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Asylstreit: Tausende Dresdner heute auf der Straße

Sachsens Ministerpräsident Tillich wirbt um Teilnahme an dem heute in Dresden geplanten Sternlauf. Einer der Organisatoren ist im Internet bedroht worden.

© dpa

Dresden. Über 80 Droh-Mails und fünf SMS gingen bis Sonntagabend bei einem 23-jährigen Studenten der TU-Dresden ein. Er ist Mitorganisator des für Montag in Dresden geplanten Sternlaufs gegen Intoleranz. Der Student hat die Polizei eingeschaltet, teilte die Uni mit. Er wird trotz der offenbar organisierten Drohungen aus dem In- und Ausland an dem Marsch teilnehmen und zur Abschlusskundgebung sprechen. „Ich lasse mich nicht unterkriegen“, sagte er der SZ.

Seit Wochen demonstriert das Bündnis Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) montags in Dresden für eine Verschärfung des Asylrechts. An der siebten Kundgebung in Folge hatten in der vergangenen Woche mehr als 7 500 Menschen teilgenommen. Zur heutigen Gegendemonstration, zu der 2 000 Teilnehmer erwartet werden, rufen die Kirchen, das Islamische Zentrum, die Jüdische Gemeinde, der Ausländerrat, das Bündnis Dresden-Nazifrei und die Technische Universität auf. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und sein Stellvertreter Martin Dulig (SPD) ermuntern zur Teilnahme. „Eine Willkommenskultur kann nur dann bestehen, wenn die Grundwerte des Gastlandes auch respektiert werden und die Bürger die Integration als Aufgabe jedes Einzelnen begreifen“, so Tillich am Sonntag. Am Sternlauf nehmen die Kabinettsmitglieder Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Petra Köpping (SPD) teil.

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Das asylkritische Bündnis Pegida hatte seinen Marsch durch die Dresdner Innenstadt am Montag abgesagt. Als Grund wurde die Behinderung des Weihnachtsgeschäfts der Händler genannt. Dafür gibt es eine Kundgebung in der Lingnerallee, zu der auf der Pegida-Facebookseite um Teilnahme geworben wird. „Unsere Gegner blasen zum Sturm. Lasst uns darum zeigen: Es geht um die Zukunft von Europa.“

Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl hat in der Diskussion um Flüchtlinge, Ausländer und Asylbewerber zur Besonnenheit gemahnt. „Wir sollten die persönliche Sorge der Menschen, die auf die Straße gehen, ernst nehmen“, sagte er gestern. In vielen Kirchgemeinden gebe es Bürger, die Deutschkurse für Flüchtlinge oder Aktivitäten und Spiele für die Kinder organisieren sowie bei Behördengängen helfen. Die Einwanderungspolitik in Deutschland sei ein Thema, bei dem in den vergangenen 30 Jahren nicht alles richtig gemacht wurde, sagte Bohl.

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Für Sachsen sehe er aber angesichts des sehr niedrigen Ausländeranteils keinen realen Grund, sich vor der Entstehung von Parallelgesellschaften zu fürchten. Die Kirche stelle sich schützend vor die Flüchtlinge und werde sich allen Versuchen widersetzen, ihnen anders als mit Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu begegnen, kündigte Bohl an. (SZ/dpa)