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Arztpraxis vorm Aus

Dr. Jörg Schwer arbeitet als Hausarzt in Göda. Jetzt muss er aufhören.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Es war eigentlich nur ein Routinebesuch, den Manfred Gelfert und seine Frau dieser Tage bei ihrem Hausarzt in Göda absolvierten. Doch seitdem das Paar aus dem Ortsteil Döbschke die Praxis verlassen hat, ist es aufgewühlt. „Unser Doktor ist nur noch bis Ende des Jahres da“, berichtet Manfred Gelfert aufgeregt, was er in der Praxis erfahren hat. Empört fügt er hinzu: „Er darf nicht weitermachen.“

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Dr. Jörg Schwer bestätigt: „Ja, uns Dreien wurde zum 31. Dezember gekündigt.“ Er meint damit sich und die beiden Arzthelferinnen. Die Nachricht sei per E-Mail bei ihm eingetroffen; überraschend und ohne Begründung. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich bis zur Rente oder noch länger bleibe“, sagt der Mediziner. Ausgesprochen wurde die Kündigung von seinem Arbeitgeber, dem KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation mit Sitz in Neu-Isenburg nahe Frankfurt am Main. Es handelt sich dabei um einen gemeinnützigen Verein. Er wurde 1969 gegründet; laut eigenen Angaben deshalb, weil es damals in Deutschland einen Versorgungsnotstand für Dialyse-Patienten gab. Heute betreibt das KfH über 200 Nierenzentren und 23 Medizinische Versorgungszentren – eins davon in Bischofswerda. Es wurde vor neun Jahren eingerichtet und 2014 mit der Praxis in Göda ergänzt. Seitdem praktiziert Dr. Jörg Schwer in dem Dorf; anfangs zusätzlich zu seiner Arbeit im Bischofswerdaer Versorgungszentrum, in dem er seit 2009 hausärztlich tätig war. Seit 2015 arbeitet der Facharzt für Innere Medizin ausschließlich in Göda.

„Es stimmt, dass wir die Zweigpraxis in Göda zum 31. Dezember dieses Jahres schließen und die medizinische Patientenversorgung im KfH-Gesundheitszentrum Bischofswerda bündeln werden“, antworten Ilja Stracke und Christiane Schönfeldt von der Stabsstelle Kommunikation des KfH auf eine Anfrage der SZ. „Wir haben uns gegen die Aufrechterhaltung der Praxis in Göda entschieden, da die Räume sehr veraltet und für Patienten schlecht erreichbar und begehbar sind. Es wären größere Investitionsmaßnahmen oder aber ein kompletter Umzug erforderlich“, begründen sie. Die Praxis befindet sich in einem Haus am Oberweg 2; ein ganzes Stück vom Dorfzentrum entfernt. „Die Räume sind sehr unzeitgemäß“, bestätigt Dr. Jörg Schwer. Sein Team habe ein anderes Objekt vorgeschlagen, in dem man eine moderne Praxis einrichten könnte. „Aber das wollte das KfH nicht“, bedauert er. Das Kuratorium setzt stattdessen auf sein Gesundheitszentrum in Bischofswerda. „Dort bieten wir eine fachübergreifende allgemeinmedizinische, kardiologische sowie diabetologische Versorgung an. Ansprechpartnerin für die hausärztliche Betreuung ist Claudia Jänchen, Fachärztin für Innere Medizin“, betonen Ilja Stracke und Christiane Schönfeldt. Die Patienten der Gödaer Praxis will das KfH ab dieser Woche über die Änderungen informieren.

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