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Auf die Brücke, fertig, los

190.000 Besucher testen die Waldschlößchenbrücke bei der SZ-Entdeckertour. Seit letzter Nacht rollt nun der Verkehr.

Dresden. Tatsächlich. Es ist eine Brücke. Eigentlich. Aber nicht in Dresden. Und nicht dieses Bauwerk. Das ist viel mehr. Es ist die Waldschlößchenbrücke, die umstrittenste Elbquerung der Stadt. Es sind deshalb Emotionen, die an diesem Wochenende 190.000 Menschen zum Brückenfest aus der ganzen Region gelockt haben. Am Samstag kamen – wohl dem Schulanfang geschuldet – vor allem ältere Besucher, am Sonntag dann überwiegend Familien. Sie alle nutzten die Entdeckertour der Sächsischen Zeitung, um vor der Freigabe für den Verkehr zwei Tage lang Brücke und Tunnel zu erkunden.

Zwei kleine Schnitte für ein großes Ereignis: Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich übergeben gemeinsam die Brücke.
Zwei kleine Schnitte für ein großes Ereignis: Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich übergeben gemeinsam die Brücke.

Drohnenflug zur Brückeneröffnung

Die Überquerung im Überflug: Mit einer Drohne haben Fotografen Luftbilder von der Eröffnungsfeier der Waldschlößchenbrücke geschossen. Hier ist eins, während ein Dampfer unterquert.
Die Überquerung im Überflug: Mit einer Drohne haben Fotografen Luftbilder von der Eröffnungsfeier der Waldschlößchenbrücke geschossen. Hier ist eins, während ein Dampfer unterquert.
Dieses Fluggerät mit acht Rotoren hat aus einer Höhe zwischen 15 und 100 Metern fotografiert.
Dieses Fluggerät mit acht Rotoren hat aus einer Höhe zwischen 15 und 100 Metern fotografiert.
Kurz bevor das Band auf der Altstadtseite zerschnitten wurde, säumten Hunderte Dresdner den Zugang zur Brücke.
Kurz bevor das Band auf der Altstadtseite zerschnitten wurde, säumten Hunderte Dresdner den Zugang zur Brücke.
Als das Band durch war, stiegen gelbe Luftballons in den Himmel und der erste Schwung enterte die Brücke.
Als das Band durch war, stiegen gelbe Luftballons in den Himmel und der erste Schwung enterte die Brücke.
Aus rund 20 Metern Höhe sah es um kurz nach 10.30 Uhr am Brückenkopf auf der Altstadtseite so aus. Hunderte Dresdner schritten auf die Elbquerung.
Aus rund 20 Metern Höhe sah es um kurz nach 10.30 Uhr am Brückenkopf auf der Altstadtseite so aus. Hunderte Dresdner schritten auf die Elbquerung.
Rasch bahnten sie sich den Weg bis zum Bogenwerk in der Mitte.
Rasch bahnten sie sich den Weg bis zum Bogenwerk in der Mitte.
Aus rund 100 Metern Höhe bietet sich ein weiter Panoramablick in Richtung Dresdner Neustadt. Die Drohne begann daraufhin mit einem Rundflug.
Aus rund 100 Metern Höhe bietet sich ein weiter Panoramablick in Richtung Dresdner Neustadt. Die Drohne begann daraufhin mit einem Rundflug.
Und lieferte uns diese Bilder.
Und lieferte uns diese Bilder.
In Höhe des Brückenbogens machten viele Besucher Halt und inspizierten den Bau.
In Höhe des Brückenbogens machten viele Besucher Halt und inspizierten den Bau.
Unterquert wurde die Brücke von Dampfern und kleineren Booten.
Unterquert wurde die Brücke von Dampfern und kleineren Booten.

