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Auch Kathrin Oertel steigt bei Pegida aus

Bei Pegida ist es zum Streit gekommen. Der bereits zurückgetretene Lutz Bachmann will angeblich weiter in der Führungsriege des Bündnisses tätig bleiben. Das führte zum Rückzug von Oertel und weiteren Mitgliedern aus der Pegida-Spitze. Die für kommenden Montag geplante Pegida-Demonstration wurde abgesagt.

© dpa

Dresden. Krise bei der Führung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden: Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel und offenbar fünf weitere Mitglieder des aus zwölf Personen bestehenden Organisationsteams der islamkritischen Bewegung haben sich zurückgezogen. Kurz zuvor hatte Cheforganisator Lutz Bachmann nach heftiger Kritik Pegida verlassen.

Seit Bachmanns Rückzug war Oertel zum Gesicht der Bewegung geworden. Jetzt hat auch sie mit der Pegida-Führung gebrochen, wie auf der Pegida-Facebookseite kurz vor 15 Uhr mitgeteilt wurde. Zuerst hatte das Magazin „Stern“ darüber berichtet. Nach Informationen des „Stern“ haben in einer Sitzung des zwölfköpfigen Organisations-Teams der Pegida-Führungsspitze am Dienstagabend Oertel und mindestens drei weitere Mitglieder alle Funktionen und Ämter niedergelegt.

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Montag keine Pegida-Demonstration

Das Zerwürfnis bei der Pegida-Führung hat jetzt auch direkte Auswirkungen auf die Veranstaltungen in Dresden. Die nächste Pegida-Demonstration, die am Montag stattfinden sollte, ist abgesagt worden. Das bestätigte die Stadt Dresden gegenüber der Sächsischen Zeitung. Am 9. Februar soll es allerdings erneut einen Abendspaziergang geben, heißt es auf der Facebook-Seite des Vereins.

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel: Nur wenige Tage Nummer Eins

Die langen blonden Haare streng nach hinten gebunden, die Augenbrauen schmal nachgezeichnet, in schwarz gekleidet - spätestens seit ihrem Auftritt in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ Mitte Januar galt Kathrin Oertel als das Gesicht von Pegida. Mit dem Rücktritt von Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann war sie die neue Nummer Eins der islamkritischen Bewegung. Doch nun wirft auch sie hin.

Die 37-Jährige wirkt etwas streng, ihre Rhetorik ist nicht geschliffen wie die von Politikern. Stattdessen ein sächsischer Zungenschlag, einfache Worte, die scheinbar das unterstreichen, was Oertel sein will: „Eine ganz normale Frau aus dem Volk.“

Obwohl sie bereits seit Wochen als Sprecherin von Pegida fungierte und von Anfang an bei den Demonstrationen in Dresden dabei war, ist nur relativ wenig über Oertel bekannt. Interviews mit der von den Pegida-Anhängern oft verschrienen „Lügenpresse“ lehnte sie bisher meist ab. Bei den Kundgebungen ergriff sie dagegen schon früh das Wort. Die Mutter von drei Kindern lebt in Coswig und arbeitet frei als Beraterin im Immobilienbereich.

Zu den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) kam sie, weil sie nach eigenen Worten immer schon politisch interessiert war - aber nie eine Partei fand, in der sie sich zu Hause fühlte. Bisher habe sie ihr Kreuzchen zur Wahl bei der FDP gemacht, im vergangenen Jahr dann zum ersten Mal bei der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD). (dpa)

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Bei der bisher letzten Veranstaltung am Sonntag waren etwa 17 000 Anhänger auf dem Theaterplatz zusammengekommen. Es war das erste Mal, dass weniger Anhänger kamen als zu der Veranstaltung davor. Vor zwei Wochen waren noch etwa 25 000 Menschen in Dresden auf der Straße. Am Montag vergangener Woche waren alle Demos in Dresden wegen einer Terrorwarnung untersagt worden.

