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Halle: Was wir wissen - und was nicht

Bewaffnete haben in Halle zwei Menschen erschossen. Im 15 Kilometer entfernten Landsberg gab es ebenfalls Schüsse. Auch Stunden danach sind viele Fragen offen.

Schwer bewaffnete Polizisten stehen zwischen Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Halle. Bei Schüssenvor der Synagoge sind zwei Menschen getötet worden.
Schwer bewaffnete Polizisten stehen zwischen Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Halle. Bei Schüssenvor der Synagoge sind zwei Menschen getötet worden. © Sebastian Willnow/dpa

WAS WIR WISSEN

  • Zwei Menschen sind in Halle/Saale erschossen worden. Ein Todesopfer wurde nach Informationen eines dpa-Reporters auf einer Straße in der Nähe der Synagoge in der Innenstadt gefunden. Im Universitätsklinikum Halle werden Angaben eines Sprechers zufolge zwei Verletzte behandelt. Dabei handele es sich um einen Mann und eine Frau, beide hätten Schussverletzungen.
  • Das andere Todesopfer soll in einem Imbiss getötet worden sein, wie der "Spiegel" einen Polizeisprecher zitierte. Ein Döner-Imbiss befindet sich rund 600 Meter entfernt von der Synagoge.
  • Der Täter ist nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen ein 27-Jähriger, der mutmaßlich in Sachsen-Anhalt wohnt. Es sei davon auszugehen, dass Stephan B. deutscher Staatsangehöriger sei.
  • Die bewaffneten Angriffe haben nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer sehr wahrscheinlich ein rechtsextremistisches Motiv. "Nach Einschätzung des Generalbundesanwalts gibt es ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund", teilte der CSU-Politiker in Berlin mit. 
  • Bei dem Angriff legte ein Täter auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge ab. Der Täter versuchte, in die Synagoge einzudringen.
  • Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, sagte, über die Kamera der Synagoge sei zu sehen gewesen, wie der Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht habe, die Türen aufzuschießen. Außerdem hätten der oder die Täter versucht, das Tor des benachbarten jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagte Privorozki der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstag)..
  • Auch im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg gab es Polizeiangaben zufolge Schüsse. Auch hier gaben die Behörden eine Warnmeldung heraus, Menschen sollen Gebäude nicht verlassen. Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war am Mittwoch abgesperrt.
  • Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Sie ermittelt wegen Mordes von besonderer Bedeutung.
  • Am frühen Nachmittag meldete die Polizei dann die Festnahme einer Person. Weitere Fahndungsmaßnahmen liefen.
  • Die Polizei dementierte Berichte, wonach sich ein Verdächtiger im Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen von Halle im Leipziger Stadtgebiet aufhalten soll.
  • Die Stadt Halle spricht von einer "Amoklage". Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand berief den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse ein.
  • Die Menschen im gesamten Stadtgebiet von Halle wurden aufgefordert, in Sicherheit in Gebäuden zu bleiben. Am frühen Abend wurde die Warnung vor einer akuter Gefährdungslage für die Stadt Halle wieder aufgehoben.
  • Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Polizei zog alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt ab und verlegte sie nach Halle.
  • Der Bahnhof von Halle wurde Angaben der Bahn zufolge wegen polizeilicher Ermittlungen gesperrt. Der gesamte Linienverkehr war nach Angaben der Stadtwerke während der Gefährdungslage eingestellt worden.

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WAS WIR NICHT WISSEN

  • Der genaue Ablauf der Vorfälle in Halle und auch in Landsberg ist noch nicht bekannt. Die Polizei in Halle machte zunächst keine Angaben zu den näheren Umständen. Die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt, sagte auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft unklar.
  • Die genaue Bewaffnung des Täters ist ebenso unbekannt wie die genauen Vorgänge auf dem jüdischen Friedhof.
  • Die Polizei geht mittlerweile von einem Täter aus. Die "Mitteldeutsche Zeitung" aus Halle zeigte ein Foto, auf dem ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat. Der MDR zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.
  • Dazu, wie die Einsatzkräfte auf den Täter aufmerksam wurden, gibt es bisher keine offiziellen Informationen. (dpa)