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Asylheim öffnet trotz Anschlag

© Christian Juppe

Die Stadt wird nicht vor den Steinewerfern kapitulieren. Die Ermittlungen haben nun Leipziger Beamte übernommen.

Von Sandro Rahrisch

Im Stetzscher Lindenhof werden am Mittwoch 33 Flüchtlinge einziehen, daran ändert der mutmaßlich rechtsextreme Anschlag am Sonntagabend nichts. Die Stadt hat gestern klargestellt, dass sie an dem Standort festhalten wird. „Solche Eskalationen sind widerwärtig und menschenverachtend“, sagte Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU). „Wir wollen den Flüchtlingen Schutz bieten und keine Gewalt.“

Unbekannte hatten gegen 18.30 Uhr Steine auf das neue Übergangswohnheim geworfen, sechs Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Polizei beziffert den Schaden auf rund 3 000 Euro. Das Glas soll heute ersetzt werden. Bereits am Tag zuvor, als die Stadt die Nachbarschaft zur Besichtigung eingeladen hatte, verkippten Unbekannte wahrscheinlich übelriechende Buttersäure in dem Asylbewerberheim. Die Stadt hält das ehemalige Hotel dennoch für sicher: Der eigentlich erst ab Mittwoch geplante, ganztägige Wachschutz sei wegen des Anschlags bereits in der Nacht zum Montag gerufen worden. „Wir tun alles dafür, um den Flüchtlingen ein sicheres Zuhause auf Zeit bieten zu können“, so Lehmann weiter. Die Initiative „Willkommen in Löbtau“ und eine Initiative der Heilandskirche Cotta hätten darüber hinaus ihre Hilfe angekündigt.

Derweil sucht die Polizei nach den Tätern. Inzwischen hat das Operative Abwehrzentrum (OAZ) in Leipzig die Ermittlungen übernommen, da ein rechtsextremer Hintergrund nicht ausgeschlossen wird. Unklar ist, um wie viele Steinewerfer es sich handelt. Zunächst ist von einer 30-köpfigen Gruppe berichtet worden, die sich am Sonntagabend vor dem Lindenhof aufgehalten hat. Zeugen wollen dagegen sechs Personen im Hof gesehen haben. Noch am Abend hat die Polizei an der Esso-Tankstelle an der B 6 von 27 Personen die Personalien aufgenommen. Festgenommen wurde aber niemand, sagte eine OAZ-Sprecherin gestern der Sächsischen Zeitung. Bislang konnte niemand mit dem Anschlag in Verbindung gebracht werden. Die Ermittlungen dauerten an. Dass verwertbare DNA-Spuren an den Steinen gefunden worden, wollte die Polizei nicht bestätigen.

Der Stadtrat hatte im Dezember beschlossen, im Lindenhof ein Flüchtlingsheim einzurichten. Damit gibt es in Dresden ab Mittwoch 13 Gemeinschaftsunterkünfte mit 787 Plätzen für Asylbewerber.