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Quer auf der Elbe

© Claudia Hübschmann

Am Knorre-Felsen stranden immer wieder Schiffe – so wie am Mittwoch ein Schubverband aus Decin.

Von Udo Lemke

Meißen. Es gab ein Geräusch „und plötzlich haben die Gläser in der Vitrine gewackelt“, erzählt Heidi Imhof. Ihr Haus steht am Hang, „Am Knorrberg“. „Ich dachte, es ist ein Unfall auf der Straße.“

Es war ein Unfall, aber nicht auf der Straße, sondern etwa 300 Meter entfernt in der Elbe, direkt unterhalb des Knorre-Felsens. Dort sitzt jetzt ein Teil eines Schubverbandes auf. Er besteht aus dem Schubschiff und einem sogenannten Leichter, also einem antriebslosen Frachter, der beladen werden kann. Als Heimathafen steht Decin an der Bordwand. Und dort ist auch zu lesen, dass der Leichter 35,4 Meter lang ist. Der zweite der beiden Leichter, die zu dem Verband gehören, knapp 71 Meter lang, ist am gegenüberliegenden Ufer verankert.

Was ist passiert? Der Schubverband hat, von Dresden kommend, Meißen passiert und ist am Elbebogen nach dem Winterhafen zu weit nach rechts Richtung Knorre-Felsen gekommen und dort auf Grund gelaufen. „Und dann hat es ihn quer über den Fluss gedrückt“, sagt Eckard Zscherper. Er wohnt an der Elbtalstraße, direkt am elbseitigen Teil des Knorre-Felsens. „Meinem Großvater hat der Gasthof Knorre bis 1956 gehört, meine Eltern haben ihn 1972 verkauft.“

Der Schubverband aus dem kurzen und dem langen Leichter und dem Schubschiff lag also quer über der Elbe. Dann hätte die aus drei Mann bestehende tschechische Besatzung den langen Leichter abgekoppelt, ans linke Elbufer geschoben und dort verankert, so Eckard Zscherper.

Nun hat das Schubschiff am kürzeren Leichter festgemacht, der auf dem Felsen aufsitzt. Die Männer machen das Schubschiff fest und holen den Anker des Leichters ein. Dann gibt das Schubschiff Gas und mit einem lauten Knarren löst sich der Leichter vom Felsen. Das Schubschiff zieht den Leichter weg und zwei große Steine werden sichtbar. Hier hat er aufgesessen.

„Das Glück ist, dass die nichts geladen haben“, erklärt Eckard Zscherper. Und in der Tat geht die Tiefgangsmarke an der Bordwand des Leichters 2,30 Meter möglichen Tiefgang an, aber die Elbe geht nur bis etwa 65 Zentimeter. „Der Verband wollte in Riesa Getreide laden“, sagt Matthias Made von der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH. Zu ihnen gehören die tschechischen Elbehäfen Lovosice, Decin und die deutschen Dresden, Riesa, Torgau und Roßlau. Und er macht auf eine aktuelle Schwierigkeit für die Elbeschifffahrt aufmerksam: „Wegen des Eisgangs musste die Betonnung entfernt werden, sodass es möglich ist, dass der Verband auch deshalb aus der Fahrrinne geraten ist. Hinzu kommt, dass die Elbe aktuell einen relativ niedrigen Wasserstand hat.“ Für Matthias Made zählt der Knorre-Felsen zu den berüchtigten Stellen für die Elbeschifffahrt. Zuletzt war im Juli 2009 an der gleichen Stelle ein voll mit Dünger beladener tschechischer Schubverband auf Grund gelaufen. Weil er anders nicht wieder frei zu bekommen gewesen wäre, mussten die Leichter damals mühsam entladen werden.

Diesmal geht es glimpflicher ab. „Gegen 10.30 Uhr ist der Verband auf Grund gelaufen und jetzt ist es 11.54 Uhr und er ist wieder frei“, sagt Eckard Zscherper. Und auch Heidi Imhof sagt anerkennend: „Gut, die Jungs, sie haben es wieder hingekriegt, Hut ab!“

Schnell entschwindet das Schubschiff den Blicken. Es hat beide Leichter längsseits neben einander festgemacht und zieht sie Richtung Hafen Riesa.