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Auf der Suche nach Glück

Stephan Siegfried war schon einmal an Bautzens Puppenbühne engagiert. Nun kehrt er in neuer Funktion zurück.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Bautzen. Puppen können in seinen Augen einfach alles. „Mit ihnen haben wir Puppenspieler die Möglichkeiten, die keinem Schauspieler zur Verfügung stehen. Andererseits gibt das Aussehen der Puppe uns Spielern schon vieles vor“, sagt Stephan Siegfried. Ab dem 1. November übernimmt der 30-Jährige die Leitung des Puppentheaters am Deutsch-Sorbischen Volkstheater. Der neue Spielplan trägt deshalb auch schon seine Handschrift.

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Was Puppen und Puppenspieler alles können, will Stephan Siegfried mit der Inszenierung „Der Besuch der alten Dame“ gleich bei seiner ersten Regiearbeit dieser Spielzeit ab 28. September zeigen. „Als ich das Dürrenmatt-Stück gelesen habe, dachte ich, dass müssen wir im Puppentheater umsetzen. Der Autor arbeitet mit vielen Verfremdungen und gibt ganz verrückte Regieanweisungen“, sagt der gebürtige Mecklenburger.

Sein Handwerk hat er an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin gelernt. Sein erstes Engagement erhielt er 2012 am Theater Bautzen. Damals debütierte er in der Puppentheaterversion von Goethes Faust. Zu Ende ging seine Zeit an der Spree 2014 mit der Hauptolle in „Gullivers Reisen“ im Theatersommer. Darauf wechselte der Puppenspieler an das Koblenzer Theater. „Nach vier Jahren weiß ich , dass ich mich in Bautzen wohler fühle. Dieses Theater hat eine Nähe zum Publikum. Es ist für alle da“, sagt Stephan Siegfried – und Volkstheater und Anspruch schließe sich für ihn keineswegs aus.

Wut und Freude am Bautzener Theater

Holzers Peepshow, 7. September – Farce von Markus Köbeli

Sergej, 30. September – Schauspiel von Jurij Koch in Obersorbisch

Der Räuber Hotzenplotz, 7. Oktober – musikalische Gaunerjagd nach Otfried Preußler

Bautzener Bühnenball, 26./27. Oktober – ein „Urlaub in Deutschland“ mit Orchester und Ballett des Sorbischen National-Ensembles

Im weißen Rössl, 23. November – Lustspiel nach der musikalischen Fassung der Geschwister Pfister

Das Herz eines Boxers, 14. Dezember – Drama von Lutz Hübner

Böhmisches Paradies, 15. Februar – Deutsche Erstaufführung

Die Eisbärin, 1. März – Dreifrauen – Stück von Jonas Gardel

Das leere Haus, 9. März – Uraufführung auf Obersorbisch

Die Orestie, 26. April – 2500 Jahre altes Drama von Aischylos

Feindliche Übernahme, 27. April – Komödie von Thomas Steinke auf Niedersorbisch

Am kürzeren Ende der Sonnenallee, 20. Juni – Sommertheater-Schauspiel mit Livemusik

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Zum „Besuch der alten Dame“ bittet er zuerst das erwachsene Publikum ins Burgtheater. „Das Stück geht der Frage nach, wie weit man bereit ist, für sein eigenes Glück zu gehen – auf Kosten anderer“, sagt der künftige Puppentheaterchef. Im Mittelpunkt der tragischen Komödie steht eine Milliardärin, die den Einwohnern einer Kleinstadt eine Milliarde Mark bietet, wenn sie ihr den einstigen Liebhaber tot vor die Füße legen würden. Auf der Bühne sind neben sechs Puppenspielern mit Masken zwei Handpuppen und eine überlebensgroße Puppe zu erleben. „Ich bin mir sicher, die Inszenierung bricht mit den Sehgewohnheiten der Zuschauer“, sagt der Regisseur. Die Leitung des Ensembles nennt er eine „Riesenherausforderung“.

Für Stephan Siegfried ist das Dürrenmatt-Stück die vierte Regiearbeit. In der vergangenen Spielzeit inszenierte er am Bautzener Theater zum Beispiel „Hans im Glück“. In diesem Märchen wird er nun selbst das Puppenspiel übernehmen. Außerdem bringt er natürlich auch seine Rotkäppchen-Version wieder mit ans Burgtheater. Am 4. Oktober gibt es bereits die 167. Vorstellung von der Geschichte vom pfiffigen, kleinen Mädchen und dem Wolf.

Auf die kleinen Puppentheaterbesucher warten in dieser Spielzeit auch neue Premieren – auf Deutsch, auf Obersorbisch und Wendisch. Am 14. Oktober dürfen sich die Mädchen und Jungen mit ihren Eltern und Großeltern auf einen ganz besonders schönen Stoff freuen. Dann gibt es die Uraufführung von „Kito huslickar“ (Kito und die Tanzfidel“. Die Ausstattung übernimmt die bekannte Illustratorin Jutta Mirtschin. Von der Liebe zu Aussortiertem und scheinbar Nutzlosem erzählt die „Weihnachtsschmiede im Wald“. „Bei dem Stück heißt es Mitmachen“, sagt der Bautzener. Premiere ist am 25. November.

Eine Geschichte über Freundschaft ist „Über lang oder kurz“. Sie erzählt von Martin, Lulatsch und Doris, die sich zu kurz, lang und dick finden. „Vor den Hänseleien flüchten sie an den fiktiven Ort Weck. Das Stück über Mobbing gibt dem Spielplan noch mal eine ganz andere Farbe“, sagt Stephan Siegfried. Für die Puppentheatergänger ab vier Jahren gibt es die Inszenierung „So war das“ über Streiten und Zuhören – mit Premiere am 1. Juni. Und für die Erwachsenen hat er auch noch einen Tipp: Zur Reihe „Puppen, Wein und Kerzenschein“ könne man ganz offiziell ohne Alibikind ins Puppentheater gehen.

www.theater-bautzen.de