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Asylgegner demonstrieren in Zeithain

Die NPD mobilisiert in Sichtweite einer Asylunterkunft. Es fliegen Böller – und es gilt eine Ausgangssperre.

© Lutz Weidler

Von Antje Steglich

Zeithain. Etwa 170 Menschen haben sich am Dienstagabend zur Kundgebung des NPD-Kreisverbandes in Zeithain versammelt. Diese fand an der Lichtenseer Straße, in Sichtweite der Asylunterkünfte in der Nikopoler Straße statt. Zu den Rednern gehörten der NPD-Landesvorsitzende Jens Baur sowie die Kreisräte Peter Schreiber und Jürgen Gansel. Unter dem Motto „Zeithain wehrt sich gegen Asylbetrug und Überfremdung!“ geht es gegen die Flüchtlingspolitik. Dabei sorgten vor allem die Vorwürfe gegen Kanzlerin Angela Merkel für Beifall. Mit Buhrufen wurden zudem die Vorfälle im benachbarten Netto-Markt quittiert, die erst am Dienstag bekannt geworden sind und für viel Aufregung in Zeithain sorgten. Zeitgleich zur Kundgebung wurde das Thema in den sozialen Netzwerken heiß diskutiert. Allein bei dem Facebook-Auftritt der SZ Riesa wurde ein entsprechender Beitrag mehr als 500 Mal geteilt und knapp 23 000 Mal angesehen.

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Angst vor Ausschreitungen

Einige Anwohner hatten deshalb Angst, dass es während der NPD-Versammlung zu Ausschreitungen kommt. „Die Stimmung ist durch die Netto-Geschichte aufgeputscht“, sagte eine Zeithainerin. Sicherheitshalber hatten einige Anwohner sogar ihre Autos weiter weg vom Ort der Kundgebung geparkt. Sie ärgerten sich darüber, dass eine Veranstaltung von Asylgegnern so nah an zwei großen Asylunterkünften genehmigt wurde. 230 Flüchtlinge leben hier. Das Landratsamt hatte eine Kundgebung direkt vor den Flüchtlingswohnungen zwar verboten, sie aber keine Hundert Meter weiter genehmigt.

Einige Zeithainer spekulieren deshalb, dass viele Besucher der Kundgebung gar nicht aus dem Ort stammen, sondern nur gekommen sind, „damit sie sich erst betrinken und es dann mal richtig knallen lassen können.“ – Insgesamt kam es laut Gemeindeverwaltung und Polizeidirektion aber zu keinen größeren Vorkommnissen. Die Asylbewerber, die in der Nikopoler Straße und An der Borntelle untergebracht sind, hatten nach SZ-Informationen eine Ausgangssperre erhalten, damit es nicht zu Zusammenstößen kommt. Trotzdem sicherte die Polizei die Kundgebung mit 85 Beamten ab.

Dabei wurden die Personalien von einer Gruppe mit etwa zehn Personen aufgenommen, die sich etwas abseits der Kundgebung aufhielt und aus deren Mitte kurz nach 19 Uhr Böller gezündet wurden. Bei zwei Männern wurde dabei Pyrotechnik sichergestellt, die in Deutschland verboten ist. Laut einer Polizeisprecherin wurde gegen die beiden 28- und 37-Jährigen deshalb nun ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet.

Willkommensparty für Flüchtlinge

Auch Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) und weitere Vertreter der Gemeindeverwaltung verfolgten das Geschehen vom Rande aus mit, ebenso wie der ehemalige Zeithainer Gemeindepädagoge Thomas Deffke. Er war Mitorganisator einer Willkommensparty für die Flüchtlinge im ehemaligen Elektrolager und erinnert sich daran sehr positiv: „Die Zeithainer Bürger, welche sich an diesem Abend auf die Flüchtlinge eingelassen haben und mit ihnen ins Gespräch gekommen sind, haben Menschen erlebt, die lachen, tanzen und singen.“ Eine wirkliche Gegenveranstaltung zur NPD-Kundgebung gab es aber nicht. Der NPD-Kreisverband hat via Facebook bereits angekündigt, in den nächsten Monaten eine weitere Kundgebung in Riesa veranstalten zu wollen.