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Asylbewerber wehrt sich gegen Missbrauchs-Urteil

Der Mann soll im Zittauer Asylheim ein Kind missbraucht haben. Das streitet er ab. Das Gericht glaubt ihm nicht.

© Jens Trenkler

Von Jens-Rüdiger Schubert

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Nachdem das Amtsgericht Görlitz einen 24-jährigen Pakistani bereits im Januar wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von 33 Monaten verurteilt hatte, ging der Verurteilte in Berufung. Die Verhandlung dazu fand jetzt vor der Berufungskammer des Görlitzer Landgerichts statt.

In dem Verfahren war dem Mann schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen worden. Zuvor war er aus verschiedensten Gründen seit August 2016 in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft legt dem Pakistani aufgrund ihrer Ermittlungen zur Last, sich im Zeitraum Juli und August des vorigen Jahres an einem Kind vergangen zu haben. Der Vorfall hatte sich im Asylbewerberheim in Zittau ereignet. Zum Zeitpunkt der Taten lebte das Kind ebenfalls in der Gemeinschaftsunterkunft. Den Ermittlungen nach haben sich die Vorfälle folgendermaßen zugetragen: Der Beschuldigte hatte einem achtjährigen Jungen, der sich oft im Männerbereich der Unterkunft aufhielt, angeboten, mit ihm gemeinsam einen Film anzusehen. Nachdem der Junge einwilligte, nutzte der Erwachsene die Situation, um sich auf den Rücken des Kindes zu legen und im weiteren Verlauf den Anus des Kindes zu penetrieren.

Als der Vater des Opfers davon erfuhr, kam es zu einer Auseinandersetzung. Daraufhin rückte die Polizei im Flüchtlingsheim an. Im Verlaufe des Polizeieinsatzes kam dann auch der Vorwurf des Missbrauchs zutage. Während der Ermittlungen bestritt der Beschuldigte die Tat. Die Verteidigung attackierte die Ermittler. Nach Auffassung des Rechtsbeistandes seien die Aussagen des Beschuldigten in der Vernehmung nur unzureichend beachtet und mehr die Aussagen und Interpretationen des Dolmetschers erfasst worden. Außerdem stellte die Verteidigung den gesamten Tatablauf infrage. Ihrer Meinung nach war der durch das Kind geschilderte Ablauf anatomisch nicht plausibel und forderte ein Beweisgutachten. Das lehnte die Staatsanwaltschaft ab, mit der Begründung, dass durch die Zeugen bereits erklärt wurde, dass aus medizinischer Sicht eine Penetration des Kindes nicht ausgeschlossen werden kann. Auch das Gericht lehnte den Beweisantrag ab.

Der Angeklagte befand sich seit Mai 2015 in Zittau und bezog Sozialhilfe. Er ist ledig und hatte nach der Schule den Beruf eines Schweißers erlernt. Auch nachdem der Verurteilte Rechtsmittel gegen das Urteil des Amtsgerichts einlegte, sieht die Staatsanwaltschaft in ihm einen zu Recht verurteilten Straftäter. Ihrer Meinung nach ist die Tat im Beweisverfahren nachgewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren. Die Verteidigung sah das nicht so. Ihrer Meinung nach gab das Verfahren nichts her, um ihren Mandanten zu verurteilen. Die eigentlich entscheidende Aussage, nämlich die des Kindes gegenüber der Mutter, wurde ihrer Meinung nach vernachlässigt. Die Staatsanwaltschaft habe sich ausschließlich auf die Aussagen aus der Beschuldigtenvernehmung des Angeklagten gestützt. Keiner habe geprüft, ob die Aussagen mit denen des Kindes in Einklang zu bringen sind. Nach Meinung der Verteidigung wurde ein Täter gesucht und der Falsche angeklagt. Die Verteidigung beantragte Freispruch, die Tat sei dem Beschuldigten nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Auch der Angeklagte selbst betonte wiederholt, dass er unschuldig sei.

Das Görlitzer Landgericht verwarf jetzt die Berufungen und blieb bei dem ursprünglichen Urteil. Dagegen können sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Revision beim Oberlandesgericht einlegen.