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Die verlorene Leichtigkeit

RB Leipzig geht nach dem schwachen Auftritt in Darmstadt mit einigen Fragezeichen in die Länderspielpause.

© dpa

Von John Hennig

Leipzig. Noch auf dem Platz holte sich Alexander Zorniger seine Spieler und Betreuer zum mittlerweile oft bemühten Mannschaftskreis zusammen. Doch für den Trainer von Fußball-Zweitligist RasenBallsport Leipzig war es nach dem 0:1 (0:1) bei Mitaufsteiger SV Darmstadt 98 wirklich mehr als symbolisch. Seine Mannschaft hatte eine schwache Leistung gezeigt, wie schon beim letzten Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg (0:1) vor drei Wochen, und wirkt mit seiner Spielphilosophie entschlüsselt.

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„Wenn wir mit der Passivität in Darmstadt spielen, fressen die uns auf“, hatte Zorniger bereits nach dem torlosen Unentschieden gegen den 1. FC Kaiserslautern vor einer Woche gemahnt. Doch in Darmstadt sah es keinesfalls besser aus. Immer wieder kamen die Gäste einen Schritt zu spät. „Die ersten paar Minuten hat Darmstadt uns den Schneid abgekauft und war viel präsenter in den Zweikampfen“, fand Kapitän Dominik Kaiser. Danach beackerte Leipzig das kompakte Bollwerk im Stadion am Böllenfalltor, allerdings planlos und wenig durchschlagskräftig.

„Wir haben es Darmstadt über lange Zeit sehr einfach gemacht. Wir waren ungewohnt langsam im Denken und im Handeln“, kritisierte Zorniger. Deshalb korrigierte Zorniger früh, brachte zur zweiten Halbzeit Joshua Kimmich, den er eigentlich schonen wollte. Doch nach kurzer Besserung verlor Leipzig ab Mitte der zweiten Halbzeit wieder den Zugriff auf das Spiel. Darmstadt war einem zweiten Treffer näher als die Sachsen, die sich im gesamten Spiel nur eine wirkliche Torchance selbst erspielten. „Wir müssen uns selbst Gedanken machen, wie wir das Spiel mit und gegen den Ball besser machen. Dafür haben wir jetzt zwei Wochen Zeit“, schloss Zorniger kritisch ab.

Doch nun kann er nicht einmal richtig am schwächelnden System feilen. Mehrere seiner Spieler reisen zu ihren Landes- und Nachwuchsauswahlmannschaften. Immerhin konnte Leipzig mit Jürgen Klinsmann und Horst Hrubesch verhandeln, dass Angreifer Terrence Boyd nach langer Verletzung nicht zur US- und Mittelfeldspieler Joshua Kimmich nicht zur U21-Nationalmannschaft reisen müssen. Dafür sind mit Yussuf Poulsen (Dänemark) und Rani Khedira (Deutschland U21) zwei zentrale Spieler unterwegs.

Zumindest Poulsen dürfte die Abwechslung gut tun, denn im dänischen Team ist der 20-jährige Angreifer noch bei weitem kein Fixpunkt wie in Leipzigs Spiel. In den vergangenen Wochen wirkte Poulsen zunehmend gefrustet ob der harten Doppelbewachung in der zweiten Liga. In Darmstadt hatte der in Ligaspielen seit dem siebten Spieltag torlose Däne Glück, dass sein Ellenbogenstoß (81.) gegen Sandro Sirigu nicht geahndet wurde.

Poulsen reibt sich seit Wochen in den Duellen und Sprints auf, meist wird er lang und weit geschickt, weil der Zentrale der Leipziger ohne den öfters angeschlagenen Kimmich Ballsicherheit fehlt. Gegen den Ball arbeiten Khedira, Diego Demme oder Stefan Hierländer nach wie vor fleißig, Leipzig ist mit Abstand die laufstärkste Mannschaft der Liga. Doch im Ballbesitz agiert der Aufsteiger überhastet. Zudem verhindern die Gegner immer besser das gefürchtete Pressing und Gegenpressing der Leipziger.

So rutscht Leipzig nach starkem Saisonstart langsam ins Mittelfeld der Liga ab. Der Aufsteiger gewann nur eins der vergangenen sechs Ligaspiele und schoss in drei der zurückliegenden vier Spiele keinen Treffer. Und gerade jetzt bringt Sportdirektor Ralf Rangnick einige Spieler aus dem zweiten Red-Bull-Standort in Salzburg als Verstärkung für Leipzig ins Spiel.