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Radebeul

Auf Vogel-Pirsch

Am Freitag startet wieder die große Mitmachaktion des Nabu. Am Roten Haus kann gemeinsam gezählt werden. Gesucht wird auch ein ganz besonderer Vogel.

Das Foto dieses Hakengimpels entstand in Finnland. Nabu-Experten rechnen damit, dass auch dieser in Deutschland fast noch nie beobachtete Vogel bei der Stunde der Wintervögel an einigen Orten entdeckt werden könnte.
Das Foto dieses Hakengimpels entstand in Finnland. Nabu-Experten rechnen damit, dass auch dieser in Deutschland fast noch nie beobachtete Vogel bei der Stunde der Wintervögel an einigen Orten entdeckt werden könnte. © NABU/C. Moning

Moritzburg. Am Sonnabend lädt Lutz Hennig von der Naturschutzstation Moritzburg Interessierte zur „Stunde der Wintervögel“ ein. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Roten Haus am Dippelsdorfer Teich. Gemeinsam sollen dort alle Vögel gezählt und notiert werden, die innerhalb einer Stunde zu sehen oder zu hören sind.

Die Veranstaltung ist Teil der bundesweiten Mitmachaktion des Nabu, die vom 10. bis zum 12. Januar bereits zum zehnten Mal stattfindet. Besonders spannend wird es dieses Mal, da nach dem zweiten Rekordsommer in Folge die Zählung Aufschluss darüber geben könnte, wie sich Dürre und Hitze auf die heimische Vogelwelt auswirken, heißt es dazu von der Naturschutzvereinigung. Dabei gilt: Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse.

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Große Sorgen macht den Nabu-Vogelexperten die Amsel. Sie fuhr mit nur 2,67 Vögeln pro Garten – 2,53 pro sächsischem Garten – bei der Stunde der Wintervögel 2019 ihr bisher schlechtestes Ergebnis ein.

 „Der sehr trockene Juli 2018 war schlecht für das Überleben der Jungvögel, da die Amseln kaum Regenwürmer finden konnten“, erläutert Lars Lachmann, Nabu-Vogelschutzexperte. „Doch der Hauptgrund dürfte die im Sommer 2018 grassierende Usutu-Epidemie sein.“ 

Ein weiteres Sorgenkind ist der Grünfink, dessen Bestände seit der ersten Zählung kontinuierlich abnehmen. Da die Art sehr standorttreu ist, spielt Zu- und Wegzug bei diesen Finken keine Rolle. Mit 1,7 Vögeln pro Garten in Sachsen verzeichnete der Grünfink im Vorjahr einen neuen Negativrekord – von 2011 bis 2013 wurden jeweils noch rund vier Exemplare pro Garten gezählt.

Die Experten des Nabu vermuten neben Veränderungen in der Landwirtschaft, die immer weniger Erntereste und Wildblumensamen für den Grünfink bereithält, eine Infektion mit einem einzelligen Parasiten, der an sommerlichen Vogelfutterstellen verbreitet wird und besonders Grünfinken befällt, als Hauptursache des anhaltenden Rückgangs.

„An Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion kann sich jeder beteiligen und eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und anschließend dem Nabu melden“, erklärt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des Nabu Sachsen.

 „Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist.“ Die Beobachtungen können unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 20. Januar gemeldet werden. Dort findet man auch Infos und Tipps für das richtige Zählen. Zudem ist für telefonische Meldungen am 11. und 12. Januar, jeweils von 10 bis 18 Uhr, die kostenlose Rufnummer 0800 1157115 geschaltet.

Gespannt sind die Experten vom Nabu auch auf Meldungen zum Eichelhäher. Im Herbst hatte es einen massiven Einflug dieser Art nach Deutschland und Mitteleuropa gegeben. Im September waren es mehr als zehnmal so viele Vögel wie jeweils im gleichen Monat der vergangenen sieben Jahre.

Im Oktober registrierten Vogelzugzählstationen sogar 16-mal so viele Eichelhäher. Ähnlich hohe Zahlen gab es zuletzt 1978. Als Grund vermuten die Ornithologen, dass es 2018 in Nordosteuropa eine sogenannte Eichelvollmast gab, also besonders viele Eicheln herangereift sind. So konnten deutlich mehr Eichelhäher den vergangenen Winter überleben und in diesem Jahr brüten. 

Viele dieser Vögel sind nun zu uns gezogen, weil in ihren Herkunftsgebieten nicht mehr genug Nahrung für alle Vögel vorhanden ist. Seit die Eichelhäher nicht mehr aktiv wandern, scheinen sie jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Das Zählwochenende könnte zeigen, wo diese Vögel geblieben sind.

Vielleicht kann bei der „Stunde der Wintervögel“ sogar der in Deutschland fast noch nie beobachtete Hakengimpel entdeckt werden. Dieser kernbeißergroße Finkenvogel aus der nördlichen Taigazone wurde im Herbst vermehrt weit südlich seines normalen Vorkommens im südlichen Skandinavien beobachtet. 

Besonders in Gärten mit früchtetragenden Vogelbeerbäumen könnten diese Vögel mit ihren typischen weißen Flügelstreifen auftreten, heißt es vom Nabu. (SZ/gör)

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