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Auf zum nächsten Coup

Die Olsenbande sorgte für ausverkaufte Ränge beim Bautzener Theatersommer. Nun schmiedet Intendant Lutz Hillmann neue Pläne.

© Uwe Soeder

Bautzen. Abschied von Publikumslieblingen: Mit über 40 000 Zuschauern ist am Sonntag der Bautzener Theatersommer zu Ende gegangen. Über den Erfolg des sympathischen Gaunertrios beim Freiluftspektakel, die vergangene Spielzeit und Egons mögliche Rückkehr, sprach die SZ mit Intendant und Regisseur Lutz Hillmann.

Die zehn Publikumsrenner beim Bautzener Theatersommer

Herr Hillmann, am Sonntag ist die Olsenbande zum letzten Mal auf der Ortenburg abgehoben. Damit ist nach drei erfolgreichen Jahren Schluss mit dem Bautzener Theatersommer rund um das Gaunertrio. Was würden eigentlich Egon, Benny und Kjeld dazu sagen?

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Die Drei würden sich für den erfolgreichen Coup gegenseitig über den Klee loben und in den Himmel heben. Dann würden sie sofort einen neuen Plan schmieden. Schließlich muss es mit etwas Neuem weitergehen, wenn man etwas geschafft hat. Sich auszuruhen bringt keine Befriedigung.

Welche Bilanz aber zieht der Intendant und Regisseur?

Wir haben in dieser Theatersommer-Saison 35 nahezu ausverkaufte Vorstellungen gespielt. Wie schon im vergangenen Jahr kamen auch zur diesjährigen Auflage wieder über 40 000 Zuschauer. Sicherlich hat die Felsenbühne Rathen mit einer Vielzahl an Stücken insgesamt im Sommer mehr Besucher, aber für nur eine Inszenierung ist das eine tolle Bilanz für unser Haus.

Es saß also einmal ganz Bautzen beim Freiluftspektakel …

In gewisser Weise ja, aber das Bautzener Publikum ist nur ein kleiner Teil des Theatersommers. Manche sind für die Olsenbande 500 Kilometer angereist, kamen aus Rostock oder Leipzig.

Womit erklären Sie sich die anhaltende Beliebtheit des Gaunertrios vor allem im Osten?

Die Renaissance der Olsenbande erleben wir seit etwa 15 Jahren. Die Filme fanden Anklang, weil sie einen West-Touch hatten und trotzdem Ähnlichkeit mit der DDR. Da fuhren Autos, die die Menschen aus ihrem Land kannten, und Dänemark sah auch ein bisschen aus wie dieser Landstrich hier, nicht alles auf Hochglanz. Zudem rappeln sich die Stehaufmännchen immer wieder hoch. Das macht das Gaunertrio sympathisch.

Von diesem Phänomen hat die Bautzener Inszenierung profitiert …

Sicher, aber vielleicht haben wir die Olsenbande auch gut für die Bühne umgesetzt. Wir haben versucht, Stimmung und Wesen der Filme aufzugreifen. Nachzuempfinden, was sie an Wesen und Wärme haben, ist auch eine Kunst und schwer herzustellen. Das ist uns wohl gelungen.

Worin lag die größte Herausforderung der diesjährigen Sommertheaterproduktion?

Wir wussten, dass wir die Opernszene machen wollen, bei der sich die Olsenbande im Film durch mehrere Mauern zum Spiel des Orchesters sprengt. Beim Film lässt sich diese Szene durch Kameraeinstellungen lösen. Für unsere Produktion hat Bühnenbildner Miroslaw Nowotny eine Lösung mit der Drehbühne gefunden, die sich inzwischen in vierfacher Ebene dreht – und sogar ein Orchester gab es. Das habe ich an noch keinem anderen Olsenbanden-Stück am Theater gesehen.

Zum Theatersommer gehören die Burgfilmnächte. Wie fand das Publikum die Filmauswahl?

Die Burgfilmnächte sind inzwischen eine feste Größe in der Stadt. Wir versuchen, eine Alternative zu den großen Blockbustern sowie ein gutes und anspruchsvolles Programm anzubieten. Allein zum Familienfilm „Das Leben ist ein Fest“ kamen am vergangenen Dienstag 400 Zuschauer.

Mit dem Theatersommer geht die Spielzeit zu Ende. Wie sieht dafür Ihr Rückblick aus?

Der Publikumsliebling – neben der Olsenbande – war in der Spielzeit 2017/18 das Weihnachtsmärchen „Die verzauberten Brüder“. Ein Höhepunkt war „Das Museum der Deutschen“, eine Koproduktion mit der Leipziger Performance Gruppe „friendly fire“. Thematisiert wurde, was von den Deutschen übrig bleiben wird, wenn diese ausgestorben sind. Zwei Jahrhunderte Lausitzer Geschichte standen im Mittelpunkt des Siegerstücks „Lausitzer Quartiere oder Der Russe im Keller“ beim Theaterpreis „Lausitzen“. Mit dem „Fall der Götter“ waren wir beim 10. Sächsischen Theatertreffen vertreten. Insgesamt kamen zu über 950 Veranstaltungen über 153 000 Besucher.

Wie geht es nach den Theaterferien weiter?

In der kommenden Spielzeit erwartet unsere Zuschauer wieder eine Mischung aus Anspruch und Unterhaltung. Das Puppentheater wird unter Leitung des neuen Puppentheaterchefs Stephan Siegfried mit dem „Besuch der alten Dame“ in die Spielzeit starten. Mit dem „Räuber Hotzenplotz“ bringen wir ein opulentes Weihnachtsmärchen auf die Bühne. „Das Weiße Rössl“ gibt es wie „Orestie“ von Aischylos. Bei der griechischen Tragödie wird ein Bürgerchor mitwirken – und beim Theatersommer gibt es die „Sonnenallee“ über das Leben Ost-Berliner Jugendlicher im Angesicht der Berliner Mauer in der DDR der 1970er-Jahre. Das passt auch gut zu 30 Jahren Wende.

Und die Olsenbande verprasst inzwischen ihre ergaunerten Millionen?

Egon, Benny, Kjeld und Yvonne geistern im musikalischen Intermezzo „Die Olsenbande und das Gebiss des Grauens“ noch durchs Haus. Ansonsten weiß ich nicht, was dem Gaunertrio noch so einfällt. Vielleicht kommt es auch irgendwann zurück, so schnell wird es aber nicht gehen.

Gespräch: Miriam Schönbach