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Auf zu Netto!

Der Discounter ist nun auch in Schlottwitz präsent. Zur Eröffnung sind aber nur wenige Kunden gekommen.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Schlottwitz. Es ist kurz vor 7 Uhr. Michael Worlitzsch steht geduldig vor dem neuen Netto-Markt, der in wenigen Minuten öffnen wird. „Ich bin froh, dass er gebaut wurde“, sagt der Schlottwitzer, der im Wohngebiet auf der anderen Seite der Müglitztalstraße wohnt. Dann öffnet der Laden. Weil Michael Worlitzsch der Erste ist, wird er persönlich von der Gebietsleiterin des Unternehmens begrüßt. Er erhält einen Blumenstrauß. Dann steuert er seinen Wagen durch den 770 Quadratmeter großen Markt. Der ähnelt den Netto-Märkten in Bannewitz und Schmiedeberg.

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Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

Die Gänge sind breit, das Sortiment so sortiert, dass jeder Kunde relativ schnell sein gesuchtes Produkt findet. Michael Worlitzsch wird schnell fündig. Er hat die vollautomatische Kaffeemaschine gesucht, die es heute besonders günstig gibt. Eine Verkäuferin, die noch etwas nervös durch die Gänge eilt, gibt ihm den Tipp, dass es Reinigungsmittel und Kapseln kostenlos dazugibt. Außerdem gewährt Netto noch einen Abschlag von zehn Prozent. Den gibt es in dieser Woche auf alles. Allerdings lockte dieses Angebot am Dienstag wenig Kunden an, zeitig zu kommen. Hinter Michael Worlitzsch hatten sich nur zehn andere angestellt, um bei der Eröffnung live dabei zu sein. Die lief so glanzlos ab, wie es Bauherr Hartmut Grimmer von der Firma IVG Grimmer Entwicklungs- und Bauträger GmbH vorhergesagt hatte. Auf eine Feier wurde verzichtet, weil Ferienzeit ist. Das mag auch der Grund sein, weshalb der Andrang so verhalten war, mutmaßt die Netto-Gebietsleiterin, die den Mitarbeitern ein wenig zur Hand gehen muss. Sie habe nicht damit gerechnet, dass sich vor dem Laden die Massen drängen. „Die Zeiten sind vorbei“, sagt sie.

In Dresden kann so etwas aber schon mal vorkommen, auf dem Land eher selten. Das bestätigt John Arko von der Landbäckerei Schmidt aus Leupoldishain. Sein Unternehmen hat im sogenannten Vorkassenbereich einen Verkaufsstand eingerichtet und drei Mitarbeiter eingestellt. Arko hat schon mehrere solcher Ladeneröffnungen mitgemacht. Der Andrang sei normal, sagt er. Im Laufe des Tages werde er größer, glaubt er. Ansonsten hofft er, so wie die Verantwortlichen bei Netto, dass die Schlottwitzer und die Pendler, die in Glashütte, Dresden, Pirna oder Heidenau arbeiten, den Markt annehmen werden. Ob das eintritt, wird sich zeigen. Unter den ersten Kunden waren viele aus der Region, wie deren Autokennzeichen verrieten.

Markt in Oberschlottwitz in Gefahr?

Ein paar kamen zu Fuß, so wie Gunter Jäpelt, der in der Nähe wohnt. Er trägt zwei gut gefüllte Beutel aus dem Markt und schaut zufrieden aus. Der Laden hat ihm gefallen. „Er ist sauber und ordentlich“, sagt er. Der Rentner gehört nicht zu denjenigen, die den Bau des Marktes abgelehnt hatten. Von den Kritikern gibt es in Schlottwitz eine ganze Menge. Die – dazu gehörten viele Schlottwitzer Ortschaftsräte – befürchten, dass über kurz oder lang der Einkaufsmarkt in Oberschlottwitz oder der benachbarte Penny-Markt dichtmachen wird, weil sie der Konkurrenz nicht standhalten werden.

Frank Schiebel, der den Laden in Oberschlottwitz betreibt und sich den Netto am Abend anschauen wollte, will nicht aufgeben. Er gibt sich kämpferisch. „Wir werden noch mehr auf regionale Produkte setzen“, sagt er. Zudem wolle er in seinem Laden weitere Dienstleistungen anbieten. Schon jetzt kann man hier unter anderem kopieren, Messer zum Schleifen und Wäsche zur Reinigung abgeben. Als kleines Unternehmen sei man wendiger als ein Großunternehmen. „Das ist unser Vorteil“, sagt Schiebel. Nicht nur Gunter Jäpelt hofft, dass diese Rechnung aufgeht „Ich wünsche mir, dass die Vielfalt bleibt“, sagt er.

Sehr gelassen wirkt Bäckereimeister Gerd Degenkolbe, der am Tag der Eröffnung gemütlich am Netto vorbeischlendert. Seine Bäckerei arbeitet ein paar Meter entfernt vom Markt. Degenkolbe geht zum Gießen in den Garten und bleibt kurz stehen. „Viele wollten den Markt nicht. Ich finde ihn okay.“ In seinem Laden werde sich sehr bald bemerkbar machen, dass es im Ort nun einen zweiten Bäcker gibt. „Gesunde Konkurrenz ist nicht verkehrt. Wir werden beide gut leben können“, sagt er und geht weiter. Und damit könnte der Bäcker recht haben. Schließlich kommen auch die Bewohner der benachbarten Dörfer zum Einkaufen nach Schlottwitz, so wie Karin Petzold, die in Döbra wohnt.

„Es ist wunderbar, diesen Markt jetzt in der Nähe zu haben“, sagt sie. In Döbra gibt es keinen, in Liebstadt auch nicht. Zum Einkaufen musste sie bisher nach Gottleuba und Pirna fahren. In Zukunft wird sie nun sicher öfters nach Schlottwitz kommen. Und davon könnten auch andere Geschäfte profitieren.