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Auf den Hund gekommen

In Berbisdorf treffen sich Jagdhundezüchter mit ihren Deutsch-Drahthaar-Rüden. Sie suchen Partner für die Hündinnen.

© Norbert Millauer

Von Beate Erler

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Radeburg. In der Reitanlage in Berbisdorf werden sie besichtigt, begutachtet und angefasst. Jeder Hund hat sein eigenes Holzpodest, versehen mit einer Nummer und einem kurzen Überblick: der Name des Rüden, darunter der Name des Eigentümers und der Wohnort. Saigo IV del Zeffiro zum Beispiel liegt schläfrig auf dem Holzbrett mit der Nummer 30. Sein Besitzer Josef Petz ist mit ihm aus Freising angereist. Insgesamt 38 Deutsch-Drahthaarrüden sind zur Internationalen Zuchtrüdenvorstellung nach Berbisdorf gekommen.

Nur die Erlesensten ihrer Rasse sind heute hier. Sie haben alle Prüfungen bestanden, die sie dazu befähigen den Titel Zuchthund zu tragen. Viele der Gäste aus ganz Deutschland, der Ukraine, Russland, Bulgarien und sogar den USA suchen für die Hündin zu Hause den passenden Deckrüden. Und die Ansprüche der Hundedame wollen erfüllt sein, sowohl was das Wesen als auch die Leistung des Auserwählten betrifft. Josef Petz hat für seinen Saigo bereits viele Anfragen bekommen. Die Mutter des Rüden ist eine italienische Hündin, der Vater ein Hasso vom Forstberg, erklärt sein Besitzer. Mit seinen anderthalb Jahren war er der beste Rüde auf einer Zuchtprüfung im letzten Jahr. Seine Beschreibung klingt wie das Who is who der Hundeszene: „Der sehr ruhige, aber enorm leistungsstarke Saigo überzeuge durch seine ausgeprägte Führigkeit und seinen hervorragenden Spürwillen. Auch sein Sozialverhalten ist vorbildlich.“

Noch drei weitere Rüden dieser Rasse hat Josef Petz zu Hause in Freising. Zwei von ihnen sind schon 14 Jahre alt und haben alle Prüfungen abgelegt, die man als Hund ablegen kann. „In erster Linie sind sie aber ganz normale Haustiere“, sagt der ältere Mann mit dem jägergrünen Pulli, „sie sind richtige Familienmitglieder.“

Für einen Außenstehenden bewegen sich diese Hundezüchter dennoch in ihrer eigenen Welt. Sie tragen Jägerhüte mit Abzeichen, der Handyklingelton spielt eine Jagdbläsermelodie und sie sagen Dinge wie: „Der Deutsch-Drahthaar hat eine feste Jacke.“ Damit ist das Fell gemeint, das zwei bis vier Zentimeter dick ist und den Hund bei der Jagd im Schilf schützt, erklärt Peter Palm, Vorsitzender des Vereins Deutsch Drahthaar (VDD) der Gruppe Niederlausitz, der das Event ausrichtet.

Der Verein hat 11 000 Mitglieder in ganz Deutschland und sogar in Nordamerika und Kanada. Der Deutsch-Drahthaar wird seit Ende des 19. Jahrhunderts gezüchtet und ist der meistgekaufte Jagdhund. Jedes Jahr im Februar werden die Deckrüden dann von Züchtern und Liebhabern der Rasse unter anderem bei der Einzelvorstellung begutachtet.

Der Hund dreht eine Runde im Ring und wird den anwesenden Züchtern vorgestellt. Sie achten besonders auf das Haar, die Form und die Leistung.

Ein Drittel der Rasse aus den USA

„Das sind die Kriterien, die eine lange und für den Hund schmerzfreie Jagd garantieren“, sagt Peter Palm. Der Deutsch-Drahthaar wird im Schnitt 13 bis 15 Jahre alt und kann davon zehn bis zwölf Jahre jagen. So ein erster Platz bei einer internationalen Prüfung macht natürlich besonders viel her.

Deshalb wird Saigo bald Damenbesuch bekommen. „Zum Teil kamen die Leute mit ihren Hündinnen aus Italien und Österreich zu mir“, sagt Josef Petz. Auch Mike Schell aus Illinois und Bill Reeder aus Virginia in den USA sind nach Berbisdorf gekommen.

Denn circa ein Drittel aller Hunde der Deutsch-Drahthaar-Rasse kommt aus den USA, erklärt Mike Schell, der sich als Zuchtwart unter anderem um die Zuchtkontrolle kümmert. Das sind ungefähr 700 Hunde pro Jahr. „Deutschland ist mit seinen umfangreichen Zuchtbüchern für uns ein großes Vorbild“, sagt Bill Reeder.

Am Sonntagmittag ist die Hundeschau vorbei, denn viele der Gäste haben einen weiten Nachhauseweg. Auch Josef Petz nimmt seinen Hund an die Leine und macht sich auf Richtung Freising. Saigo hat an diesem Wochenende viele Besucher von sich überzeugt. Für den Besuch der Hundedamen – Waidmannsheil.