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Asylunterkünfte dringend gesucht

Oberbürgermeister Dirk Hilbert bittet die Dresdner, Flüchtlinge aufzunehmen. Wen, entscheiden sie zum Teil selbst.

© André Wirsig

Von Andreas Weller

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Es wird immer schwieriger für die Stadt, die stetig steigende Anzahl an Flüchtlingen unterzubringen. Mittlerweile leben etwa 7 500 in Dresden – rund 4 000 in den Erstaufnahme- einrichtungen des Landes und für 3 500 Menschen hat die Stadt bisher Unterkünfte finden müssen. Jede Woche kommen laut Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) rund 100 dazu und 2016 werden es eher mehr als in diesem Jahr.

„Das gibt es ja durchaus häufig: Entweder man hat Wohnungen, die im Moment nicht genutzt werden oder man hat eine große Wohnung und braucht nicht alle Zimmer“, sagt Hilbert. „Häufig haben ältere Leute die Erfahrung schon mal gemacht und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Flüchtlingen zusammengelebt.“ An diese Dresdner und an alle Vermieter, die freie Wohnungen haben oder Ferienwohnungen, die derzeit ungenutzt sind, wendet sich Hilberts Appell: „Wir würden uns freuen, wenn das jeder für sich prüft und uns Angebote ins Haus flattern.“ Die Stadt will diese schnell prüfen und beantworten.

In Zusammenarbeit mit der städtischen Stesad wurde nun das Personal aufgestockt und das Projektbüro Unterbringung asylsuchender Menschen eingerichtet. Ohne diesen OB-Aufruf gibt es bereits 118 Angebote. Von denen seien 90 Prozent als geeignet eingestuft worden und zum Teil bereits belegt. Die Stadt sucht Wohnungen aller Größen, Zimmer, Gebäude mit Zimmern und Sanitärbereichen wie ehemalige Schulen oder Wohnheime, Ferienwohnungen und so weiter. Sie sollten schnell nutzbar sein. Voraussetzungen sind: Bad mit Toilette, Waschbecken und Dusche, Küche zur Selbstversorgung, Anschlüsse für Wasser, Abwasser und Strom (auch für einen Herd) und Heizung, Ofenheizung wird aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen. Außerdem darf es keine durch Behörden angeordnete Nutzungseinschränkungen wie bei Schimmel geben. Der Anbieter muss Eigentümer oder Bevollmächtigter sein.

In der vergangenen Woche seien allein fünf Familien auf diese Weise untergebracht worden. So konnten etwa 30 Personen ein Dach über dem Kopf bekommen. „Mehr Kapazität ist ein Aspekt“, sagt Hilbert. „Aber der viel größere Vorteil ist: Je stärker das ins persönliche Umfeld geht, desto größer ist die Integrationsleistung. Es gibt persönliche Beziehungen. Dadurch gewinnen wir für die Stadtgesellschaft viel.“

Wer seine Wohnung oder einzelne Zimmer anbiete, bekommt das von der Stadt bezahlt. „Grundlage sind die Sätze wie bei Hartz IV“, so der OB. Die Stadt ist der Vertragspartner und garantiert die Zahlung der Monatsmiete. So variiere die Kaltmiete der bisher abgeschlossenen Verträge zwischen 5 und 9 Euro pro Quadratmeter , ja nach Lage und Ausstattung. Die Betriebskosten werden ebenso übernommen. „Es gibt aber keine Besserstellung von Flüchtlingen“, sagt Hilbert. „Die Angemessenheit von Wohnungen wird genauso geprüft, wie das bei jeder Familie oder Einzelperson ist, die auf Hartz IV angewiesen sind.“ Der Unterschied zu Hartz-IV-Beziehern ist: Wenn möglich, werden mehrere alleinstehende Männer unter den Asylbewerbern gemeinsam untergebracht. Deutsche Bedürftige dürfen generell alleine leben.

Wer lieber eine Familie oder Alleinstehende in seiner Wohnung unterbringen will, kann sich das aussuchen. „Wichtig ist ja, dass es ein vernünftiges Miteinander gibt. Sonst ist das nicht sinnvoll“, stellt Hilbert klar. „Es wird nicht so sein, dass ein Anbieter sagt, er nimmt eine Familie auf und bekommt dann einen Trupp junger Männer zugewiesen.“ Die soziale Zusammensetzung lege jeder Vermieter sonst auch fest. Wenn eher keine Kinder im Haus gewünscht sind, bekomme man keine Familie zugewiesen. Das werde alles besprochen. Was sich die Vermieter hier nicht aussuchen können, ist die Nationalität oder Hautfarbe, das führe zu weit. Wie alle anderen Asylbewerber, werden auch diese von Sozialarbeitern betreut.

Auf die Frage, ob Hilbert in seinem Haus in Klotzsche Flüchtlinge aufnehmen will, antwortet er ausweichend: „Ich denke da immer mal wieder drüber nach. Da müssten wir aber in größerer Form umräumen, um eine halbwegs abgeschlossene Einheit anbieten zu können. Sonst ergibt es für Flüchtlinge keinen Sinn.“

Das Projektbüro erreichen Sie per Mail: [email protected] oder Tel.: 488 11 76

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