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Asyl-Gerüchte um ehemaligen Real

In der Immobilie in Freital könnten theoretisch Flüchtlinge unterkommen. Oberbürgermeister Uwe Rumberg nimmt dazu Stellung.

© Andreas Weihs

Von Tobias Winzer und Andrea Schawe

Freital. Das Technische Hilfswerk soll schon vor Ort gewesen sein, neue Fenster wurden angeblich eingebaut und eine Erstaufnahmeeinrichtung für tausend Flüchtlinge soll vermeintlich entstehen. Es sind solche Gerüchte – bis gestern zum Beispiel zu lesen auf der Facebook-Seite der asylfeindlichen Initiative Europa 2.0 –, die rund um den ehemaligen Real-Markt an der Burgker Straße für Unruhe sorgen. Seitdem es am vergangenen Wochenende in der leerstehenden Immobilie gebrannt hat, ist die Sorge bei Anwohnern noch einmal gewachsen. Waren Asylgegner am Werk, die ein mögliches Heim verhindern wollen?

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In der Stadtratssitzung am Donnerstagabend äußerte sich Freitals Oberbürgermeister, Uwe Rumberg (CDU), erstmals zu den Gerüchten. Es werde beispielsweise in Internetforen davon gesprochen, dass die Landesdirektion wegen des anstehenden Winters feste Unterkünfte brauche. „Ich habe daraufhin beim Innenministerium und bei der Landesdirektion angefragt. Derzeit ist das kein Thema, hieß es.“ Es sei vereinbart worden, dass die Stadt rechtzeitig informiert werde, falls sich daran etwas ändern sollte.

Freie Unterkünfte melden

Das ist auch das Ergebnis einer Anfrage der Sächsischen Zeitung. Momentan sei die Landesdirektion zusammen mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) in einem ständigen Prozess mit der Recherche für zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten für die Erstaufnahme von Asylbewerbern befasst, teilt ein Sprecher mit. „Dabei werden immer wieder die verschiedensten Grundstücke oder Gebäude – in erster Linie landeseigene Immobilien – in den Blick genommen.“ Eine Information der Öffentlichkeit zu neuen Erstunterbringungsquartieren sei aber erst sinnvoll, wenn eine Entscheidung für einen Standort getroffen wurde und eventuelle Verträge vereinbart worden sind. „Wir kommunizieren dann jeweils aktiv und umgehend“, so der Sprecher.

Wer sich vor Ort umsieht, wird feststellen, dass es noch keinerlei vorbereitende Bauarbeiten im oder am Markt gibt. Die einzigen Fenster am Haus – sie befinden sich am ehemaligen Eingang zum Supermarkt – sind nach wie vor mit weißen Platten verdeckt. Neu eingebaute Fenster sind nicht zu sehen.

Der Real-Markt war bis 2010 der größte Supermarkt der Stadt. Dann schloss Real die Freitaler Filiale. Das Unternehmen begründete seinen Rückzug damals damit, dass der Markt nicht wirtschaftlich sei. Noch bis Ende 2013 war die Metro-Tochter Mieter der Immobilie an der Burgker Straße. Der damalige Eigentümer wollte einer vorzeitigen Auflösung des Vertrages offenbar nur zustimmen, wenn Real einen Nachnutzer präsentiert.

Freie Unterkünfte melden

Das Gebäude gehört der Atos GmbH, einer Fondsgesellschaft mit Sitz in Ulm und Hamburg. Die hatte die Immobilie nach der Zerschlagung des einstigen Eigentümers, der Treveria GmbH, übernommen. Die britische Fondsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf ging im Oktober 2012 insolvent und wurde im Juli 2013 aufgelöst. Die Atos GmbH äußert sich allerdings nicht zur Zukunft der Immobilie, sie ließ mehrfache Anfragen unbeantwortet.

Fest steht jedoch: Freital muss wegen der stetig steigenden Flüchtlingszahlen mehr Asylbewerber aufnehmen als zuletzt geplant. In einem Informationspapier, das bei der Stadtratssitzung am Donnerstagabend verteilt wurde, ist von 335 Plätzen als Vorgabe die Rede. „Diese Zahlen sind mittlerweile schon wieder überholt“, musste der zuständige Bürgermeister Mirko Kretschmer-Schöppan (parteilos) einräumen. Derzeit lebten 203 Flüchtlinge dezentral in Wohnungen und 363 zentral im Asylbewerberheim und in der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Leonardo-Hotel. Anfang des kommenden Jahres soll außerdem in einer ehemaligen Kita an der Dresdner Straße 288 ein Heim für 120 Flüchtlinge eröffnet werden.

Kretschmer-Schöppan appellierte deshalb an die Freitaler, freie Unterkünfte an die Stadtverwaltung zu melden. „Wir können von hier aus die Flüchtlingsströme nicht steuern, sondern müssen damit umgehen und Lösungen finden.“ Zur Not könnte das zuständige Landratsamt die Flüchtlinge in Schulturnhallen unterbringen, wenn keine anderen Plätze vorhanden sind. „Solche Zwangsmaßnahmen wollen wir vermeiden“, so Bürgermeister Kretschmer-Schöppan.

In den kommenden Wochen will die Stadt mehr für die Integration der hier lebenden Flüchtlinge tun. Deshalb soll es im Rathaus künftig einen Asyl- und Integrationsverantwortlichen geben. Die Ausschreibung der eventuell auch zwei Stellen werde gerade vorbereitet, sagte Kretschmer-Schöppan. Die Mitarbeiter sollen zum Beispiel zentrale Ansprechpartner bei Hilfsangeboten sein, sie sollen Sprachkurse und Arbeitsangelegenheiten für die Flüchtlinge koordinieren und dadurch insgesamt für ein gutes Zusammenleben zwischen Einheimischen und Flüchtlingen sorgen. „Das wird eine langfristige Aufgabe.“