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Auf dem Holzweg

Der Erfinder von Betonmöbeln steigt auf weicheres Material um. Eine Pulsnitzer Geschichte von Holz- und Lebenskunst.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

Pulsnitz. Der pinkfarbene Betonelefant hat schon ein bisschen Kultstatus. An der Großröhrsdorfer Straße steht er in Pulsnitz und zieht die Blicke von Passanten auf sich. „Den wollten schon viele kaufen“, sagt Heiko Mägel. Doch das Rüsseltier sei nicht mehr zu haben. Das ist jetzt so etwas wie ein Markenzeichen – als Hingucker an der Straße. Dort steht auch ein Einhorn. Aber aus Holz. Dem Werkstoff der Zukunft. Die unverwüstlichen Betonmöbel bleiben im Programm. Aber der Fokus liegt jetzt auf einem anderen Material: Holz. Das ist auch deutlich leichter. Und der Pulsnitzer steckt voller Ideen. Wenn er in der Stube am selbst entworfenen Tisch sitzt, dann liegen Block, Bleistift, Radiergummi und Spitzmaschine griffbereit. Einen dekorativen Holzbogen für den Außenbereich hat Mägel skizziert und holt einen ganzen Stapel mit Zeichnungen hervor. So sammelt er auch gerade Ideen für Badmöbel.

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Der auffällige Betonelefantist mittlerweile sein Erkennungszeichen an der Straße.
Der auffällige Betonelefantist mittlerweile sein Erkennungszeichen an der Straße. © Reiner Hanke
Vor dem Haus an der Großröhrsdorfer Straße in Pulsnitz sind einige Arbeiten zu sehen. Der Möbelbauer sucht auch nach einer geeigneten Ausstellungsfläche.
Vor dem Haus an der Großröhrsdorfer Straße in Pulsnitz sind einige Arbeiten zu sehen. Der Möbelbauer sucht auch nach einer geeigneten Ausstellungsfläche. © privat

Außergewöhnliche Holz-Möbel haben es dem 52-Jährigen angetan. Auf dem Gebiet will er weitermachen. Es sind nicht irgendwelche beliebigen Tische oder Schränke. In seinem Ausstellungsraum hat er einige Exponate aufgebaut. Massive Tische und Bänke für drinnen und draußen, TV-Möbel, Clubtische, Deko-Objekte und eine Theke. Die massive Platte sei schon auf dem Feuerholzhaufen gewesen. Er habe sie vor den Flammen gerettet und der Eichenbohle ein neues Leben eingehaucht. Wenn Mägel mit Schleifpapier, Bürste und Öl darübergegangen ist, dann beginnt das Holz wieder zu leben, nur anders. Zuerst müsse freilich die Rinde abgeschält werden. Die Kettensäge brauche er fürs Grobe, die Handkreissäge für feinere Arbeiten. Jeder kleine Riss, jede Verwachsung im Holz schleife und bürste er mit viel Geduld. Er schleife sie aber nicht völlig weg, zu einem gesichtslosen Brett.

So wie der Baum gewachsen ist

Heiko Mägel will die Schönheit der Natur zur Geltung bringen. Wer mit den Fingerspitzen die Maserung ertastet, kann das fühlen. Die herauszuarbeiten, ist Mägel wichtig, ebenso wie die Farbe des Holzes. Dann wird aus einer alten grauen Bohle ein Schmuckstück. Er deutet auf die Theke mit sanft geschwungener Platte – so wie der Baum gewachsen ist. In jedem Stück steckt tagelange Arbeit: „Die Leute denken manchmal, das ist schnell gemacht.“ Es beginne damit, das richtige Holz aufzutreiben. Dafür streift er auch durch die Wälder um Pulsnitz. Von dort stammt das meiste Holz. Er erkenne sofort, welches Potenzial in einer rohen Planke steckt, ob sie brauchbar für ein kunstvolles Möbel ist oder nicht. Im Sägewerk seien seine Sonderwünsche schon bekannt. Er arbeite auch mit einem Metallbauer und anderen Firmen in der Region zusammen. „Wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, kommen wir nicht weiter“, sagt der Pulsnitzer. Während Mägel erzählt, gleitet seine kräftige Hand über eine Bohle – ausgewitterte Eiche, das werde eine Deckenleuchte.

Möbel für Innenräume wie fürs Außengelände kommen aus der kleinen Werkstatt in der Garage. Eiche und Robinie nutze er zum Beispiel gern. Gerade letztere sei unverwüstlich, vor allem draußen. Wenn man ein paar wenige Regeln beachtet: „Über den Winter die Möbel zumindest anzukippen, damit das Wasser ablaufen kann und ab und zu etwas ölen.“ Der Möbelnauer deutet auf eine Bank und erklärt, wie er die Äste dekorativ herausarbeitet. Auch bunte Kindermöbel sind zu sehen. Auf die sei er durch die Enkel gekommen. Auf Wunsch schnitzt oder brennt der Pulsnitzer Motive ins Holz. Erst vor ein paar Monaten habe er sich auf die Holzmöbel gestürzt, ziemlich spontan.

Es ist ein neuerlicher Versuch des 52-Jährigen als Selbstständiger. Noch lieber wäre es ihm, wenn ein Unternehmen seine vielen Fähigkeiten brauchen könnte. Denn auf dem Arbeitsmarkt sehe das nach wie vor schlecht aus. Von Beruf Dachdecker habe er später als „Technischer Leiter“ gearbeitet und könne mit vielen Fertigkeiten aufwarten. Die Fertigkeiten im Umgang mit Holz habe er sich selbst angeeignet. „Ich habe mich bei verschiedenen Firmen beworben. Wenn die das Geburtsdatum lesen, war es das.“ Er glaube nicht mehr daran, dass Erfahrung gefragt sei.

Nun setzte er darauf, dass die Kundschaft auch mal etwas Besonderes für die gute Stube oder den Garten will und gerade auch dort die Plastikmöbel satt hat. „Bei mir gibt es nur Unikate.“ Die Kunden können sich natürlich einen Tisch in der Ausstellung ansehen. Aber kein Stück sei dann identisch. Jedes Stück Holz sei schließlich anders gewachsen und das soll man auch sehen, ein Stück Natur. Eine Wunde im Stamm schön herausgearbeitet, könne eine Geschichte erzählen. Neu im Programm habe er jetzt auch Holzschindeln – geeignet zum Beispiel für Carports, Lauben oder Kinderspielhütten.

Betonfiguren sind beliebt

Was nicht heißt, dass mit den Betonarbeiten ganz Schluss sei. Die Technik sei nach wie vor zukunftsträchtig, denkt Mägel. Der Trend aber im Osten der Republik wohl noch nicht so angekommen. Zum Beispiel für die Gartenküchen aus seiner Werkstatt. Manchmal muss man auch warten können. Seine Betonfiguren, wie der kleine Maulwurf, seien aber ganz beliebt. Einige Holzfiguren für den Garten habe er jetzt auch in petto. Auf der Suche sei er derzeit nach einer Ausstellungsfläche für seine Möbel. Wo er ein paar Stücke mehr ausstellen könne und das Publikum seine Arbeiten anfassen kann. Gerade bei Holz sei das wichtig. Er brauche auch ein bisschen Platz für seine Ideen. Denn wenn er das nächste Mal durch den Wald gehe, dann sehe er schon wieder „die nächste fertige Bank oben im Baum hängen“.