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Auf der Suche nach dem „Modivchen“

© privat

Ein Züchter entdeckt eine alte Apfelsorte neu – und hofft nun auf Hinweise zu weiteren Bäumen.

Von Stefan Lehmann

Riesa/Heyda. Mit Apfelbäumen kennt sich Holger Niese bestens aus. Seit Jahren befasst er sich hobbymäßig mit Pomologie, der Obstbaumkunde. Umso mehr wunderte er sich, als er in Heyda auf eine ihm völlig unbekannte Sorte stieß. „Die Grundstücksbesitzer hatten jemanden gesucht, der ihren Modivchen-Baum veredeln und nachziehen könnte.“

Nach und nach meldeten sich mehrere Anwohner aus der Region, die ebenfalls von dieser dem Pomologen völlig unbekannten Sorte sprachen. „Die Besitzer sagten nur: Die Bäume sind so als, die Sorten kennt niemand mehr.“ Mehr als 80 Jahre haben die Bäume Schätzungen zufolge auf dem Buckel. Während die Anwohner sich wohl nicht weiter mit dem Thema beschäftigten, war Holger Nieses Interesse geweckt. „Weil ich die Äpfel keiner mir bekannten Sorte zuschreiben konnte, nahm ich die Früchte mit nach Bad Muskau.“ Dort findet jährlich ein großes Fachtreffen statt. Doch auch die Experten vor Ort konnten schlicht und ergreifend nicht sagen, um welche Apfelsorte es sich handelt. Selbst in der Prüfstelle des Bundessortenamtes in Wurzen sei man ratlos gewesen.

Nur in den Aufzeichnungen eines bereits verstorbenen Obstfachmanns wurde Niese fündig, in den offiziellen Stellen fehlt die Sorte ständig – wohl auch wegen des sehr kleinen Verbreitungsgebiets. Das scheint ausschließlich südlich von Riesa in Richtung Meißen zu liegen, sagt Niese und zählt auf, wo er bisher Bäume finden konnte. „Seerhausen, Bloßwitz, Kalbitz, Boritz, Heyda.“ Weil so wenig über die alte Apfelsorte bekannt ist, hofft Niese nun auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Wer kann weitere Angaben darüber machen, wo noch Bäume stehen, die dieser Sorte eventuell zugeschrieben werden können? Interessant wäre auch zu erfahren, woher die Sorte stammt.“ Niese hofft vor allem auf ältere Einwohner, die noch etwas über die Herkunft der seltenen Apfelsorte berichten können. Vorstellbar sei, dass sie in einer längst geschlossenen Baumschule kultiviert wurde.

Schon jetzt freut sich der Pomologe über Hinweise, auch wenn eine endgültige Bestimmung erst möglich ist, wenn im September die Früchte reifen. „Die Äpfel sind eher klein und flachkugelig. Das gelblich-weiße Fruchtfleisch schmeckt frisch vom Baum gut, der Saft etwas wie Birnensaft.“ Besonders gut sei aber das Apfelmus aus dieser Sorte. „Leute, die diese Sorte kennen, schwärmen von seinem Duft.“ Der soll einen ganzen Lagerraum ausfüllen können. Nur die Lagerzeit lasse wohl zu wünschen übrig, sagt Niese: Maximal bis Dezember halten sich die geernteten Äpfel. Vielleicht ist das auch eine Ursache dafür, dass die Sorte heute so unbekannt ist.

Hinweise nimmt die SZ-Redaktion entgegen: Tel. 03525 72415718 oder [email protected]