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Auf Tuchfühlung mit der Kunst

Der 35. Grafikmarkt lockte 4.000 Besucher ins Rathaus und Schulgebäude. Was den Markt so besonders macht.

© Norbert Millauer

Die Radebeuler sind Lokalpatrioten. Das weiß vielleicht niemand so gut wie die Künstlerin Lieselotte Finke-Poser. Mit ihren 88 Jahren ist sie noch immer tüchtig, malt und zeichnet fleißig Porträts, Katzenbilder und Ansichten aus Radebeul. Das sind meist herrlich verträumte Landschaften, eine Villa im Herbstbunt, das Spitzhaus im Schnee oder die Weinberge im Sommersonnenglanz. Die betagte Künstlerin lebt seit 1953 in der Lößnitzstadt und hat den Radebeuler Grafikmarkt vor genau 35 Jahren mit ins Leben gerufen. Seither ist sie jedes Mal mit dabei, auch an diesem Wochenende. „Erika Claus vom Kulturbund hatte den ersten Markt organisiert. Damals haben eine Handvoll Künstler aus Radebeul und eine Handvoll Künstler aus anderen Regionen hier im Ratssaal auf Wäscheleinen ihre Kunst aufgehängt“, erinnert sich Finke-Poser. Niemand wusste vor 35 Jahren, ob das funktioniert. Doch den Markt gibt es bis heute und das Interesse der Besucher ist ungebrochen. Rund 4.000 kamen auch an diesem Wochenende wieder in Rathaus und Schule vorbei, um sich die Grafiken und Gemälde von 104 teilnehmenden Künstlern anzuschauen.

Viele Motive auf den über 3.000 Exponaten stammen – wie die von Lieselotte Finke-Poser – aus der Region, da ist die Frauenkirche in Dresden, die Meißner Albrechtsburg, die Radebeuler Weinberge. Doch da sind auch abstrakte Werke bis hin zu Collagen zu finden. „Der Fokus liegt nach wie vor auf Grafiken, aber natürlich sind auch andere Formen auf Papier vertreten“, sagt Karin Gerhardt von der städtischen Galerie.

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Die Preise unterscheiden sich je nach Größe, Technik und Künstler. Kleine Skizzen sind oft schon für 15 Euro zu haben, größere Gemälde wie eine fröhlich bunte Ansicht von Königstein von Christopher Simposon können locker auch 390 Euro kosten. Doch der Grafikmarkt wird von vielen sowieso mehr als Treffpunkt als Verkaufsplatz wahrgenommen. „Viele Leute kommen nur, um sich umzuschauen, nicht jeder trägt gleich ein Bild für 100 Euro mit nach Hause“, sagt Gerhardt. Und dennoch: Nirgendwo kann man so schön auf Tuchfühlung mit der Kunst gehen wie auf diesem Markt in Radebeul, wo die Besucher selber in den Kunstalben blättern dürfen und ganz ungezwungen mit den Künstlern ins Gespräch kommen können. „Es gibt hier keine Schranken. Der Markt ist offen für alle Besucher, ohne Hemmschwelle wie oft in großen Galerien“, findet auch Wolfgang Smy, der seit Jahren als Künstler auf dem Radebeuler Grafikmarkt vertreten ist.

Auch mit ihm und seiner Frau, Karola Smy, entspinnt sich bei Kaffee und Kuchen in dem Künstlercafé im Rathaus schnell ein lockeres, fast freundschaftliches Gespräch über Kunst und Radebeul. Das Café selbst ist dabei ebenso schon Kunst – und Kult zugleich. Jedes Jahr betrieben und gestaltet von einem anderen Künstler, zeichnete dieses Mal die Radebeuler Malerin und Grafikerin Irene Wieland für die Bewirtung der Gäste verantwortlich. Sie servierte hier auch köstliche Süßigkeiten, und das nicht nur für Radebeuler Lokalpatrioten.