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Auf den Spuren des Großvaters

Im Naturparkhaus in Waltersdorf zeigt eine Schau, wie es früher im Ort aussah. Es gibt viele Unterschiede zu heute.

© www.foto-sampedro.de

Von Elke Schmidt

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Wie es vor rund 100 Jahren in Waltersdorf und anderen Gebirgsorten aussah, kann man derzeit in einer kleinen Ausstellung im Waltersdorfer Kretscham herausfinden. Sie heißt „Auf den Spuren meines Großvaters“ und zeigt Fotografien von Artur Wagner und seiner Urenkelin Jana Richter. Sie ist in Waltersdorf aufgewachsen und blätterte schon früh in einem besonderen Album aus dem Familienbesitz. Darin waren Fotografien ihres Ur-Großvaters zu sehen. Jana Richter hat die zwischen 1916 und 1920 entstandenen Motive noch einmal aus der gleichen Perspektive aufgenommen, um zwischen damals und heute einen Vergleich ziehen zu können.

Nicht immer ist auf Anhieb erkennbar, welchen konkreten Ort die Fotografien zeigen, hat sie dabei festgestellt. Das ist zum Beispiel bei dem Foto vom heutigen Gelände des Trixi-Parkes so. Manche Häuser hätten sich dagegen baulich überhaupt nicht verändert. Diese Unterschiede findet sie spannend und freut sich, dass sie diese im Naturparkhaus für Besucher und Einheimische zugänglich machen kann. Dazu zählt zum Beispiel das Ehepaar Bay. Sie wohnen seit 19 Jahren im Ort und haben alle Motive erkannt. „Wir freuen uns immer, wenn solche Perlen entdeckt werden“, sagen sie.

Die Fotografin brauchte für das Finden mancher Stellen dagegen Hilfe. Vor allem im Tschechischen kenne sie sich nicht so gut aus und nicht alle Fotos waren beschriftet. In diesen Fällen sei vor allem ihr Vater eingesprungen und habe ihr gesagt, wo sie suchen muss. Ihre Eltern fanden die Idee gut, sagt sie. Sie sind selbst neugierig gewesen, wo die Aufnahmen entstanden. Bei der Suche stieg die Achtung vor der Leistung des Ur-Opas noch einmal enorm.

Er nutzte zum Fotografieren eine sogenannte Glasplattenkamera. Die war ziemlich schwer, sagt Jana Richter. Besonders im Winter sei vermutlich allein schon der Weg zu den Aufnahmeorten eine ziemliche Plackerei gewesen. Artur Wagner brauchte neben der Kamera zwingend ein Stativ und musste für jedes einzelne Foto eine eigene Glasplatte mitnehmen. Auch deren Gewicht schlug also zu Buche.

Dazu kommt, dass diese Vorläufer des Negativ-Films immer nur einmal belichtet werden können. Das Foto musste also möglichst auf Anhieb im Kasten sein. Dass ihr Vorfahr unter diesen Bedingungen so gute Fotos machte, findet sie beeindruckend. Er habe damit sogar Geld verdient, sagt sie. Zum einen verkaufte er die Bilder selbst, aber er bot noch einen ganz besonderen Service. Er malte daheim im Kundenauftrag Ölgemälde nach den fotografischen Vorlagen.

Jana Richter hat ihren Ur-Opa noch kennengelernt und erinnert sich an ihn als einen uralten Mann in einem kleinen Kämmerlein, der sie manchmal mitmalen ließ. Einige dieser Bilder sind heute noch im Familienbesitz. Denn Artur Wagner verschenkte sie zum Beispiel an Geburtstagen an seine Verwandtschaft.

Auch seine Urenkelin malt ab und zu, aber viel lieber greift sie zur Kamera. Fotografie sei ihr liebstes Hobby, sagt sie. Dabei setzt sie sich selbst hohe Maßstäbe. „Was ich mache, mache ich richtig“, sagt Jana Richter von sich. Das sei auch ihrem Beruf geschuldet. Als Physiotherapeutin muss sie besonders auf die Details achten, um ihren Patienten die optimale Behandlung zukommen zu lassen. Dieser Blick fürs Detail ist auch in der Fotografie ein wesentlicher Punkt. Sie ist ehrgeizig und will möglichst perfekte Fotos machen.

Das wüssten die Leute zu schätzen, sagt sie. Zunächst präsentierte sie einige ihre Fotos in den Behandlungskabinen an ihrem Arbeitsplatz. Schon da hätten die Leute öfter interessiert nach dem Urheber der Aufnahmen gefragt. Jana Richter fotografiert Blumen und kleine Tiere, aber auch Landschaften und Architektur. Besonders gern schießt sie auch Porträtfotos und hat schon die Babys fast aller ihrer Freundinnen abgelichtet. Zu ihrem Beruf machen will sie ihr Hobby derzeit nicht, schließt diese Möglichkeit aber für später nicht aus.

Die Ausstellung „Auf den Spuren meines Großvaters“, Naturparkhaus im Kretscham Waltersdorf kann noch bis bis zum 28. Februar während der Öffnungszeiten besichtigt werden.