Alte Motive und neue Perspektiven

Die Kuppeln von Frauenkirche und Kunsthochschule sind von jedem Dresdner wohl schon fotografiert worden. Doch die Perspektive von der Waldschlößchenbrücke ist neu.
Die Kuppeln von Frauenkirche und Kunsthochschule sind von jedem Dresdner wohl schon fotografiert worden. Doch die Perspektive von der Waldschlößchenbrücke ist neu.
So auch der Blick über die nun geöffnete Brücke ...
So auch der Blick über die nun geöffnete Brücke ...
Während der Eröffnungsfeier am Wochenende standen Besucher auf der Waldschlößchenbrücke, während darunter das Dampfschiff "Leipzig" durchfuhr.
Während der Eröffnungsfeier am Wochenende standen Besucher auf der Waldschlößchenbrücke, während darunter das Dampfschiff "Leipzig" durchfuhr.
Für zwei Tage ist die Waldschlößchenbrücke in fester Hand von Fußgängern. Bevor ab Montag Autos drüber fahren dürfen, kann das Bauwerk bis in die kleinsten Winkel von Besuchen beäugt werden.
Für zwei Tage ist die Waldschlößchenbrücke in fester Hand von Fußgängern. Bevor ab Montag Autos drüber fahren dürfen, kann das Bauwerk bis in die kleinsten Winkel von Besuchen beäugt werden.
In die Luft wird nicht jeder gleich kommen. Von oben sieht das Elbtal mit der Brücke jedoch so aus.
In die Luft wird nicht jeder gleich kommen. Von oben sieht das Elbtal mit der Brücke jedoch so aus.
So sieht es aus, wenn man mit dem Auto durch den Brückenbogen fährt. SZ-Reporter sind vor der offiziellen Eröffnung schon einmal dort unterwegs gewesen.
So sieht es aus, wenn man mit dem Auto durch den Brückenbogen fährt. SZ-Reporter sind vor der offiziellen Eröffnung schon einmal dort unterwegs gewesen.
Diese Geräte haben auch eine neue Perspektive und suchen nach Motiven. Die Blitzer sind nachtaktiv, wenn Autos schneller als 30 km/h fahren. Tagsüber blitzt es bei Tempo 50 km/h.
Diese Geräte haben auch eine neue Perspektive und suchen nach Motiven. Die Blitzer sind nachtaktiv, wenn Autos schneller als 30 km/h fahren. Tagsüber blitzt es bei Tempo 50 km/h.
Am 15. August war die Brücke erstmals beleuchtet. Seither gibt sie bei Nacht dieses Bild ab.
Am 15. August war die Brücke erstmals beleuchtet. Seither gibt sie bei Nacht dieses Bild ab.
Wer die Kamera auf dem Geländer der Waldschlößchenbrücke ablegt, kann dieses neue Panorama festhalten.
Wer die Kamera auf dem Geländer der Waldschlößchenbrücke ablegt, kann dieses neue Panorama festhalten.
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Am Sonnabend um 10.32 Uhr war es für die ersten gut 6.000 Besucher so weit: Sie strömten von der Altstädter auf die Neustädter Seite. Zuvor hatten Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (beide CDU) mit dem traditionellen Schnitt durchs Band die Waldschlößchenbrücke offiziell eröffnet. „Was wir hier sehen, ist eine ganz normale, wunderbare Stadtbrücke“, sagte Helma Orosz.

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Untrennbar mit der Brücke verbunden und auch zur Eröffnung Thema ist der Verlust des Titels für das Dresdner Elbtal als Unesco-Weltkulturerbe. „Der Verlust des Welterbetitels hat – egal wie man zur Brücke selbst steht – uns alle geschmerzt. Doch eines steht für mich nach der Fertigstellung der Brücke fest: Das Dresdner Elbtal ist welterbewürdig“, sagte Helma Orosz.

Ministerpräsident Tillich sprach vom „Mut zur Brücke“ der Dresdner. „Sie haben Pragmatismus bewiesen in einer Stadt am Fluss, wo Menschen den Weg über eben diesen suchen und brauchen.“

Eigentlich als Vertreter des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer erschienen, nutzte dessen Staatssekretär Jan Mücke die Eröffnung für eine persönliche Abrechnung mit der Unesco und Brückenkritikern. „Dresden wegen der Waldschlößchenbrücke von der Welterbeliste zu streichen, war die offensichtlichste und peinlichste Fehlentscheidung, die das Unesco-Welterbekomitee je getroffen hat“, erklärte der Dresdner FDP-Politiker. Er bezeichnete Brückengegner als „selbst ernannte Umweltschützer“ und warf ihnen Arroganz und Besserwisserei vor.

Die Besucher wollten an diesem Wochenende diese Diskussionen nicht wieder aufnehmen. Allein am Sonnabend kamen 95.000 Schaulustige. Sie erlebten bei der SZ-Entdeckertour 130 Künstler, die auf und rund um die Brücke für Unterhaltung sorgten. Trotz des enormen Andrangs blieb ein Verkehrschaos aus, da die Besucher überwiegend mit den zahlreichen zusätzlichen Bussen und Bahnen kamen, zog Stadtsprecher Kai Schulz am Sonntag eine positive Festbilanz.

Nach sechs Jahren Bauzeit sollten am frühen Montagmorgen die ersten Autos über das 180 Millionen Euro teure Bauwerk fahren. Für heute wird nach dem überwältigenden Interesse am Wochenende nun auch mit Staus an der Brücke gerechnet.