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Atomgegner protestieren mit Hungerstreik

In einem Camp treffen sich Aktivisten aus der ganzen Welt. Für ihre Ziele mobilisieren sie Tausende Menschen.

© Dietmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

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Döbeln. Das Sommercamp im Bärental ist kein gewöhnliches. Die Kinder sind in der Minderheit. Sie spielen am Rande, während der Österreicher Heinz Stockinger lautstark an den nächsten Workshop für die Erwachsenen erinnert – in englischer Sprache. In ihr verständigen sich die rund 60 Teilnehmer des Camps. Sie kommen aus mehr als zwölf Ländern, darunter Indien, Japan, Russland, Australien, die Türkei und die USA. Alle sind Gegner der Atomkraft und setzen sich in ihrer Heimat kritisch mit dem Thema auseinander.

Kumar Sundaram gehört zu einer Dachorganisation von verschiedenen Gruppen in Indien, die den Widerstand an 15 Standorten organisiert, an denen es Atomanlagen gibt oder solche geplant sind. Eine der größten Kampagnen war der Protest von 40 000 Menschen, von denen 300 auch in den Hungerstreit traten. Damit wandten sie sich gegen die Einfuhr eines Atomreaktors aus Russland. Zwar sei dies nicht verhindert worden, aber die Aktion habe die indische Regierung zum Nachdenken gebracht. „Und der Plan, vier weitere Atomkraftwerke aus den USA in Indien zu errichten, wurde gestrichen“, sagt der Dozent für internationale Beziehungen.

Der Vater von Tschiya Morita ist 1980 im Alter von 59 Jahren an einem Gehirntumor verstorben. Der sei in Folge des Atombombenabwurfs auf Hiroshima aufgetreten, so der Forscher an der Universität von Kyoto. Seit diesem persönlichen Schicksalsschlag versucht Morita, seine japanischen Landsleute davon abzuhalten, in von Strahlen belastete Gebiete zu gehen. Er schreibt Bücher, hält Vorträge und sammelt Spenden für eine Organisation, die mit eigenen Messungen versucht, die wahre Strahlenbelastung in den einzelnen Regionen öffentlich zu machen. Denn von den offiziellen Stellen würden diese Messungen geschönt .

„Die Nutzung von Atomenergie, ob militärisch oder zivil, zahlt sich nicht aus“, sagt der russische Physiklehrer und Journalist Andrey Ozharovsky. Er gehört zu einer Gruppe von Atomgegnern, die gemeinsam mit deutschen Aktivisten in Russland erfolgreich war. Dorthin waren per Zug und Schiff aus Deutschland Fässer mit Atommüll gebracht und auf drei Standorte verteilt worden, wo sie im Freien lagerten. Nach Blockaden, Presseveröffentlichungen und der Klage eines russischen Staatsbürgers gegen die Einfuhr von Atommüll aus anderen Ländern seien die Transporte 2008 eingestellt worden. Allerdings würden russische Atomkraftanlagen weiter nach Indien, China, Finnland und andere Länder exportiert. Irgendwann, so befürchtet Ozharovsky, werden diese Länder die benutzten Brennstäbe nach Russland zurückschicken wollen. Doch dort gibt es kein Endlager. „Dann bekommen wir ein Problem“, so der studierte Ingenieur für Nukleartechnik.

Die Atomkraftgegner kommen seit 2008 jedes Jahr in einem anderen Land zusammen. In Döbeln sind sie zum zweiten Mal. „Hier können die Anti-Atom-Aktivisten all jene persönlich treffen, mit denen ein Kontakt sonst nur per Internet möglich ist“, sagt Falk Beyer, einer der Organisatoren. Im Projekthaus werden täglich Workshops, Vorträge und Präsentationen angeboten. Auch Exkursionen gehören dazu, wie die zur Wismut. Dort habe sich die Gruppe darüber informiert, wie der Uranabbau zu DDR-Zeiten erfolgt ist und wie weit die Sanierung der Flächen ist. Dabei hätten die Atomkraftgegner den Eindruck gewonnen, dass eine komplette Renaturierung nie gelingen werde.