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Bautzen

Auf Pücklers Spuren

Eine Studentin aus Berlin nähert sich dem „Grünen Fürsten“ auf neue Weise. Die Mättig-Stiftung hilft mit einem Stipendium.

Nach dem Gottesdienst am Sonntag im Petridom erhielt Freya Schwachenwald das Mättig-Stipendium in Höhe von 1 200 Euro.
Nach dem Gottesdienst am Sonntag im Petridom erhielt Freya Schwachenwald das Mättig-Stipendium in Höhe von 1 200 Euro. © Carmen Schumann

Bautzen. Es soll ja Leute geben, die kennen den Namen des Fürsten Pückler nur im Zusammenhang mit dem Pückler-Eis, einer dreifarbigen Köstlichkeit. Die 25-jährige Freya Schwachenwald weiß mehr über Hermann von Pückler-Muskau. Denn sie reichte ihre Masterarbeit an der Universität Heidelberg zum Thema „Ökologie, Sklaverei und Eiscreme – eine transkulturelle Kunstgeschichte des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau“ ein.

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Mit dieser Forschungsarbeit bewarb sie sich um das Mättig-Stipendium, das die 2007 gegründete Mättig-Stiftung alle zwei Jahre vergibt, um junge Leute zu unterstützen, die sich mit regionalgeschichtlich bedeutsamen Themen beschäftigen. In einem Festgottesdienst, der dem Andenken des am 25. September 1585 in Bautzen geborenen Mäzens und Ratsherrn Dr. Gregorius Mättig gewidmet war, wurde am Sonntag das Mättig-Stipendium an Freya Schwachenwald vergeben. 

Mit Pückler schließt sich ein Kreis

Der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Uwe Koch verspricht sich von der Fortführung der Forschungsarbeit der Preisträgerin weitere neue Erkenntnisse, die nicht nur für die Region, sondern auch darüber hinaus bedeutsam sind. Wie er sagte, war 2007, bei der Wiedergründung der Mättig-Stiftung, Graf Hermann Pückler, ein Nachfahre des berühmten „grünen Fürsten“ mit zugegen. Deshalb sei es ein guter Tag für die Stiftung, wie auch für die Stipendiatin, weil sich somit ein Kreis schließt. 

Der Namensgeber der Mättig-Stiftung hatte sein Vermögen gestiftet, um jungen Leuten ein Studium oder einen Schulbesuch zu ermöglichen. Die Stiftung bestand fast 300 Jahre und unterstützte mehr als 1.000 junge Bautzener. Das erste Mättig-Stipendium der neuen Zeitrechnung wurde 2009 vergeben. Seither kamen zehn Stipendiaten in den Genuss der Finanzspritze. Dr. Uwe Koch erhofft sich, dass der Kreis der Mättig-Stipendiaten die Verbindung zur Region aufrecht erhält und weiterträgt.

Den Nachruhm stets im Blick

Freya Schwachenwald, die in Lübeck aufgewachsen ist und jetzt in Berlin lebt, erhielt für ihre Bemühungen um den deutsch-französischen Kulturaustausch und ihre Aktivitäten, junge Leser an die Literatur heranzuführen, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sie freute sich sehr über das Mättig-Stipendium in Höhe von 1.200 Euro, das sie zum einen dafür verwenden will, um ihre Masterarbeit zu publizieren. Zum anderen möchte sie aber weiter zu Pückler forschen, um damit zu promovieren. 

Wie sie sagt, wurde über ihn bereits viel Biografisches vorgelegt. Was sie aber besonders interessiert, ist der historische Kontext, in dem der grüne Fürst in den verschiedenen Zeitepochen gesehen und interpretiert wurde und welche Mechanismen sich dahinter verbergen. Um diesen Mechanismen auf die Spur zu kommen, wird sie im Pückler-Archiv in Branitz weiterforschen, aber auch in verschiedenen Bibliotheken. 

Spannend seien dabei seine Briefsammlungen, die auf sein eigenes Betreiben zusammengestellt wurden. Pückler habe nämlich, was seinen Nachruhm betrifft, nichts dem Zufall überlassen und gegebenenfalls auch Dokumente, deren Inhalt ihm nicht genehm war, vernichtet.

Auf Pückler gestoßen ist Freya Schwachenwald eher auf Umwegen, wie sie sagt. Bei ihrem Studium in Yale hatte sie sich zunächst mit britischen Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts beschäftigt. Dabei war ihr aufgefallen, dass der Fürst einer der großen Reisenden seines Zeitalters war, der sich auch mit Kunst auseinandersetzte.