Oertel-Rücktritt mit Antifa-Anfeindungen begründet

Das Zerwürfnis bei Pegida ist nach Informationen des „Stern“ um die Rolle von Lutz Bachmann entbrannt. Vor einer Woche war Bachmann zurückgetreten, nachdem neben einem Foto, auf dem er als Hitler posiert, auch Facebook-Kommentare aufgetaucht waren, in denen der Pegida-Initiator Asylbewerber als „Dreckspack“, „Viehzeug“ und „Gelumpe“ beschimpft hatte. In seinen Reden auf den Kundgebungen in Dresden sprach er sich dagegen immer gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aus. Als dieser Widerspruch ans Licht kam, sah er sich zum Rückzug genötigt. Er hatte sich für die Facebook-Entgleisungen „aufrichtig entschuldigt“ und bedauert, „dass ich damit den Interessen unserer Bewegung geschadet habe“.

Offenbar war der Rückzug aber nur nach außen hin ehrlich gemeint. Nach „Stern“-Informationen hatten mehrere Mitglieder aus dem Pegida-Orga-Team und dem Verein den Eindruck, seine Distanzierungen seien nicht ehrlich gewesen. Er hat wohl weiter versucht, im Hintergrund die Fäden in der Hand zu behalten. Darüber kam es offenbar zum Zerwürfnis. Pegida selbst begründet Oertels „vorübergehenden“ Rückzug auf der Facebook-Seite des Vereins mit Drohungen, Anfeindungen und beruflichen Nachteilen. Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann sagte der „Süddeutschen Zeitung“, Oertel sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei.

Laut der Facebook-Seite von Pegida soll in den kommenden Tagen ein neuer Vorstand gewählt werden. Weder Oertel noch er stünden künftig für Vorstandsposten zur Verfügung, sagte Bachmann am Mittwoch.

Mindestens fünf weitere Führungskräfte werfen hin

Der „Stern“ schreibt in seiner Online-Ausgabe weiter, dass zu den Mitgliedern der ersten Stunde, die nun hingeworfen haben sollen, neben Oertel auch AfD-Mitglied Achim Exner, Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke und der ehemalige CDU-Stadtrat von Meißen, Thomas Tallacker, gehören. Tallacker sagte auf dpa-Anfrage, er wolle sich vor Donnerstag nicht dazu äußern. Laut „Stern“ haben die Beteiligten bis zu diesem Donnerstag Stillschweigen vereinbart. Lincke bestätigte inzwischen seinen Rücktritt. Der dpa sagte er: „Ich kann und will mich mit den Äußerungen von Lutz Bachmann nicht identifizieren.“ Lincke sagte zudem, dass auch René Jahn Pegida verlassen hat. Radio Dresden meldete am Nachmittag, dass auch Frank Ingo Friedemann bereits am Sonntag seinen Rücktritt wegen des Verhaltens von Lutz Bachmann erklärt hatte.

Orga-Team-Mitglied Siegfried Daebritz äußerte sich am Mittwochnachmittag auf seinem Facebook-Profil so zur Situation: „Ich werde keine Fragen zu diesem Thema beantworten, (...) es wird eine offizielle Stellungnahme geben. (…) ICH halte mich daran, wen ich verspreche, das ich NICHTS sage, und NIEMANDEM irgendetwas verrate, weitergebe usw., bis es eine offizielle Verlautbarung gibt. (…) Nichtsdestotrotz interessiere ich mich natürlich für den Maulwurf oder die Maulwürfe, die seit Wochen graben und plappern und graben und plappern …“.

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Das Orga-Team von Pegida organisiert seit Ende Oktober die als „Abendspaziergänge“ bezeichneten Märsche und große Kundgebungen mit mehreren tausend Menschen. Nach dem Rückzug von Lutz Bachmann war Pressesprecherin Kathrin Oertel das Gesicht der islamisierungskritischen Bewegung. Oertel vertrat am 18 Januar Pegida in der ARD-Talkshow „Günter Jauch“. (szo/dpa)