss nachvollziehen können, welche Behörde welche persönlichen Daten verwendet hat“, so Bernd Schlömer.