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Auf Brücken in die Arbeit

„Wir müssen etwas dafür tun, dass Sie für den Arbeitsmarkt attraktiver werden“, sagt Christa Knittel. Vor ihr sitzt die 20 Jahre alte Stephanie aus Görlitz, die nach ihrer Ausbildung zur Kinderpflegerin noch ohne Job ist. Auch die erworbene Fachhochschulreife hat die Chancen der jungen Frau auf dem Arbeitsmarkt nicht erhöht.

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Von Anett Böttger

Görlitz/Weißwasser - Nun nimmt Stephanie am ostsächsischen Projekt „Bridges - Brücken in Arbeit“ teil. In Christa Knittel hat sie eine einfühlsame Betreuerin gefunden. Die 58-Jährige ist einer von acht Senior-Coachs, die erwerbslosen Jugendlichen aus Görlitz und dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz helfen.

Das Ende 2005 gestartete Projekt richtet sich an Bezieher von Arbeitslosengeld II unter 25 Jahre. „Bridges“ wird vom Verein Lausitz Matrix in Görlitz getragen, der mit der Ausbildungsgesellschaft Rodig mbH in Weißwasser kooperiert. Die Senior-Coachs im Alter von 43 bis 58 Jahren wurden nach fünfwöchigem Training für das Projekt fest angestellt. Im März begannen die ehemaligen Hartz-IV-Empfänger ihre Arbeit. „100 Jugendliche können gleichzeitig betreut werden - 40 in Weißwasser und 60 in Görlitz“, sagt die Geschäftsführerin von Lausitz Matrix, Sabine Schaffer.

Etwa 150 Teilnehmer haben das Projekt bislang durchlaufen. In 100 Fällen glückte die Integration. Das für Ende 2007 angepeilte Ziel ist damit bereits vorzeitig erfüllt. 78 fanden Arbeit, 22 eine Lehrstelle. Bei anderen lief es weniger erfolgreich. „Wer nicht mitzieht oder unpünktlich erscheint, fliegt raus“, stellt Schaffer klar. Sobald ein Platz frei wird, rückt ein neuer Teilnehmer nach. In der Regel werden die Jugendlichen von ihrem Kundenberater zu „Bridges“ geschickt. „Interessenten können sich auch direkt bei uns melden“, sagt die Geschäftsführerin.

Jeder zweite Job durch Kontakte entdeckt

Immerhin rund 69 Prozent der vermittelten Jugendlichen kamen in der Region Oberlausitz-Niederschlesien unter. „Allein 50 Prozent dieser Stellen waren nicht ausgeschrieben, sondern sind durch die Kontakte der Coachs oder von Lausitz Matrix entdeckt worden“, berichtet Sabine Schaffer. Andere ehemalige Projektteilnehmer sammeln inzwischen Berufserfahrung in Berlin, Hessen, Bayern, Baden- Württemberg und Österreich.

„Wir basteln an der Zukunft“, sagt Christa Knittel, während sie mit Stephanie eine Zielvereinbarung ausfüllt. Die 20-Jährige würde durchaus in ihrem erlernten Beruf arbeiten wollen. Allerdings sind Kinderpflegerinnen derzeit eher wenig gefragt. „Es gibt große Versäumnisse in der Berufsorientierung“, stellt Sabine Schaffer fest. Zur Auswahl stehen 380 Ausbildungsberufe, doch Mädchen bevorzugen gerade einmal zehn davon, darunter Arzthelferin oder Verkäuferin „Dabei sind sie für technische Berufe ebenso gut geeignet.“

Stephanie gibt in ihrem Fragebogen Kinderkrankenschwester als Alternative an. Wie alle Teilnehmer bei „Bridges“ wird sie in den kommenden Wochen ganz individuell geschult, beraten und gefördert. „Alles, was Sie hier lernen, können Sie später gut gebrauchen“, macht Christa Knittel ihr Mut. (dpa)