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Asylbewerber auf Abwegen

Kaum angekommen und schon weg. In Moldava haben Grenzpolizisten Asylbewerber aufgelesen. Nicht der einzige Fall.

© privat

Von Mandy Schaks

Osterzgebirge. Es war nicht die Frage, ob es passiert, sondern wann. Und das ging schneller, als mancher gedacht hätte. Nicht einmal 24 Stunden nach der Ankunft der 36 Asylbewerber in Neurehefeld am Mittwoch vor einer Woche hatten sich die Ersten selbstständig gemacht und zu Fuß einen kleinen Ausflug ins Nachbarland unternommen. Schließlich liegt Moldava von der Asylunterkunft nur einen Steinwurf entfernt. Wenn die Flüchtlinge aus dem Fenster gucken oder sich die Beine in der Einöde im Schnee vertreten, sehen sie bunte Lichter und Geschäfte, die es in Neurehefeld nicht gibt. Über die Grenze aber dürfen sie nicht. Darüber wurden die Neuankömmlinge auch bei ihrer Ankunft informiert. Doch so richtig gefruchtet hat das nicht. Schon am Donnerstagmorgen wurde der erste Asylbewerber in Moldava gesichtet, berichtet Eva Kardová, die stellvertretende Bürgermeisterin. Vier weitere waren dann am Abend im tschechischen Nachbarort unterwegs. „Die wollten etwas kaufen.“ Die Moldavaer waren in Sorge und haben die Polizei gerufen. Die tschechische Grenzpolizei habe dann die vier Nachtschwärmer aufgegriffen und nach Usti mitgenommen. Dort kamen sie in Gewahrsam und mussten nach Kenntnis von Frau Kardová eine kleine Geldstrafe zahlen. Wie viel, das weiß sie nicht. Die Bundespolizeiinspektion Berggießhübel bestätigte auf SZ-Nachfrage inzwischen den Vorfall. Die Beamten hätten einen Tag später auf der Grundlage eines Rücküberstellungsabkommens die Asylbewerber wieder übernommen. Ein Verfahren werde eingeleitet, so Sprecher Martin Ebermann. Dabei handele es sich um einen Verstoß gegen die Aufenthaltsbeschränkung. Das wäre rein rechtlich eine Ordnungswidrigkeit. Am 14. Januar ist auch bei der Polizei eine Anzeige eingegangen, sagt Sprecherin Ilka Rosenkranz von der Polizeidirektion Dresden. Gegen einen Asylbewerber aus dem Irak, der in Tschechien gewesen sein soll, werde wegen unerlaubter Einreise ermittelt. Wenn ein Asylbewerber, der in Deutschland die Duldung oder Aufenthaltsgestattung hat, nach Tschechien geht, erlösche der Status, erläutert sie. Kehrt er zurück, wäre das eine illegale Einreise. Was sich hier konkret zugetragen hat, muss nun die Polizei klären.

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Moldava beobachtet mit Sorge, dass offenbar Asylbewerber von Neurehefeld über die Grenze kommen.
Moldava beobachtet mit Sorge, dass offenbar Asylbewerber von Neurehefeld über die Grenze kommen. © privat

Auch der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten wurde schon am ersten Tag alarmiert. Da saßen abends vier irakische Asylbewerber am Bahnhof in Altenberg und wollten nach Neurehefeld in ihre Unterkunft. Der Bus war aber längst weg. „Das ist genau das, was wir nicht wollten“, sagt Kirsten und fordert den Landkreis auf, wenn schon dieser Standort ausgewählt wurde, dann auch die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Flüchtlinge eigenständig ihr Leben organisieren können.