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Auf Streife mit den Spielplatzcops

Obdachlose, Wildpinkler und trinkende Jugendliche sorgen für Ärger. Ein Job für diese Männer vom Dresdner Ordnungsamt.

© René Meinig

Von Julia Vollmer

Aus dem Augenwinkel erspäht er die Frau mit der Bierflasche in der Hand. Sie sitzt versteckt hinter dem Gebüsch – mit ihrem Hund. Doch dem geübten Blick von Marcel Langenbacher entgeht sie nicht. Alkohol trinken auf öffentlichen Spielplätzen ist nicht erlaubt, Hunde auch nicht. Viele halten sich trotzdem nicht daran – aus Unwissenheit, aber zum Teil auch ganz bewusst, erzählen Marcel Langenbacher und Benjamin Ferchland. Sie sind Mitarbeiter der besonderen Einsatzgruppe des Ordnungsamtes. Ihre Aufgaben: Kontrolle der Spielplätze und öffentlichen Plätze. Pro Schicht besuchen die 33 Mitarbeiter der besonderen Einsatzgruppe ein oder zwei Stadtteile. Heute stehen Altstadt und Neustadt auf dem Programm.

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Punkt 15 Uhr geht ihr Dienst an diesem Tag los. Erster Einsatzort: der Spielplatz an der Wallstraße unweit der Einkaufsmeile Prager Straße. Die Frau mit Hund und Bier wird verwarnt, beim nächsten Mal müsste sie 50 Euro Bußgeld zahlen. Die Männer kontrollieren, ob sich die Besucher an das Alkohol- und Zigarettenverbot halten. Auch ob Müll oder Glasscherben herumliegen, denn daran könnten sich die Kinder verletzen. Ein großes Problem seien derzeit Obdachlose, die auf den Spielplätzen schlafen, berichten die Männer. Das ist nicht erlaubt.

Körpereinsatz ist gefragt. Sie klettern zur Kontrolle auf die Gerüste am Spielplatz, an diesem Nachmittag finden sie aber niemanden vor. Die Ordnungshüter haben Mitleid mit den Männern und Frauen und doch müssen sie diese wegschicken, wenn dort jemand schläft. Oft seien es die Gleichen, die sie am Tag auf der Prager Straße oder in der Neustadt beim Betteln sehen. Sie schlafen an der Wallstraße oft hoch oben auf dem Klettergerüst, dort ist es geschützt vor dem Regen, und sie sind nicht so leicht zu sehen. 2017 hat das Ordnungsamt 45 aggressive Bettler erwischt, denn auch Betteln mit Anfassen und Ansprechen ist verboten. Oft sind Kinder dabei, in zehn Fällen wurden die Mädchen und Jungen in Obhut genommen.

Die zwei Männer laufen unterdessen noch eine Runde über den Platz an der Wallstraße und steigen dann wieder ins Auto. Weiter geht es. Immer an der Seite von Marcel Langenbacher ist Schäferhund Nick, er sitzt während der Fahrt hinten im Dienstwagen. Er ist ein speziell ausgebildeter Schutzhund. Denn die Einsätze für die beiden Männer können schnell gefährlich werden. Sie tragen Schutzwesten, Schlagstöcke und eine Waffe am Gürtel. Blitzschnell schlägt die Stimmung manchmal um, eine reine Kontrolle wird zur Nervenprobe. Vor allem in den Abendstunden, wenn Alkohol im Spiel ist und die Kontrollierten anfangen zu pöbeln. Im Sommer geht ihre Schicht bis Mitternacht, im Winter bis 22 Uhr.

Nick ist an diesem Tag wachsam wie immer, seine Augen scannen die Umgebung. Kommt jemand seinen beiden „Jungs“ zu nah, knurrt er. Er ist darauf trainiert, mögliche Angreifer zurückzudrängen. Beißen muss er dafür nicht, er trägt Maulkorb. Acht Wochen dauerte Nicks Grundausbildung. Er ist nur auf eine Person geeicht. Auf seinen Hundeführer. Dieser ist sein Chef und bester Freund zugleich. Marcel Langenbacher nimmt ihn am Abend mit nach Hause, die Wochenenden und Urlaube verbringen sie gemeinsam. Dort hat er frei, genauso wie sein Herrchen, doch so ganz gelingt es nicht immer mit dem Abschalten. „Streicheln verboten“ gilt daher für fremde Leute, privat wie im Einsatz.

So auch für die Teenager an der nächsten Station der Spielplatzcops in der Friedrichstadt. Kaum nähern sich Marcel Langenbacher und Benjamin Ferchland der Gruppe, kommt sofort die Frage: „Darf ich den Hund mal anfassen?“. Hier gibt es ein bestimmtes Nein. Die Zigarette in der Hand des einen jungen Mannes ist der Grund, warum die Ordnungshüter die Gruppe ansprechen. Sie prüfen die Ausweispapiere, die Gruppe kommt nicht aus Deutschland. Die Männer warten dafür auf eine Rückmeldung aus der Zentrale. Nach zehn Minuten kommt das Okay. Die Gruppe darf weiter ziehen. Während der Wartezeit gucken sich die Männer um. Inzwischen ist es 19 Uhr, ein Einsatz wartet noch. Die Ordnungshüter müssen dafür auf die andere Elbseite. Wildes Urinieren ist in der Neustadt oft ein Beschwerde-Grund. Nächste Station der Streife deshalb: die Nordbadpassage. Dem Besitzer reichte es, er schließt die Passage nachts zu. Teuer wird es für diejenigen, die die Durchgänge und Spielplätze als Toilette benutzen. Wildpinkeln kann 40 Euro Bußgeld kosten.

Marcel Langenbachers und Benjamin Ferchlands letzte Station an diesem Abend ist der Parkplatz an der Böhmischen Straße. Hier schläft oft ein Obdachloser unter den parkenden Autos und lässt seinen Müll liegen. Nachts wärmt er sich an der noch warmen Luft des Motors, ein gefährliches Unterfangen. Ein Einkaufswagen voller Beutel steht tatsächlich da, von dem Mann fehlt aber jede Spur.