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Auf nach China

Eine Gruppe von Meißner Porzellankünstlern reist ins Land der Mitte. Der Markt für ihre Kunstwerke ist riesig.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Meißen. Die Spannung steigt. In wenigen Tagen gehen die Meißner Porzellankünstler Andreas Ehret (58) und Gudrun Gaube (56) auf große Reise. Ziel ihres Trips ist kein geringeres als das Mutterland des Porzellans. „Wir fliegen am 15. Oktober für zwei Wochen nach China und nehmen in Jingdezhen an einer großen Porzellanmesse teil“, sagt Ehret.

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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt. Im wunderschönen Elbland kann man Genuss mit allen Sinnen erleben.

Vor Ort wollen sie sich mit Künstlern austauschen und wirtschaftliche Kontakte knüpfen. „In China wird die ursprüngliche Handwerkstradition noch gepflegt, während bei uns alles recht industriell geworden ist“, sagt Ehret und fügt an: „Außerdem hat Porzellan in der Gesellschaft einen anderen Stellenwert. Häufig finden sich in öffentlichen Gebäuden große Vasen oder Bilder aus Porzellan.“ Gudrun Gaube würde sich so etwas auch in Meißen wünschen. „Als Porzellanstadt wäre es ebenfalls schön, wenn es beispielsweise an bestimmten Stellen einen Papierkorb oder einen Laternenmast aus Porzellan geben würde.“

Doch obwohl China in puncto Porzellan in vielen Bereichen die Nase vorn hat, existieren auch Dinge, die es nur in Meißen zu entdecken gibt. Genau deshalb stoßen die Künstler aus Deutschland im Land der Mitte auch auf ein so großes Interesse, wie sie schon bei einem Besuch im vergangenen Jahr festgestellt haben.

„Unter anderem sind meine kleinen Porzellanhunde sehr beliebt. Die Chinesen verschenken sie gern zum Neujahrsfest“, sagt Ehret. Ähnlich ist das auch bei den mit Fischbildern bemalten Wandtellern von Gudrun Gaube. „Es handelt sich dabei um eine Kombination von Auf- und Unterglasurmalerei“, sagt sie.

Für diese Kunst „Made in Germany“, für die Liebhaber beim Kauf Tausende Euro bezahlen, existiert in China ein Markt, der sich sehen lassen kann. „300 Millionen Chinesen zählen mittlerweile zur gehobenen Mittelschicht. Und diese hat einen enormen Bedarf an Luxusartikeln und Kunst“, so Ehret. Bevor er und seine Mitstreiter im Fernen Osten jedoch Geld verdienen können, müssen sie erst einmal investieren. „Wir haben die Reisekosten finanziert sowie für den Versand unserer Kunstwerke etwa 2000 Euro ausgegeben“, sagt Ehret. Bereits Anfang September wurden 40 Stücke von ihnen sowie von den ebenfalls zur Meißner Delegation gehörenden Silvia Klöde und Viola Merzdorf losgeschickt.

„Wir brauchten dafür zwei jeweils einen Kubikmeter große Kisten“, berichtet Ehret, dem vor allem die Dimensionen gefallen, in denen das Porzellan in China präsentiert wird. „Bei unserem Aufenthalt im Vorjahr waren wir in einem Porzellan-Museum, das über eine Art Porzellan-Erlebnispark verfügte.“ Den Handwerkern und Künstlern habe man dort bei den einzelnen Arbeitsschritten über die Schulter schauen und so den gesamten Prozess nachvollziehen können, so Ehret, der in Meißen im kleineren Maßstab ähnliche Aktivitäten für sinnvoll hält, stattdessen aber mit den Schwankungen der Touristenzahlen zu kämpfen hat. „Unser Schicksal als Porzellan-Künstler hängt eng mit der Manufaktur zusammen. Wenn dort weniger Touristen hinkommen, spüren wir das auch“, sagt er.

Damit sich das ändert und sich die internationalen Kontakte der Künstler auch für die Stadt lohnen, könnte sich Gaube auch eine Städtepartnerschaft mit dem als Porzellanmekka geltenden Jingdezhen vorstellen. „In China gibt es durchaus Interesse, allerdings ist unser Oberbürgermeister bei diesem Thema noch zurückhaltend.“ Andreas Ehret ergänzt: „Vielleicht ist es auch besser, zunächst freundschaftliche Kontakte aufzubauen.“

Ehret und Gaube gehen dabei mit gutem Beispiel voran. Seitdem vor anderthalb Jahren die China-Wirtschaftsberatung von Dr. Werner Birnstiel aus Berlin auf sie zugekommen ist, um neben den wirtschaftlichen Kontakten nach China auch die kulturellen zu vertiefen, haben sie enge Bande zu dem Künstler Baiyi geknüpft.

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Der Austausch mit China ist aber keine Einbahnstraße, sondern eine Chance für die Porzellan-Manufaktur, meint SZ-Redakteur Marcus Herrmann.

„Er hat sein Atelier in Jingdezhen in einem ehemaligen Fabrikgelände, wo er überlebensgroße Plastiken aus Bronze sowie Werke aus Porzellan anfertigt.“ Er habe sie voriges Jahr freundlich betreut und werde auch jetzt mit ihnen am Stand in der Messe präsent sein, so Ehret.