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Attacke auf offener Straße

In Gröditz sollen 20 Asylbewerber zwei Fußballer mit Eisenstangen angegriffen haben. Der Vorfall sorgt für Aufregung.

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© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Gröditz. Was ist da passiert in der Nacht zum Sonntag in Gröditz? Das wollten etliche Anrufer wissen. Bei Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) klingelte am Montag ständig das Telefon. Anlass dafür war die Nachricht vom Angriff auf zwei Mitglieder des SV Frauenhain in der Röderstadt, die am Montagmorgen bekannt wurde.

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Die beiden Männer seien von „einer 20-köpfigen Gruppe Nordafrikanern mit Eisenstangen bewaffnet gejagt und krankenhausreif geschlagen“ worden, hatte der SV Frauenhain auf seiner Facebook-Seite geschrieben. Rasend schnell machte die Mitteilung im Netz die Runde, allein bei Facebook wurde die Meldung mehrere Hundert Male geteilt. – Die Polizei bestätigte am Nachmittag einen Teil der Geschichte: Zwei Männer im Alter von 25 und 27 Jahren seien auf der Gröditzer Hauptstraße am Sonntagmorgen gegen 3.45 Uhr von einer etwa 20 Männer starken Gruppe Unbekannter bedrängt worden. „Die Unbekannten schlugen in der Folge mit Metallstangen auf die beiden ein und verletzten diese so schwer, dass sie in ein Krankenhaus gebracht werden mussten.“ Zeugenaussagen zufolge solle es sich bei den Angreifern um Bewohner einer nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft gehandelt haben.

„Es hat keine Anzeichen für Gewalt gegeben“

Auf die Nachricht angesprochen, reagiert man beim SV Frauenhain zurückhaltend. Vereinschef Jürgen Thiele sagte Montag Mittag, er wisse noch nichts Genaues von dem Vorfall. Ähnlich äußerte sich Fußball-Abteilungsleiter Frank Staratschek. Er selbst habe das Turnier, das sein Verein am Sonnabend in der Gröditzer Sporthalle am Eichenhain ausgerichtet hatte, am Abend verlassen. Zu diesem Zeitpunkt sei alles in Ordnung gewesen. Das Turnier, das die Mannschaft des VfB Hohenleipisch vor den Teams aus Gröditz und Frauenhain gewonnen hatte, sei friedlich verlaufen. Es habe keine Anzeichen für Gewalt gegeben.

Was danach passierte, sollen Ermittlungen zutage bringen. Der Polizei zufolge sind Kriminalisten mit dem Fall beschäftigt, sie ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung. Gröditz’ Bürgermeister Jochen Reinicke jedenfalls erwartet eine schnelle Aufklärungsarbeit.

Ahnungslose Passanten

Obwohl der Vorfall im Netz hohe Wellen schlug, gaben sich viele Gröditzer am Montagnachmittag ahnungslos. „Davon weiß ich nichts“, sagte eine Frau, die beim Bäcker an der Hauptstraße einkauft. Gleiches war in Gröditz auch von anderen Passanten zu hören. „Um die Zeit schläft doch jeder normale Mensch“, so ein Mann.

Bei Facebook wurden nach Bekanntgabe der Tatzeit durch Polizei Fragen laut: Denn zwischen dem Ende des Fußballturniers am Sonnabend und dem Vorfall am frühen Sonntagmorgen lagen offenbar mehrere Stunden – die Nachricht des SV Frauenhain ließ jedoch die Interpretation zu, dass der Vorfall direkt nach dem Turnier passierte.

Während die Hintergründe des Vorfalls also noch offen sind, wertet die Junge Alternative (JA), die Jugendorganisation der AfD, den Vorfall als „feigen Angriff auf Frauenhainer Fußballer durch Asylbewerber“ und verurteilte diesen per Pressemitteilung. „Die Gewaltbereitschaft angeblicher ‚Flüchtlinge‘ macht auch vorm Landkreis Meißen keinen Halt“, kommentierte Gottfried Striegler, Vorstandsmitglied der JA im Kreis Meißen.

Im Internet war schon vor dem Vorfall vom Sonntagmorgen zur Gründung einer Bürgerwehr in Gröditz aufgerufen worden. Anlass war eine Messerattacke auf einen Passanten am Kanal, dem Mitte Januar von einem gebrochen deutsch sprechenden Täter die Zigaretten geraubt worden waren. Das Opfer wurde dabei schwer verletzt. „Sollte sich der Vorfall vom Sonntag tatsächlich als Tat von Asylbewerbern erweisen, ist die Akzeptanz in Gröditz weg“, sagt ein Einwohner.