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Auf Umwegen in den Supermarkt

© Rafael Sampedro

Fit, Porter und Baumkuchen aus dem Altkreis Löbau-Zittau werden Hunderte Kilometer zum Kunden gefahren – auch wenn sie fast nebenan entstehen.

Von Mario Sefrin

Spülmittel und Waschpulver von fit aus Hirschfelde, Biere aus der Löbauer Bergquell Brauerei, Baumkuchen aus Schlegel: In großen Einkaufsmärkten und kleinen Läden in der Region gibt es sie zu kaufen. Oft liegen dabei Verkaufsort und Produktionsort nur wenige Kilometer auseinander, sodass die Wege vom Fließband ins Verkaufsregal eigentlich kurz sein sollten.

Vom Produktionsband werden die Spülmittel – darunter die bekannte Marke fit – und Waschpulver auf Lastkraftwagen verladen, ... © Matthias Weber
... welche die Produkte dann zu großen Regionallagern der Handelsketten bringen. © SZ

Doch ist das wirklich so? Bei den drei eingangs genannten Beispielen trifft das eigentlich nur auf die Baumkuchen aus Schlegel zu, denn die werden vor allem in der Region verkauft. „Wir haben einen eigenen Transporter, mit dem wir unsere Produkte auf Grundlage der Händlerbestellungen bis in den Raum Dresden und Chemnitz selbst ausliefern“, sagt Sven Friedländer, Geschäftsführer der Original Oberlausitzer Baumkuchen OHG. Dafür hat der kleine Betrieb in dem Zittauer Ortsteil sogar einen eigenen Fahrer, der die Baumkuchen einmal wöchentlich zu den Abnehmern in Sachsen schafft – zu kleinen Läden, wie Bäckereien, ebenso wie zu den Direktlagern großer Handelsketten.

Anders bei der fit GmbH, die in einem anderen Zittauer Ortsteil ihren Firmensitz und Produktionsstandort hat. Die chemischen Produkte aus Hirschfelde legen erst einmal Hunderte Kilometer zurück, bevor sie wieder in die Heimat, in den Raum Löbau-Zittau, und die hiesigen Einkaufsregale zurückkommen. Schließlich sind die an der Neiße hergestellten Spülmittel und Waschpulver deutschlandweit bekannt und werden dementsprechend nachgefragt. Und da es deshalb die fit-Produkte auch in vielen großen Einkaufsmärkten gibt, ist auf dem Unternehmensgelände in Hirschfelde ständig Betrieb. „Die einzelnen Handelsketten, die unsere Produkte verkaufen, sind unterschiedlich organisiert“, teilt fit-Marketingleiter Markus Jahnke mit. „In den meisten Fällen gibt es Regionallager, die die Filialen einer bestimmten Region beliefern. Die Verteilung unserer Produkte übernimmt der Handel mit seiner Bestellung bei uns. Von unserem Werk aus fahren dann meist komplett beladene Lkw die einzelnen Regionallager an“, so Jahnke.

So sind allein für die regionalen Kaufland-Einkaufsmärkte wöchentlich fünf Lastkraftwagen mit sogenannten Ganzladungen – das sind circa 165 Paletten – voll mit fit-Produkten von Hirschfelde ins Verteilzentrum Lübbenau im Spreewald unterwegs, teilt die Supermarkt-Kette mit. Auch die Rewe-Gruppe, zu der unter anderem die Supermarkt-Ketten Rewe und Penny gehören, lässt die fit-Produkte in regionale Lager bringen. Das für die Oberlausitz zuständige Lager befindet sich dabei in Nossen bei Dresden.

Aus Sicht des Hirschfelder Spülmittel-Herstellers macht die Verteilung der Produkte von regionalen Lagern aus Sinn: „Große Verbrauchermärkte haben ein Sortiment von mehreren 10 000 Artikeln“, sagt Jana Groß von der Marketingabteilung des Unternehmens. „Eine direkte Belieferung einzelner Märkte von allen Lieferanten dieser Artikel wäre nicht machbar und weder wirtschaftlich noch ökologisch vertretbar.“

Das sehen auch die großen Handelsketten so: „Unser Ziel ist es, bei den Transporten vom jeweiligen Hersteller Ganzladungen zu ermöglichen, um unsere einzelnen Häuser bedarfsgerecht mit dem breiten Produktspektrum zu versorgen. Darum werden auch die Artikel der Firma fit vom Hersteller über das Verteilzentrum an die Filialen geliefert“, sagt Christine Axtmann von der Presseabteilung der Kaufland Dienstleistung GmbH. Und Stephanie Behrens von der Rewe-Gruppe ergänzt: „Da es die Produkte überall gibt, ist es für uns praktikabel, sie gesammelt über unsere Lager an die einzelnen Märkte zu liefern.“

Auch die Löbauer Bergquell Brauerei muss sich nicht selbst um den Vertrieb der Getränke kümmern – wenngleich in diesem Fall kaum große Regionallager beliefert werden. Für den Vertrieb der Getränke der Löbauer Brauerei ist der Getränkefachgroßhandel verantwortlich, teilt das Unternehmen mit. „Der Großhandel holt unsere Brauspezialitäten direkt an der Rampe auf unserem Firmengelände ab“, sagt Evelyn Klenner, Marketingverantwortliche bei Bergquell. „Wir als Brauerei haben dafür keinen eigenen Lkw-Fuhrpark.“ Der Fachgroßhandel ist dann auch dafür verantwortlich, dass die Löbauer Biere in die einzelnen Getränkemärkte gelangen. Einige Biersorten aus Löbau gehen dafür auf eine weite Reise: „Unsere Porterfamilie gibt es mittlerweile deutschlandweit zu kaufen“, sagt Evelyn Klenner.

Es gibt aber auch einzelne Handelsketten, die das Bier direkt in Löbau abholen, wie die Marketingverantwortliche berichtet. „Netto und Edeka holen das Bier bei uns für ihre Zentrallager ab. Diese Produkte kommen aber nicht mehr in unsere Region zurück, sondern werden zum Beispiel in Berlin oder Brandenburg auf die Getränkemärkte verteilt“, erklärt Evelyn Klenner. In Sachsen ist der Getränkefachgroßhandel dagegen auch Streckenlieferant der Handelsketten, er bringt die Löbauer Biere also direkt zu den einzelnen Filialen.

Ob Direktvertrieb, Lagerlogistik oder Streckenbelieferung: Man darf getrost davon ausgehen, dass bei Herstellern und Händlern genau gerechnet wird, wie die Produkte am kostengünstigsten an die Verbraucher gebracht werden. Wenn sich dabei am Ende geringe Transportkosten ergeben, kommt das auch der Umwelt zugute.