Merken

Auch Sachsen hat viele Probleme mit Abschiebungen

Mehr als 11 000 Migranten müssten ausreisen. Das klappt nicht immer. Auch, weil sich mancher dagegen wehrt.

Teilen
Folgen
© Sebastian Willnow/dpa

Von Tobias Wolf

Fast 1 100 Abschiebeversuche sind 2017 in Sachsen gescheitert. Die Gründe sind laut Landesdirektion Sachsen vielfältig. Oft schlugen die Rückführungen fehl, weil ausreisepflichtige Asylbewerber nicht in ihrer Wohnung oder Unterkunft angetroffen werden konnten, teilt Sprecher Holm Felber mit. Mancher Betroffene wehre sich auch gegen die Abschiebung in der Unterkunft oder auf dem Weg zum Flugzeug. Als Renitenz bezeichnet das die Behörde. Fälle wie der in Ellwangen gab es in Sachsen jedoch noch nicht.

Anzeige
Die Wahrheit braucht Dich: Die Fake-Ausstellung des Hygiene-Museums
Die Wahrheit braucht Dich: Die Fake-Ausstellung des Hygiene-Museums

Fake News, Fake Profile, Fake Produkte - in der heutigen Welt trifft man immer wieder auf Fälschungen. Das Deutsche Hygiene-Museum widmet diesem Thema eine Ausstellung.

Gelegentlich gibt es spontane Demonstrationen gegen Abschiebeversuche oder Solidarisierungsversuche anderer Flüchtlinge – zuletzt im April in Löbau. Dort musste die Polizei einen Asylbewerber aus Kamerun mit „erhöhtem Kraftaufwand“ abholen, so die Polizeidirektion Görlitz. Etwa 30 weitere Mitbewohner der Unterkunft hätten sich mit dem Mann solidarisiert. Einer hielt den Polizisten sogar ein Messer entgegen. Die Situation beruhigte sich aber wieder.

Mehr als 11 000 Migranten haben in Sachsen derzeit keinen Aufenthaltstitel, knapp 9 000 von ihnen werden geduldet, die meisten, weil sie keine Papiere haben. Sie kommen aus Ländern wie Indien, der Russischen Föderation, Pakistan, Afghanistan und den Maghrebstaaten, so die Landesdirektion. Neben fehlenden Reisepässen gebe es auch rechtliche Gründe, wegen derer Asylbewerber nicht abgeschoben werden können, etwa Ermittlungsverfahren oder Reiseunfähigkeit der Betroffenen.

Weiterführende Artikel

Polizei stürmt Flüchtlingsheim

Polizei stürmt Flüchtlingsheim

Nachdem ein Einsatz eskalierte, durchsuchten nun Hunderte Beamte eine Unterkunft.

Im ersten Quartal dieses Jahres waren 206 Abschiebeversuche erfolgreich, 358 scheiterten. Oft geht es um Menschen, die schon länger hier leben. Künftig sollen Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden, bis ihr Fall entschieden ist. Außerdem baut Sachsen derzeit einen Ausreisegewahrsam in Dresden.