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Auf Rollen den Ski-Hang hinab

Grasski hat das Zeug zur Trendsportart. Ein Teilnehmer, der jetzt in Nossen startet, gehört zur europäischen Spitze.

© privat

Von Marcus Herrmann

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Nossen. Mitte der 1990er Jahr erlebte das Skifahren auf Gras seine Blütezeit. Damals habe es in vielen Bundesländern Ausscheide mit den besten Fahrern gegeben, die sich anschließend für den Deutschland-Pokal qualifizierten. Das sagt Axel Herrmann, Karosseriespezialist und Werkstattbetreiber in Nossen-Deutschenbora. Seit etwa drei Jahren beschäftigt sich der 41-Jährige intensiv mit der Sportart „Grasski“. Solange fährt sein Sohn Elias nämlich schon Ski auf grünem Untergrund.

Mit seinen 15 Jahren gehört er bereits zu den Top-Fahrern in Deutschland, hat vor Kurzem seinen ersten internationalen Titel bei einem Grasski-Rennen in der Schweiz gewonnen. Am Sonnabendnachmittag startet er als einer von zehn bis zwölf Fahrern beim Grasski-Event des Nossener Ski-Clubs in der Rodigtschlucht. „Da sind die Besten aus Sachsen mit dabei. Außer ihnen gibt es vielleicht noch knapp 20 gute Fahrer in Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen“, sagt Axel Herrmann. Für mehr sei die Sportart zurzeit noch zu sehr „Nische“. Heute gibt es nur noch wenige Wertungswettkämpfe in Deutschland, kaum Vereine, in denen der Sport betrieben wird. Der vor 30 Jahren recht populäre Deutschland-Pokal besteht nur noch aus drei Wettkämpfen an unterschiedlichen Orten. In diesem Jahr ist er sogar ganz ausgefallen.

Wer den Sport aber betreibt, sagt Herrmann, merkt schnell, wie interessant er ist. Da wäre zum einen der Adrenalin-Faktor, der auch Elias Herrmann in seinen Bann gezogen hat. Denn beim Grasski-Riesenslalom geht es mit etwa 50 km/h bergab, bei freier Abfahrt sogar mit zu 80 km/h. Dann wäre da noch der technische Anspruch. „Wer gut Ski fahren kann, ist nicht unbedingt ein guter Grasskifahrer. Aber wer einigermaßen souverän den Gras-Hang runter kommt, der kann auch Ski fahren“, sagt der Karosserie-Experte.

Denn bei der Sportart, die am besten auf kurzem, dichten Rasen oder Gras durchgeführt wird, fällt die Möglichkeit des beim herkömmlichen Skifahren üblichen Driftens weg. Gesteuert oder gebremst werden kann hier durch den sogenannten „gedrifteten Schwung“ so gut wie gar nicht. „Die Fahrer müssen sich deshalb auf den geschnittenen Schwung konzentrieren und diesen einwandfrei beherrschen, sonst stürzen sie schnell hin“, erklärt Herrmann. Diese Art und Weise des Fahrens, bei der Druck auf die Kanten der Skier ausgeübt wird, um in Kurven die Geschwindigkeit nicht zu verlieren, ist in der Alpinistik eine wesentliche Technik. Nur Fortgeschrittene beherrschen sie perfekt. „Deshalb bekommen die Nossener am Sonnabend auch wirklich technisch gute Fahrer zu sehen“, sagt Herrmann.

Ein weiterer Vorteil des Grasskifahrens liegt nahe. „Ich brauche keinen Schnee, um zu trainieren“, sagt der 15-jährige Elias. Das Nachwuchstalent hatte mit dem Sport ursprünglich begonnen, um sich in der schneelosen Zeit für Wettkämpfe im Winter fit zu machen. Heute stellt das Grasskifahren mehr als nur eine Alternative für ihn dar. Auch bei Regen gebe es keine Probleme. Ganz im Gegenteil: „Dann lässt es sich teilweise noch besser fahren“, so der Sportler. Obwohl die Grasskifahrer eigentlich mehr rollen als fahren.

Denn sie stehen auf einer festen Metallschiene, an der Rollen angebracht sind, die sich wiederum durch einen rotierenden Gurt in Bewegung setzen und so für den Antrieb sorgen. Für den nötigen Grip sind Kunststoffblättchen an den auf dem Rasen anliegenden Gurten angebracht. „Ein paar Skier kosten zwischen 400 und 450 Euro. Sie sind nur 80 Zentimeter bis knapp einen Meter lang. Ansonsten entspricht das Equipment eins zu eins dem des normalen Skifahrens“, sagt Axel Herrmann.

Bei dem Event am Sonnabend sieht er auch eine Chance für den zum SV Lok Nossen gehörenden Ski-Club. „Im Winter fehlt den Mitgliedern ja immer häufiger der Schnee. Darum wäre die Alternative Grasski langfristig sicher begrüßenswert. Ich bin sicher, dass es das Potenzial zum Trendsport hat“, so Herrmann.

Voll im Trend liegt das Spektakel heute vor allem in schneearmen Regionen im Nahen Osten oder Asien. In Europa ist der Sport in der Schweiz, Österreich oder Italien beliebt. Deshalb ist Elias Herrmann vom Frühjahr bis zum Spätherbst viel unterwegs, trifft bei Wettkämpfen auf internationale Konkurrenz. Im nächsten Jahr will er erstmals im Weltcup starten. Doch bevor er sein Können im Ausland zeigt, kommt er zunächst nach Nossen.

Grasski-Gleichmäßigkeitsrennen Skigelände Nossen (Rodigtschlucht), 22. Oktober ab 10 Uhr.

Wer sich am Sonnabend vor dem Rennen (14 Uhr) selbst ausprobieren will, sollte Skistöcke, einen Helm und Skischuhe dabei haben.