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Auf der Suche nach Klarheit

Unter Uwe Neuhaus war es bislang eine Dresdner Spezialität, nach Rückstand noch zu punkten. Daran hapert es in dieser Saison.

© Robert Michael

Von Cornelius de Haas

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Marcel Franke hatte sich vor dem Spiel in Fürth ein schnelles Tor für seine Mannschaft gewünscht. Wie wichtig so ein Erfolgserlebnis sein kann, hatte nicht zuletzt der Sieg gegen Bochum gezeigt, bei dem die Dresdner schon in der zweiten Minute per Elfmeter in Führung gingen. Von solch frühen Treffern versprechen sich Fußballer mehr Sicherheit im eigenen Spiel. Bei Dynamo dürfte es aber noch einen anderen Grund geben: Wenn es 1:0 steht ist ein 0:1 nicht mehr möglich.

Aber die Dresdner mussten in der laufenden Saison schon zehnmal den ersten Treffer im Spiel schlucken, nur zweimal sprang am Ende wenigstens noch ein Punkt heraus – beim 2:2 auf St. Pauli und dem 2:2 im Heimspiel gegen Ingolstadt.

In den ersten beiden Spielzeiten unter Trainer Uwe Neuhaus war das noch völlig anders. In der Aufstiegssaison kassierten die Schwarz-Gelben zwar neunmal das 0:1, am Ende standen aber drei Siege, fünf Unentschieden sowie zwei Niederlagen zu Buche – und auch in der Tabelle der gedrehten Spiele Platz eins. Noch häufiger, nämlich 16-mal, liefen die Dynamos diesem Rückstand in der vergangenen Runde hinterher. Auch da gab es immerhin noch drei Siege und vier Remis. In der Sonderwertung bedeutete das Platz vier – ein Rang besser als in der Ligatabelle nach dem 34. Spieltag.

Dass es in dieser Saison mit dem Jetzt-erst-recht-Effekt noch nicht so richtig klappt, liegt laut Neuhaus aber nicht an mangelnder Einstellung. Stattdessen habe es mehr mit dem Gegner zu tun. Es sei ein uraltes Rezept, wenn der bei einer Führung „ein bisschen tiefer steht und durch viel Personal eine gute Präsenz im eigenen Strafraum hat“. Seit es Fußball gibt, habe das immer mal wieder geholfen, sagt der 58-Jährige süffisant. Um dem zu begegnen, brauche es die Klarheit, einen Gegner dann trotzdem auszuspielen. „Die hatten wir schon mal“, erinnert sich Neuhaus an seine ersten zwei Dresdner Jahre.

Er weiß auch, weshalb es im dritten daran fehlt. Stichwort: mangelndes Selbstvertrauen. Das holt man sich mit Siegen. „Die führen zu mehr Ruhe, mehr Übersicht und eben auch mehr Klarheit.“ Doch an diesen Erfolgserlebnissen fehlte es zuletzt. Stattdessen verloren die Schwarz-Gelben in dieser Saison sogar schon zweimal nach einer 1:0-Führung – so oft, wie in den beiden vorangegangenen Spielzeiten zusammen.

Deshalb spricht Neuhaus auch wieder von einem Lernprozess. „Wenn es um viel geht, der Kopf nicht hundertprozentig klar ist und – wie bei vielen von unseren Spielern – noch nicht so die Erfahrung da ist, dann trifft man auch mal falsche Entscheidungen, dann ist das Spiel geprägt von Hektik, dann will man schnell nach vorne und spielt nicht mehr in Ruhe aus.“ Daran arbeite man im Training, nun muss es aber auch auf den Platz gebracht werden.

Doch am Ende sind die Comeback-Qualitäten nur ein Baustein für den Klassenerhalt. Schließlich steht mit dem VfL Bochum der Ligaprimus in dieser Kategorie in der Tabelle noch hinter Dynamo.