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Auf den Spuren Zschäpes

Wie würde die mutmaßliche Rechtsterroristin klingen, wenn sie reden würde? Ein ZDF-Film versucht, ein Bild zu zeichnen. Ein schwieriges Terrain.

© ZDF/Janett Kartelmeyer

Von Christoph Lemmer und Julia Kilian

Der echte Kommissar heißt Rainer B., ein jovialer Rheinländer Ende 50, Beamter beim Bundeskriminalamt in Meckenheim. Am 25. Juni 2012 begleitete er die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe auf einer langen Autofahrt von der Haftanstalt Köln nach Gera, wo sie ihre Mutter und ihre Großmutter sehen durfte. In dem ZDF-Film „Letzte Ausfahrt Gera“ spielt Joachim Król den Kommissar B. Darin geht es um genau diese Fahrt und darum, was Zschäpe (gespielt von Lisa Wagner) und der Kommissar im Auto gesprochen haben könnten. Ein offizielles Protokoll gibt es darüber nicht, denn der Kommissar durfte Zschäpe unterwegs nicht vernehmen. Darauf hatte Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer extra vor der Fahrt schriftlich gedrungen. Es war die Zeit, als Zschäpe noch eisern schwieg. Im Auto wurde dann aber doch geplaudert, und offenbar sehr viel.

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Gefragt, wie er den Dialog mit Zschäpe bezeichnen würde, der doch keine Vernehmung sein durfte, sagte der echte Kommissar B. als Zeuge im Münchner NSU-Prozess: „Es ging um die Brille, die Katzen, und darüber hinaus hat sich noch ein bisschen Gespräch entwickelt, das aber Smalltalk-Qualität hatte.“ Diesen Smalltalk hat Regisseur und Grimme-Preisträger Raymond Ley teils nacherzählt, teils mit eigenen Ideen angereichert. Eingefügt in die Rahmenhandlung der langen Autofahrt hat er etliche Szenen, die die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion endgültig verwischen.

Da gibt es Zeugenaussagen aus dem NSU-Prozess (nachgespielt), Interview-Fragmente mit Familienangehörigen von Mordopfern des NSU (echt), Statements des Thüringer NPD-Funktionärs Patrick Wieschke (echt), der Linken-Politikerin Katharina König aus Jena (echt), Szenen aus dem Leben Zschäpes mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt (erfunden) und ein unangenehmes Gespräch des Kommissars mit seinem Chef (erfunden).

Der Film versucht, Zschäpe greifbarer zu machen. Die 41-Jährige muss sich im NSU-Prozess in München als mutmaßliche Mittäterin für alle Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ verantworten. Ihre Stimme hat in der Öffentlichkeit noch nie jemand gehört.

Schauspielerin Wagner sagt, sie frage sich, ob da nicht ein Geheimnis um jemanden gemacht werde, der bei näherer Betrachtung gar nicht so geheimnisvoll sei. „Wenn sich jemand so einer Situation entzieht, macht er sich sehr spannend.“ Das ZDF will einige der Lücken schließen und sich der Figur annähern. Das birgt auch Gefahren: Ist die Macht eines Films zu groß, wenn man noch so wenig über jemanden weiß? Was ist Interpretation, was Realität?

Regisseur Ley sagt dazu: „Das empfinde ich nicht als Schwierigkeit.“ Sein Dokudrama habe eine starke authentische, dokumentarische Basis. Die Notizen zur Fahrt, Gerichtsprotokolle und Interviews bildeten einen klaren Kern. Zur Vorbereitung besuchte Ley mehrmals den NSU-Prozess, auch Wagner war dort. Zschäpe habe gewirkt, als sei sie fast nicht anwesend. „Also man hatte ein sehr starkes Gefühl von Abwesenheit, wie sie da so saß“, sagt sie. Daraus könne man als Schauspieler aber auch etwas für die eigene Rolle ableiten. „Eine Unterlassung ist ja auch eine Reaktion.“ Sie habe zur Vorbereitung auch viel gelesen. Die 36-Jährige spielt Zschäpe mit schwarzer Perücke, kühl und möglicherweise abgebrühter, als sie wirklich ist. (dpa)

Sendetermin: Dienstag, 26. Januar, 20.15 Uhr, ZDF