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Auf der Reeperbahn in Schleinitz

Beim Dreschtag in Schleinitz wird altes Handwerk vorgestellt. Friedbert Groß ist seit 67 Jahren Seiler und mit dabei.

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© André Braun

Von Helen e Krause

Schleinitz. An mehreren Haken, die mit einer Kurbel verbunden sind, hängen Fäden. Dreht man die Kurbel, tönt ein leises Surren durch die Werkstatt. Langsam drehen sich die Fäden zu einem Seil zusammen. Beim Dreschtag in Schleinitz zeigt Seilermeister Friedbert Groß aus Weißenberg in der Lausitz, wie man Seile herstellt.

„Schon mein Vater und Großvater übten diese alte Handwerkskunst aus“, erzählt Groß. Seine Lehre als Hanf- und Drahtseiler begann er 1949 in Schwerin. Später erwarb er den Meisterbrief und absolvierte ein Ingenieurstudium in technischer Textilgestaltung. Als mehr und mehr Kunststoffseile die aus den Naturfasern verdrängten, stellte er Fördergurte her. Sein Sohn und zwei seiner sechs Enkel haben heute einen Betrieb, der Fördergurte montiert. Um ein Seil herzustellen, wird Flachs oder Hanf versponnen. Auch das muss ein Seiler können. Früher geschah das mit der Hand. Bis nach dem Krieg war das noch üblich. Auch das hat Groß gelernt. Er zeigt es den Besuchern. Den Hanf bindet sich der Seiler um die Hüften. Ein Ende wird an einem Haken der Haspel befestigt. Während ein Arbeiter die Haspel dreht, geht der Seiler auf einer Bahn langsam nach hinten. So entsteht ein Faden.

„Seile, die für die Segelschifffahrt verwendet wurden, nannte man Reep“, berichtet Friedbert Groß. „Der Hersteller war der Reeper und die Bahn, auf der die Schiffsseile hergestellt wurden, hieß Reeperbahn. Diese war 219 Metzer lang. Meist wurden die Schiffsseile in großen Städten wie Hamburg hergestellt.“ So erhielt die dortige Vergnügungsmeile ihren Namen.

Groß zeigt aber nicht nur, wie Seile gemacht werden. Es gibt auch Netze, Makrameearbeiten, Gurte, Wurstgarn, eine Schornsteinfegerleine, eine Hängematte, einen Geburtsstrick für Tiere und anders zu sehen. Alte Fotos zeigen das Handwerk vom Hanfaufbereiten bis zum fertigen Seil. „Früher gab es sehr viele Seiler“, sagt Friedbert Groß.

Doch nicht nur das Handwerk des Seilers wird in Schleinitz vorgestellt. Die Besucher können beim Körbeflechten zusehen. Ein Böttger zeigt, wie Bottiche und Wagenräder entstehen. Und es kann beim Körbeflechten und beim Dreschen zugeschaut werden. Vom Dreschflegel bis zur großen, von einem Traktor angetriebenen Dreschmaschine, der Strohpresse und dem Getreidereiniger wird vieles gezeigt.

„Schon seit den 90er Jahren wird der Dreschtag in Schleinitz begangen“, sagt Hartmut Oetner vom Förderverein Schloss Schleinitz. „Mitglieder des Fördervereins waren in der Landwirtschaft tätig. Wir hatten alte Gerätschaften, die mit der Landwirtschaft zu tun hatten. Diese wurden aufbereitet.“ Deshalb beschloss der Verein, die alten Geräte auszustellen und auch vorzuführen. Das kam bei den Besuchern gut an.