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Auf Rattenjagd im Kellergang

Mike Tralles befreit Küchen von Schaben und Betten von Wanzen. Ganz frei von Ekel ist der Kammerjäger jedoch nicht.

© Sven Ellger

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Mein Arsenal zur Wanzen-, Ratten- und Wespenbekämpfung. Die Packliste im Kinderspiel könnte Mike Tralles noch um etliche unerlässliche Dinge erweitern. Dabei steigt der 40-Jährige im Urlaub nicht etwa in üblen Spelunken ab. Trotzdem hat er schon eine Menge gesehen und ist argwöhnisch – auch wenn er nichts sieht.

Vor allem aber will er selbst nicht gesehen werden. Mike Tralles ist Kammerjäger und ein Besucher, der lieber durch die Hintertür ins Haus kommt. Selbst in bessere Häuser. Das lässt den Schädlingsbekämpfer so vorsorglich sein, wenn er selbst mal plant, in einem fremden Bett zu schlafen. Seine Ausrüstung hat er immer dabei. Denn: „Bettwanzen gibt es in fast jedem zweiten Hotel“, sagt er.

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Sächsische Wespen leben lassen

Dieser Befall habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nicht nur Reisende bringen die Blutsauger aus aller Welt mit, vor allem kommen sie auf den Handelswegen ins Land. Deshalb lässt Mike Tralles seine prüfenden Blicke auch privat unter die Matratzen schweifen, ganz gleich ob er in einer Pension oder in einem Vier-Sterne-Haus nächtigt. Meistens jedoch tut er das, weil er beruflich unterwegs ist.

Der Experte fürs Ableben unliebsamer Gäste, reist mit seinem Transporter durch ganz Sachsen. Dem Auto ist äußerlich nichts von seiner tödlichen Fracht anzusehen. Keine Firmenwerbung weist auf den Zweck seines Einsatzes hin. „In Amerika werben Hotels und öffentliche Einrichtungen sogar damit, dass sie sich regelmäßig von einem Schädlingsbekämpfer kontrollieren lassen.“

In Deutschland schämt man sich eher dafür und lotst Mike Tralles und seine Kollegen heimlich an ihre Arbeitsplätze. Die hat sich zumindest der Chef der Firma „Destra Schädlingsbekämpfung“ selbst ausgesucht. „Ich habe einen Beruf, den sich kaum einer wünscht, der mir aber unglaublich viel Spaß macht“, sagt er. Schließlich seien alle Kunden dankbar für seine Hilfe.

„Endlich kommt einer“, diesen Stoßseufzer habe er schon oft gehört – einer, der die Wohnung, die Großküche, das Hotelzimmer oder den Keller von Ungeziefer befreit. Mit den verschiedensten Menschen hat Tralles zu tun: arm, reich, reinlich oder schmuddelig. Vielbeinige Untermieter machen nicht zwingend vor vergoldeten Scheuerleisten halt.

Durch einen Bekannten war der gelernte Kfz-Mechaniker einst auf den Beruf aufmerksam geworden und ließ sich schließlich auch zum Schädlingsbekämpfer ausbilden. Nun ist er seit 15 Jahren dabei. In der Zeit hat Mike Tralles schon jede Menge Wanzen, Schaben, Wespen und Flöhe ausgeräuchert, oder besser gesagt ins Schwitzen gebracht. „Wanzen zum Beispiel beseitige ich, indem ich den befallenen Raum auf 70 Grad Lufttemperatur bringe“, erklärt er. Dafür bringe er spezielle Heizer mit. Für jedes Getier hat Tralles seine Methode, ganz gleich ob seine Kunden über Motten, Silberfischchen, Holzwürmer oder Ameisen klagen. Auch zu Wespennestern rufen sie ihn, die muss er sich dann ganz genau ansehen. „Nur die Deutsche Wespe dürfen wir töten, die Sächsische Wespe muss geschützt bleiben.“

Schutzlos hingegen sind Ratten und Mäuse dem Rattenfänger ausgesetzt. Verzweifelte Anrufe erreichen ihn aus Wohnungsgenossenschaften, Verwaltungen, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen. Dort rückt der Kammerjäger den Nagern mit Gift, Gas oder Fallen zu Leibe. Zu rund 200 Einsätzen allein in Dresden fuhren Mike Tralles und seine Kollegen. Nur knapp ein halbes Jahr braucht ein Rattenpärchen, um eine ganze Großfamilie von rund 50 Tieren zu gründen, und die will wohl keiner in seinem Keller wohnen haben. Genau so wenig wie Marder auf dem Dachboden, wo sie schlafraubend nachtaktiv sind und übelriechende Tierkadaver und Exkremente hinterlassen. Auch Tauben verjagt Mike Tralles von Dächern, Fenstersimsen, Balkonbrüstungen und Brücken. Sie sind wie die Nager die größten Störenfriede, denen sich Mike Tralles in aller Regel annimmt.

Mundschutz für Messiewohnungen

Auch gegen winzig kleine Plagen hat Mike Tralles seine Rezepte. Zum Repertoire eines Schädlingsbekämpfers gehört zum Beispiel die Schimmelbeseitigung. „Wenn wir Keller oder Wohnungen trockenlegen sollen, machen wir keine halben Sachen“, sagt er. Höre er schon heraus, dass Hausbesitzern die nötige Technik und der Strom dafür zu teuer ist, nehme er den Auftrag gar nicht erst an. „Dann bleibt womöglich eine Restfeuchte und der Schimmel ist kurze Zeit später wieder da. Das würde auf uns zurückfallen.“

Ekel kennt Mike Tralles nicht. Das Ungeziefer gehört zu seinem Alltag. Doch auch der bietet gelegentlich nicht alltägliches: „Messiewohnungen und Leichenfunde sind am schlimmsten“, sagt Tralles, den sonst nichts umwirft. Seine Schutzausrüstung aus Ganzkörperanzug, Füßlingen oder Gummistiefeln und Mundschutz ist besonders dann unerlässlich. Damit hält er sich Keime und die Chemie vom Leib, mit der er Krabbeltieren den Garaus macht, während anderenorts schon die nächsten siedeln. Schädlingsbekämpfung ist ein todsicheres Geschäft.

www.schaedlingsbekaempfung-dresden.de