merken

Auch Männer brauchen Schutz

Seit einem Jahr gibt es in Dresden die erste Wohnung für männliche Opfer von Gewalt. Der Träger zieht nun Bilanz.

© Sven Ellger

Von Sarah Herrmann

Sächsische.de zum Hören!

Zu Hause, unterwegs, in der Pause – Sächsische.de kann man nicht nur lesen, sondern auch immer und überall hören. Hier befinden sich unsere Podcasts.

Der Hüne, der von seiner zierlichen Freundin geschlagen wird? Das können sich die wenigsten vorstellen. Doch solche Fälle gibt es. Auch in Sachsen. Auch in Dresden. Seit rund einem Jahr bietet das Männernetzwerk nicht nur männlichen Opfern von Gewalt, nicht nur körperlicher, eine Zuflucht. In einer Wohnung, deren Standort aus Sicherheitsgründen geheim bleibt, gibt es Dresdens erste drei Männerschutzplätze. Zum Vergleich: Für Frauen gibt es über 30. Dabei gibt es auch für Männer Bedarf, wie eine Zwischenbilanz zeigt.

So war das Apartment im vergangenen Jahr zu mehr als 60 Prozent ausgelastet. An 173 Tagen waren mindestens zwei der drei Plätze belegt. Insgesamt kamen zwölf Männer, teilweise mit ihren Kindern, in der Wohnung unter. Elf kamen aus Sachsen. Beratungen gab es im Rahmen des Projektes allerdings noch deutlich mehr: 93 Männer suchten den Kontakt zu den Initiatoren Sascha Möckel und Torsten Siegemund. „Die Geschichten der Betroffenen sagen uns, dass auch Männer Opfer von Gewalt werden und dass die dafür existierenden Hilfsangebote notwendig sind“, sagt Möckel. Sie müssten bekannter werden.

Er und sein Team beraten nicht nur Opfer von körperlicher Gewalt. Auch bei psychischer, sozialer oder ökonomischer Gewalt können sich Männer melden. Unter soziale Gewalt fallen zum Beispiel Fälle, in denen jemand aus dem Freundeskreis isoliert wird. Auch die Form der ökonomischen Gewalt, bei der die Frau das Vermögen des Mannes einbehält oder das Konto leerräumt, sind laut Möckel weitverbreitet. Die psychische Gewalt sei aber am schwerwiegendsten. Wenn man täglich abgewertet werde, hinterlasse das Spuren.

Das Dresdner Angebot ist Teil eines Pilotprojekts. Gleichzeitig eröffnete eine weitere Männerschutzwohnung in Leipzig. Es sind die beiden ersten in Sachsen. Noch bis Ende dieses Jahres wird das Projekt gefördert. Danach ist die Zukunft unklar.